Die Kartographen der Unendlichkeit von Kai Hirdt

Die Perry-Rhodan-Comicserie kaufe ich eher aus Anhänglichkeit und für meine Töchter. Diesmal habe ich versucht, mich darauf einzulassen und der Bildersprache zu folgen. Dabei fühlte ich mich schnell wie in einem Wald aus Hinweisschildern, die mich in verschiedene Richtungen schicken. Ich holte mir ein Buch aus der Reihe „Interior Design Basics“ dazu, das mir paar Ideen gab, aber zu wenig, las beide parallel. Im Folgenden möchte ich meine Eindrücke schildern.

Das Titelblatt passt zur Titelaussage „Kartographen“, in der Handlung geht es dann aber um eine völkervernichtende Höllenmaschine. Die Handlung tritt in meiner Wahrnehmung hinter die Bilder zurück: Es gibt zwei Parteien, eine insektoid, die gegeneinander kämpfen und Perry Rhodan and friends helfen den angeblich Bösen, die dann doch die Lieben sind, indem sie sich ins Gefängnis stecken lassen, dadurch nah an die gefährliche Maschine kommen, diese auf unerwartete Weise zerstören können und dann muss der Planet doch evakuiert werden, wobei sie und die SOL helfen. Perry Rhodan kündigt an, dass er Zeit hat. Das bin ich als Leser der Textserie nicht gewohnt.

Wahrscheinlich erschließt sich der Zusammenhang durch die Vorgängerhefte, die ich aber nur durchgeblättert habe, ehe sie meinen Töchtern in die Hände fielen. Wobei meine Zehnjährige sich beschwerte, dass sie streckenweise gar nicht verstand, was ablief. Ich musste mich auch anstrengen. Gerade ab S.21 schien mir richtig viel rausgekürzt, ohne dass der Informationsgehalt der Bilder entsprechend verdichtet worden wäre.

Die innere Umschlagseite ist übersichtlich gestaltet mit Blickfanglogo, Willkommenskästchen und ansprechend dargestellten Informationen zu den Künstlern. Muskel-Perry ruft bei mir allerdings einen Lachreiz hervor, der dem Spannungsaufbau abträglich ist, und warum Icho Tolot die Riesenfüße hat, verstehe ich auch nicht. Die ursprünglichen Säulenbeide müssten doch gut ins Bild gesetzt werden können. Vielleicht sollten die Riesenlatscher in „menschlicher“ und sympathischer machen? Auch der muskelbepackte Mausbiber unten rechts mit der tatkräftig zu Krallen erhobenen Händen gefällt mir nicht, obwohl die Figur auf der Seite optimal platziert ist. Der eigentliche Reiz der Figur wird duch die Bepackung erdrückt.

Das Auftaktbild zeigt kämpfende Flugkörper in einer Stadt. Der rote Bösewicht-Bildschirm signalisiert Gefahr und führt gut in die tatsächliche Handlung des Heftes ein: den Kampf um die Festung von A’krul. Mit den Gebäuden bin ich ein wenig hin- und hergerissen, weil diese und weitere Gebäude im Heft zur von glatten Rechtecken geprägten Bauweise holz- und steinverwendender Nacktaffen passt (die Spanne zwischen Bauhaus und Anthroposophie sei jetzt mal außer Acht gelassen), aber eventuell zu wenig zu Insektoiden. Deren Bauprinzipien verwenden wir vor allem in puncto Tragfähigkeit. Erstes Googeln ergab http://www.detail.de/fileadmin/_processed_/csm_P_0804_R03_60bf8a7a2d.jpg als ein Beispiel insektoider Bauweise. Und mehr Tiefenschärfe würde wohl die Arbeitszeit und damit den Heftpreis exorbitant in die Höhe treiben. Für die Flugzeuge gilt dasselbe: insektoid, vogelhaft, rochenhaft, aber Humanoiden gehörend. Für mich kommt erst mal gar nicht raus, ob die Szene an der Luft oder unter Wasser spielt.

Im weiteren Verlauf haben viele Bilder nur amorphen Farbhintergrund. Hier würde ich ebenfalls eine sinntragendere Zuordnung des Unterwasserblaus und der gelben bzw. rötlichen Flächen begrüßen. Die S. 12 ist ein sehr schönes Beispiel für eine übersichtlich gelenkte Zuordung, bei der die Farben Signalwirkung und damit Informationsgehalt haben.

Mögen und Nichtmögen … den Perry mag ich nicht. In keinem einzigen Bild kann ich ihn ernstnehmen, und das ewige gestresse G’schau in Ausschnittsbildern trägt wesentlich zu meiner Ablehnung bei. Icho Tolots Leuchteaugen und Riesenfüße – die Säulenbeine müssten sich doch eigentlich eindrucksvoll genug in Szene setzen lassen? Sollte er „menschlicher“ und netter wirken? Auch mit Irminas Berufskleidung werde ich nach wie vor nicht warm, wobei ihr Augenausdruck auf S.24 echt gut gefällt und ebenso die Interaktion zwischen den Frauen bei der Zerstörung der Maschine (vgl. S.19f).

Dalaimoc Rorvic als aktiver Gestaltwandler, wohl in Anlehnung an die in die Jay der Erstauflage, ist mir neu. Urprünglich brauchte er das Amulett einfach um Mensch zu bleiben. Die echte, drachenähnliche Gestalt kam nur ungewollt durch. Seine Frauenphobie ist auf S.4 witzig in Szene gesetzt. Im Anschluss an den Comic kommt auf der Lks eine Rezension, an die eine Charakterbeschreibung anknüpft. Diesen Informationsgehalt hätte ich gern durch auf den Punkt gebrachte Textaussagen und Bilder im Comic selber. Heilfroh bin ich, dass er endlich kein Tibeter mehr ist, denn er war nie einer, weder dem Namen nach noch in der Mentalität. „Dalai“ ist mongolisch, -moc und -vic gibt es in dieses Sprache nicht. Und die vage Verbindung seiner Kleidung zum Mönchsgewand wurde inzwischen durch genug Serien getrieben, um jeden Zusammenhang zu überlagern. Das passt schon so.

Sehr schön in Gestaltung und Informationsauswahl das folgende Interview mit Marco Castiello und die drei Seiten „Von der Skizze bis zur farbigen Seite“. Die sehen klasse aus. Wobei sie andererseits denken lassen, zwischen dieser Zweitverwendung fertigen Materials und dem sehr schnell, wie gekürzt ablaufenden Abschnitt auf S. 22-26 könne ein Zusammenhang bestehen – ein Krankheitsfall, Zeitprobleme oder die Notwendigkeit, Platz zu schaffen für die drei Skizzenseiten.

Die Geschichte und die Gestaltung an sich reißt mich jetzt nicht so wirklich vom Hocker, doch es gibt schöne Abschnitte und paar versteckte Witze im Comic. Das Heft an sich ist sehr ordentlich ausgestattet und abgerundet, so dass um die Geschichte herum ein aussagekräftiges Gesamtpaket entsteht.

Bildquelle: Perrypedia

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