Supergirl

Es war eine jener SF-Cons – Science-Fiction-Conventions – auf denen sich alles trifft – Freunde, Feinde, Gleichgültige und jene Menschen, die einander tief im Herzen kennen, ohne dass es andere irgendwas angeht. Und weil es keinen was anging, hatten sie verabredet, einander als jene entfernten Bekannten zu begegnen, die sie dem herkömmlichen Lauf der Dnge nach sein müssten.

Als leidenschaftliche Cosplayerin hatte Dana sich als Supergirl kostümiert, eine Rolle, aus der sie nahtlos herausplumste, als sie ihm ausgerechnet im Eingangsbereich begegnete, obwohl sie ihn schon auf der Veranstaltung geglaubt und vergeblich gesucht hatte. Als er sie umarmen wollte, wich sie zurück, weil sie sich seit Wochen auf die Ferne zwischen ihnen eingestellt hatte, die wichtig war, weil nicht jeden innere Gefühle was angingen, und sprach über die Fahrt und das Bühnenprogramm.

Mehrmals liefen sie einander über den Weg, einmal peilte sie an, in kleiner Runde neben ihm zu sitzen und war ratlos, als er ihr vertrautes Geprächsthema abbrach, um mit anderen Leuten rauchen zu gehen, verstand erst später, dass es zu privat gewesen war, zu viel Persönliches enthielt.

Später stand er im offenen Eingangsschott des Raumschiffsmodells in der großen Halle, machte fürs das applaudierende Publikum den jovialen Star, warf ihr, die von Leuten umringt einige Kampfbewegungen präsentierte, eine formvollendete Kusshand zu, um gleich darauf den Arm um seine Kollegin zu legen, so dass beide winkend fotografiert werden konnten.

An dieser Stelle ging Supergirl aufs Klo und weinte, ging nicht zu den Gruppen, in denen er stand, lief weg, als sie ihn am Ende des Gangs erspähte, wie er auf sie zueilen wollte – oder nicht sie, schließlich mussten sie nun mal den gleichen Aufzug benutzen, so dass es egal war – und ignorierte, als er in der letzten Gruppe des Cons, wo sie sich doch wieder trafen, sehr laut sagte, dass er jetzt zum Auto geht, zwei Mal sogar.

Nach dem Umziehen war sie Dana, einfach Dana, setzte sich in ihr eigenes Auto und weinte einige Kilometer, weil er sich nicht mal verabschiedet hatte, beruhigte sich, hielt an der Tankstelle, hielt auf einen Kaffee, für den sie sich an den Raststätten-Spielplatz setzte, mit der klaren Einsicht, dass sie zu emotional war, dass sie zu viel von den Menschen erwartete und richtete sich im Alleinsein ein, als ihr Handy summte und sie las: „Wo warst du? Du warst plötzlich weg. Gute Fahrt!“

Der Sammelblog für die abc.etüden heißt Irgendwas ist immer. Ich danke dieser freundlichen Gruppe, dass sie mich immer wieder zwischendurch zum Schreiben bringt. Ich war auf einem Schreibseminar und habe paar Wochen lang Geschichten für Conbücher geschrieben und so weiter. Aber ich kehre immer wieder gerne zurück. 

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14 Comments

  1. Ein mir nicht eben vertrautes Ambiente, in dem dann aber doch Dinge passieren, die wohlbekannt sind. Danke für diese unterhaltsame Geschichte und das sehr lebendige Schlussbild (auf dem Spielplatz – in einer Hand den Kaffeebecher, in der anderen das Handy). Alles wird gut!
    LG Christa

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    1. Ein Con ist eine Convention (dann hat der volle Begriff im Text also nichts genützt, hmpf.) Also, ein organisiertes Treffen von Verrückten oder Nerds. Es gibt z.B. den Comic-Con oder mehrere davon, Comics habe ich in letzter Zeit erst entdeckt.
      Dann gibt es die SF-Cons. Auf denen gibt es Conbücher, in denen sich idealerweise sowohl Informationen über Programm und Ehrengäste wie auch Geschichten und Artikel befinden. Grundsätzlich ist die Teilnahme offen, die Möglichkeit wird auch offen ausgeschrieben in der Regel sind aber immer dieselben Verdächtigen vertreten, und die Zusammensteller schreiben diese auch an. Nach einem bestimmten Zufallsprinzip. Also, sie vergessen auch Leute.
      Jedenfalls ist Anfang Juni der Garching-Con, da habe ich im Conbuch die Drachengeschichte, die ich dir, glaube ich, gezeigt habe,oder war es Christiane? Einer von euch, weil sie aus einer abc-etüde erwuchs. Wurde halt ziemlich viel größer.
      Und später im Jahr ist der ColoniaCon, da habe ich eine eigene Geschichte drin und einen Artikel über unsere Fanserie DORGON.
      Auf dem Garching-Con haben wir aber eine kleine Präsentation zu DORGON. Googel das einfach mal.
      Garching-Con, ColoniaCon, Perry Rhodan-Tage Osnabrück, PHANTASTIKA.

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        1. Ich würde sie dir ja zeigen, habe auf deinem Blog, glaube ich, keine Referenz-Adresse gefunden.
          Übrigens hattet ihr letztes Jahr den Austria.Con, da gab es sogar einen Empfang im Wiener Rathaus, und der Botschafter der Mongolei war da, weil Perry Rhodan doch die neue Hauptstadt der Menschheit in der Wüste Gobi gegründet hat, anno 1961.
          Googel mal Austria Con, Wien.

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      1. Ich stimme dir in allem zu. Nur in einem Punkt nicht. Ich würde die Leute nicht Verrückte nennen. Es sind Fans, einige davon mögen auch Nerds sein, aber verrückt ist da keiner. Alles völlig normale Menschen mit unterschiedlichsten Berufen, Hintergründen, Herkünften, weiteren Interessen, Ausbildungsständen etc. die ein gemeinsames Hobby zu einem gemeinsamen Treffen treibt, eben der Con.

        Verrückt wird es nur, wenn es um den korrekten Artikel geht! Der oder die Con 😉

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        1. Klar, ich gehe ständig auf so Veranstaltungen. Einen Bekannten, mit dem ich beim Erstellen von Beiträgen über die Ehrengäste eines Cons zusammengearbeitet hane, kenne ich nur im Klingonenkostüm. Der schrieb ein geniales Buch, die Nerd-O-Pedia.
          Für die nächste Ausgabe des Corona-Magazine willl ich mit ihm ein Interview machen, das wird sicher spannend.

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  2. Gerade wenn man verliebt ist, sind so emotionale Gemengelagen fürchterlich und führen viel zu leicht zu Missverständnissen. Heikles Thema, sehr nachvollziehbar.
    Schön, dass du wieder mal dabei bist!
    Liebe Grüße
    Christiane

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