PERRY RHODAN – eine Ausdrucksform von Genreliteratur

Das Interview mit Dr. Olaf Kutzmutz kam während des Kurzgeschichtenseminars »Kein Wort zuviel« zustande, das vom 3.02. bis 5.02.2017 an der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel stattfand. Genauer gesagt, in der Mittagspause am Samstag. Die Seminare mit Klaus N. Frick, Uwe Anton und weiteren Dozenten aus dem PERRY RHODAN-Umfeld haben an der Bundesakademie eine lange Tradition.

Die Fragen stellte PERRY RHODAN-Fan Alexandra Trinley. Das Gespräch begann mit dem Bild von Mausbiber Gucky auf ihrem Handy:

A. Trinley: Olaf, kennst du Gucky?

Dr. Olaf Kutzmutz: Natürlich kenne ich den. Aus dem Perryversum. Ein alter Bekannter.

A. Trinley: Wie hast du PERRY RHODAN kennengelernt? Ich meine, war der Beginn der Seminare hier dein Erstkontakt?

Dr. Olaf Kutzmutz: Also, ich habe PERRY RHODAN gekannt als Name, als Heftromanserie, aber eine Gestalt hat er für mich erst bekommen, als ich Klaus Frick, Uwe Anton, Robert Feldhoff und einige andere Dozenten hier in Wolfenbüttel an der Bundesakademie kennengelernt habe. Dadurch wurde mir das, was ich nur dem Namen nach kannte, sinnlich und auch von den Inhalten her vertraut. Ich habe natürlich auch einige Heftromane gelesen, bin aber kein Heftromanabonnent und bin zwar ein Fan der Reihe, aber ein nicht lesender Fan wahrscheinlich.

A. Trinley: Vom Programmleiter für Literatur der Bundesakademie für kulturelle Bildung erwartet man ja erst mal nicht, dass er sich mit Schundliteratur und Raketenheftchen beschäftigt. Hat sich deine Einstellung der Serie gegenüber im Lauf der Zeit verändert?

Dr. Olaf Kutzmutz: So eine Reserve hatte ich gegenüber den Heften nie – ich hätte nie von Schundliteratur gesprochen. Es ist eine Ausdrucksform von Literatur, Genreliteratur, in einer sehr vielfältigen Form und unser Haus, die Akademie, ist ein Raum für die Vielfalt von Literatur. Darin hat die Unterhaltungsliteratur, wie sie PERRY RHODAN verkörpert, seit 20 Jahren ihren festen Platz und ich bin froh, dass wir das kontinuierlich auch mit dem Chefredakteur Klaus N. Frick und Gastdozenten besetzen können; auch mit Leuten wie Andreas Eschbach, der früher oft hier war. Insofern wird die Unterhaltungsliteratur verkörpert durch diese Autorinnen und Autoren, den Chefredakteur und sinnfällig in den Werkstätten, wo wir eben runterbrechen, wie es wirklich geht.

A. Trinley: Ist es für dich eine aufregende Vorstellung, mit einem Raumschiff in ferne Welten oder andere Zeiten zu fliegen?

Dr. Olaf Kutzmutz: Auf jeden Fall ist es eine aufregende Vorstellung. Aber ich hätte ganz schlicht Angst davor, dass es mir zu wenig komfortabel wäre. Wenn es so wäre wie bei mir zuhause, mit wenig Störung um mich herum – Ruhe hat man, glaube ich, im Weltraum – dann wäre das in Ordnung. Aber ich hätte Bedenken, solch eine Reise anzutreten, weil ich befürchten würde, ich komme nicht wieder, ich würde schlimme Dinge erleben.

Das ist genauso wie bei anderen Dingen, die ich mag. Wo ich auch gern hin möchte, ist die Serengeti. Aber da möchte ich Tiere beobachten und das ist nur sinnvoll, wenn man es im Zelt macht. Ich lebe aber lieber in Hotels und das spricht gegen die Serengeti. Und so ähnlich ginge es mir, glaube ich, auch mit der Weltraumfahrt. Ich bräuchte ab und zu irgendwo in der Galaxie ein gutes Hotel, um einzukehren und auszuspannen. So etwas kann ich mir bei der Reise mit einem Raumschiff schlecht vorstellen.

A. Trinley: Jetzt machst du seit Jahr und Tag mit Klaus N. Frick und Uwe Anton zusammen Seminare über Science Fiction und phantastische Literatur.

Dr. Olaf Kutzmutz: Ja, Klaus ist sogar länger hier an der Akademie als Dozent als ich als Programmleiter. Ich habe 1999 angefangen, Klaus 1995 und Uwe 1997. Ich habe diese Welt – PERRY RHODAN, Science Fiction, diese Genreliteratur – in hohem Maße durch diese beiden und durch Andreas Eschbach, Kathrin Lange, Robert Feldhoff kennen– und schätzen gelernt. Mir gefällt an Klaus Frick und Uwe Anton, wie unaufgeregt, aber wie engagiert sie diese Werkstätten machen. Ich glaube, das hängt damit zusammen, wie sehr sie starken Stress aushalten können durch ihren Beruf: Uwe als Autor, Klaus als Redakteur, der alles für seine Heftromanserie managen muss. Und das wirkt sich neben der Sachkunde, die ihre jahrzehntelange Arbeit mit dem Perryversum bedingt, sehr positiv auf die Werkstätten hier in Wolfenbüttel aus. Die sind ja keine PERRY-Werkstätten, sondern Werkstätten zur phantastischen Literatur, in denen das Perryversum eine kleine Rolle spielt.

A. Trinley: Wobei du immer wieder PERRY RHODAN-Fans unter den Besuchern hast.

Dr. Olaf Kutzmutz: Genau, genau. Aber ich finde es gerade schön, dass es nicht nur eine Fan-Werkstatt ist, sondern ein Ort des Austausches zwischen den Fans, den Autorinnen und Autoren und den vielen anderen, die eben auch phantastische Literatur mögen: dieses ganze Spektrum von Science Fiction, Horror und Fantasy, das wir anbieten.

A. Trinley: Was aus diesem Spektrum liest du selber gerne?

Dr. Olaf Kutzmutz: Das ist sehr unterschiedlich. Wenn mich ein Buch stilistisch reizt, dann lese ich es. Am liebsten wäre mir tatsächlich, wenn nur »Roman« auf dem Buch stünde. Ob es dann Horror von Stephen King enthält, eine Weltraumreise oder ein Gedankenspiel wie bei Eschbachs »Der König von Deutschland« mit den Wahlmaschinen – sobald die Geschichte mich packt oder hervorragend geschrieben ist, bleibt mir das Thema fast egal.

A. Trinley: Dann bedanke ich mich für das Gespräch.

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Was das Interview nicht abbildet, ist Olafs Art zu sprechen, in sich hineinzulachen und sich bei manchen Fragen erst mal unwillkürlich anders hinzusetzen, ehe er zu antworten beginnt. Wer ihn kennt, muss sich das einfach dazudenken.

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