Über den Newsletter 24 der PRFZ

Meine Sommerferien hatte ich eigentlich für eigene Texte geplant, neben dem Redigieren von SOL, Newsletters und DORGON, von den paar Rezensionen mal abgesehen … und unversehens wurde das Erstellen großer Teile eines Newsletters der PERRY RHODAN Fanzentrale daraus.

Es gibt eine knappere Version dieses Making-of, dass ich wohl auf die PROC-Seite tun werde. Dies hier ist die Version für meinen privaten Blog und für die Bekannten, die mein spezifisches Hobby nicht so kennen. Das Beitragsbild hat mir der Layouter gebastelt.

Diesem Personenkeis sei erzählt: Einen eigenen Text habe ich immerhin geschafft, der spielt nicht im Perryversum, und ich merke immer mehr, wie sehr ich mich zum Horror hingezogen fühle; muss das auch erst mal verdauen, mit welcher Art Geschichten ich mich eigentlich wohl fühle. Aber das ist ein anderes Thema. Sprechen wir über den Newsletter. Und zwar so, dass normale Menschen es verstehen.

Es ist immer wieder eine Herausforderung, sich normalen Menschen verständlich zu machen, wenn man aus der Welt des Perryversums schreibt, der Perry-Universums, solchen die freundlich interessiert oder befremdet die die Köpfe schütteln und fragen, äh, Alexandra, schön und gut, aber was tust du da eigentlich?

Nun, ich bin ein aktiver Fan der größten Science-Fiction-Serie der Welt, die 1961 begann und sich mittlerweile dem Heftroman Nummer 3000 nähert, als wöchentlich erscheinende Fortsetzungsgeschichte. Die las ich – für schlechten Geschmack und wirre Ideen gescholten, von der kosmischen Vision und dem Nebeneinander verschiedenster Rassen in einem in Entwicklung befindlichen Kosmos begeistert – als zarter Teenager und lese sie wieder. Inzwischen habe ich ja studiert und kann jederzeit argumentativ untermauern, welche Qualitäten die Serie hat.

Um Texte zu verdauen, muss ich sie besprechen, und außerdem kann man Romane besser erfassen, wenn man Autoren und Produktionsbedingungen kennt. Darüber hinaus soll die Serie ja weiterbestehen, immerhin deckt ihre Lebensdauer ein Zehntel bis ein Neuntel des Zeitraums der von der Neuen Deutschen Literaturwissenschaft erfassten Periode ab. Insofern macht es Sinn, über sie zu schreiben, um Aufmerksamkeit auf sie zu lenken. Denn eine Serie existiert, solange sie genug Interessenten findet. Dazu kann man als Fan ruhig ein bisschen beitragen – um die eigene Lebenswelt zu gestalten statt sie nur zu beobachten.

Der besagte Newsletter der PRFZ ist eine Fanpublikation. Die Fanzentrale hat mit PROC fusioniert, der PERRY RHODAN Online Community, dem Betreiber der Perrypedia. Zu PROC gehört auch unsere Fanserie DORGON. Das ist alles online. Die PRFZ wiederum bringt die SOL heraus und die FanEditionen, das sind gedruckte Produkte.

Ich bin eine Lektorin der vierteljährlich erscheinenden SOL, na ja, und der zweimonatig erscheinende Newsletter rutschte halt so mit. Während ich meine eigenen Besprechungen und Kolumnen vor allem zu PERRY RHODAN beim Geisterspiegel schreibe und im Corona Magazine. Das ist ein gemischteres Publikum mit einer Mixtur von Themen.

Nun stand mir ein ruhiger Sommer bevor, alle Kinder außer Haus, Zeit. So meldete sich Christina Hacker, unsere SOL-Chefredakteurin … weil sie gesundheitlich sehr in Anspruch genommen sei, und ob ich diesmal den Newsletter füllen könne und dann eventuell weitermachen. Die Anfrage fiel in eine Zeit, in der das online erscheinende Corona Magazine, in dem ich meine gewohnte Kolumne zur PERRY RHODAN-Erstauflage schreibe, nach einer überraschenden Umstellung auf einen zweimonatigen Rhythmus eine noch überraschendere dreimonatige Sommerpause macht. Und der Geisterspiegel hat kaum Deadlines (und »die Serie« ist voll digitalisiert, also jederzeit erhältlich), ich bin da nicht unter Druck (außer von meinem pechschwarzen Gewissen). Insofern war das interessant, und ich sagte zu.

Nun galt es, eine großteils leerstehende Fläche zu füllen, für deren Umfang ich kein Gefühl hatte … das ist nicht leicht, wenn man an die Publikationen gewöhnt ist, die Platz bieten und bei denen man mit PERRY RHODAN einen in andere Inhalte eingebetteten Bereich füllt. Man muss sich dann erst mal an die definierte Fläche eines neuen Formats gewöhnen und überlegen, was für das Publikum der Fanzentrale relevant sein könnte.

