Creative Writing mit Kevin

Es war der Tag vor dem Faschingswochenende, die Tafel war ungeputzt und vollgemalt mit seltsamen Gestalten und es war kein Platz, die Aufgabenstellung für den inneren Monolog zu einem Abschnitt aus den „Twelve Angry Men“ („Die zwölf Geschworenen“) von Reginald Rose anzuschreiben.

Also blieb auf der Haupttafel nur eine Gestalt übrig. Die Schüler tauften ihn Kevin. Wir schrieben den inneren Monolog mit Kevin – er sitzt im Kopf des Foreman, des Vorsitzenden, und beobachtet. Das Tafelbild zeigt Kevin und die spontan formulierte Aufgabenstellung.

Dieser Schreibauftrag erfordert, dass man  das Beobachtete verstanden hat – den Konflikt und die Charaktere der Geschworenen. Das Drehbuch gibt zu Anfang präzise Anweisungen; sehr schönes Material zum Aufbau eines Adjektiv-Wortschatzes übrigens. Er erfordert aber auch, dass man sich den Charakter des Erzählers zurechtlegt. Man muss im Vorfeld wissen, ob er mitfühlend oder gehässig ist, ob er die Menschen versteht oder nur ihr seltsames Verhalten kommentiert.

Von der in der Aufgabenstellung angesprochenen Möglichkeit, Gedanken zu lesen, wurde in den Schülerlösungen kein Gebrauch gemacht. Das war sinnvoll: Das Beobachten und Kommentieren reicht erst mal völlig. Mit dem Gedankenlesen käme eine dritte, komplexere Komponente hinzu.

In diesem Feld gibt es unheimlich viel an Möglichkeiten. Nächstes Mal werde ich hierauf einige Minuten und die Seitentafeln verwenden. Die Ergebnisse waren interessant, aber mit gezielter Aufbereitung der Möglichkeiten, den Erzähler zu gestalten, kann man noch wesentlich mehr rausholen.

Den Drehbuchtext von „Reginald Rose: Twelve Angry Men“ findet man im Internet als .pdf und als Online-Text: https://docs.google.com/document/d/1irVXTuMAQESSwtoqOtQiC_-5dZa59LCmOxA_IQzlxww/edit. Wir hatten in eine „Print on demand“-Version verwendet, die gemessen an der Textlänge teuer war, in die man aber andererseits sehr schön reinschreiben konnte und die mit dem Hochglanzeinband auch stilvoller aussah.

Nach den neuen Bildungsstandards ist die Filmanalyse verpflichtend durchzunehmen. Deshalb sprachen wir im Anschluss die entsprechenden Seiten zu field size, camera movements, camera positions und camera angles durch. Man kann dann anhand des Drehbuchs diskutieren, an welcher Stelle man was machen würde und welchen Effekt es hätte. Dann waren als Hausaufgabe die ersten fünf Minuten des Films auf Youtube anzuschauen und zu analysieren. https://www.youtube.com/watch?v=nfAbTyAcgpE

Das Anschauen der gesamten Verfilmung mit Henry Fonda stellte die an Knalleffekte gewöhnten Jugendlichen vor eine ernste Herausforderung. Eine gute Gelegenheit, die Regeln des film review an die Tafel zu schreiben, damit sie Notizen machen und in der Folge zu begründen versuchen, wie es ihnen mit so einem ruhigen Schwarzweißfilm geht.

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