Susan Schwartz – Aufstand in Thantur-Lok (Arkon 2)

Nach dem ersten Band der Miniserie, „Der Impuls“, und dem zugehörigen Interview mit dem Autor und Expokrat auf http://www.perry-rhodan.net/newsreader/items/das-leben-schreibt-die-schoensten-geschichten-teil-eins.html und http://www.perry-rhodan.net/newsreader/items/das-leben-schreibt-die-schoensten-geschichten-teil-zwei.html erwartete ich von diesem Roman eine harmlose, in den einzelnen Abschnitten übersichtlich begrenzte Welt, die geruhsam und mit Betonung des Menschlichen erzählt wird – auch wenn ein Teil des Menschlichen Arkonidisch ist. Und das bekam ich auch. Die Art zu Schreiben fügt sich zur Anlage wie Hand und Handschuh, so weit man dies aus der Verbindung von Exposé und Ausführung im ersten Teil schließen kann.

Ich für meinen Teil liebe den Roman. Das entschied sich eigentlich auf den ersten anderthalb Seiten. Nur Hören, Sehen und Bewegung … verschiedene Sinnesfelder. Ich las die Passage ein paarmal, bevor ich es glauben konnte, und hoffte, dass es so weitergehen würde. Ich hatte einen ausgesprochen schwachen Tag, und die vielen Sinneseindrücke füllten meine Leere auf.

Am heutigen Tag, in erholterem Zustand las ich den Roman erneut und diesmal zuende. Meine Einschätzung blieb. Den Erzählstil liebe ich wirklich, und auch die Schwerpunktsetzung. Die schlaglichtartige Darstellungsweise kann ich, nach bisschen Anlaufschwierigkeiten im Mittelteil um Sahiras Vergangenheit, nachvollziehen. Dieser Abschnitt springt ein bisschen in der Zeit herum, doch über die Verständlichkeit der Szenen findet man sich gut darin zurecht. Will ich die komplette Lebensgeschichte? Ich denke, das Wichtige weiß ich.

Das Gleiche gilt für den Arkonidenaufstand. Was habe ich verpasst, wenn mir Umfeld, Drahtzieher und kausalen Ablauf nicht chronologisch übersichtlich dargelegt werden? Ehrlich gesagt nichts, was mich brennend interessieren würde. Wie die Besatzungsmitglieder aber in diesem Wartungsraum stehen, einem mithilfe eines uralten Robots zur Flucht verhelfen und dann mit den Meuterern ausdiskutieren, wie sie zueinander stehen und wer wen einsperrt oder tötet, das kann ich mir vorstellen. Die Fleisch essende Raubtierarkonidin kam nach der eindrucksvollen Einführung eine Zeit lang stereotyp rüber, wenn die beiden Offiziersanwärter sie allzu blind anhimmeln, doch mit ihrer Machtübernahme gibt sich das wieder. Ich freue mich auf Shallowain.

Insgesamt gesehen, empfinde ich den Roman als – weiblich. Wieder eine Aussage, die nach Stereotyp schreit. Man möge mir widersprechen, wenn man mag. Weiblich wegen der Themen: die Zeit, welche die Protagonisten füreinander haben. Die vielen kleinen Interaktionen. Die hübschen Dinge. Die phantastischen Nocturnen. Die Mutter-Tochter-Passagen. Die Hormonwechsel. Wie Sahira ihren Vater verpassst, weil sie sich nicht in den Vordergrund drängen möchte. Das Ausgenutztwerden. Die vielen Gefühle, die keine Rationalisierung durchlaufen und deshalb unsensimental bleiben. Kein Zwang, cool zu sein und etwas Großes zu machen, um das eigene Ego zu tätscheln. Die mythenalte Fremdheit zwischen alternd Lebenden und Unsterblichen. Erzähltechnisch die verquer angeordneten Zeitabläufe, die in meiner begrenzten Lebenswirklichkeit ein weibliches Gehirn jederzeit ordnen kann, während Männer eher mal „Moment – was kommt jetzt zuerst und was hat das miteinander zu tun“ einwerfen. Gut, es ist auch ein klassisches Merkmal weiblichen Erzählens bei Christa Wolf und Anna Seghers. Jedenfalls fühle ich mich mit dem Roman wohl und habe mich darüber hinaus auch wirklich gefreut, mal wieder was von Suzan Schwartz zu lesen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s