Nun war sowieso angedacht, René Spreer zu fragen, ob er das Layout des Newsletters übernehmen könne. Das ist der Layouter von DORGON, mit dem ich die online und seit Mai auch gedruckt bei der PRFZ erschienenen »Gespräche über TERMINUS. Hintergründe zu einer PERRY RHODAN-Miniserie« gemacht habe und der mir freundlicherweise eigentlich alles korrigiert, was ich irgendwo ohne Flüchtigkeitsfehler reintue. Also bat ich darum, diese Umstellung gleich machen zu können, weil wir dann mit Textlänge im Layout flexibler waren. Wir sind eingespielt. Das klappte, also begannen die Arbeiten.

Das erste Thema war das gewohnte PRFZ-Interview mit in der Fanszene Aktiven, drei Seiten lang. Wie bekommt man Fans, die so kurzfristig diese Textlänge füllen können? Nun, einer sagte zu … und wegen anderweitiger Auslastung wieder ab, wobei wir das nachholen werden. Im Notfall wäre der Newsletter halt kürzer geworden. Aber so schnell gibt man nicht auf.

Als die Absage erfolgte, waren bis zur selbst gesetzten Deadline nur noch wenige Tage Zeit. Also griff ich auf Bewährtes zurück, schrieb dem RHODAN-Autor Oliver Fröhlich, dessen Doppelroman anstand: Ob er mir einen Autorenbeitrag oder ein Interview geben könne, wie sonst fürs Corona Magazine. Da bekam ich nämlich immer relativ leicht was, hatte meine Kolumne aber auf völlig eigenen Text umgestellt und die Interviews ausgekoppelt. Was Fans selten können, Autoren aber schon: Fröhlich sagte zu, wollte aber zur Erleichterung die Interview-Form und schaffte irgendwie zwischen zwei vollen Arbeitstagen das Beantworten der Fragen. Strike!

Was mich dann wiederum überraschte: Als nächstes fanden wir heraus, dass ein solches Interview für jeden der Erstauflage Unkundigen ziemlich unverständlich sein musste, egal wie allgemein die Fragen formuliert waren. Wer beispielsweise nur NEO liest, versteht überhaupt nicht, worüber es in diesem Interview geht.So dass ich dann doch einen Vortext schrieb, ähnlich meiner Kolumne, aber kürzer und rein als Hinführung zum Interview. Aber wesentlich grundlegender, als ich es für dieses Medium erwartet hatte.

Wobei ich als Erstauflage-Leserin Beiträge zu NEO ja auch nicht verstehe. Diese Spin-off-Serie funktioniert ganz anders. Das hatte ich bis dato an mir vorbeilaufen lassen. So ändern sich die Perspektiven.

Eine sehr schöne Beute war der Tweet von Oliver Plaschka zur Perrypedia … noch schöner wurde die Beute, da er bereit war, diesen Tweet in einem Interview zu erläutern. Wir ergänzten es um eine Erläuterung des PROC-Vorsitzenden Nils Hirseland, wie man den Zugang zur Perrypedia-Mitarbeit erhält. Die Perrypedia, dieses Wiki für Fans wie Autoren mittlerweile unentbehrliche Nachschlagewerk zur Serie, wird von jeher als reine Fanaktivität betrieben. Die Personaldecke ist dünn geworden, es gibt bedrohliche Löcher, und es ist sehr konstruktiv, wenn Autoren sich dazu äußern.

PerryPet_Pferd_Button

Auf der Basis dieser Zugangsdaten und vor allem, weil der Platz unter Christinas Editorial beharrlich frei blieb, bauten wir das erste Exemplar der geplanten Aktion #PerryPet zusammen. Michelle Sterns Beagle, der am Mannheimer Weihnachtsstammtisch beharrlich die Nase überall hatte, wo Essen war, und Susan Schwartz’ Pferde hatten mich auf die Idee gebracht, um Foto und Spruch zur Perrypedia-Hilfe zu bitten. Das hat den tatsächlichen Start der Aktion sehr beschleunigt. Eigentlich wollte ich erst mal Foto und Text von verschiedenen Autoren sammeln.

Christina Hacker schrieb zu NEO und PERRY RHODAN-Chefredakteur Klaus N. Frick lieferte einen Beitrag zum Kurs auf Band 3000. Es ist wohl ein Zeitsprung angedacht. Olaf Brill steuerte einen Ausblick auf STELLARIS bei, die Kurzgeschichten-Reihe, die in regelmäßigen Abständen in der Heftmitte abgedruckt ist. Und damit war der PERRY RHODAN-Teil ziemlich komplett.

Die zweite Hälfte des Newsletters war das Ergebnis schlichten Rumfragens bei den Leuten, mit denen ich via Stammtisch, Conbuch, BWA oder Corona zuletzt zu tun hatte. Der Artikel von Reiner Krauss zu Transmittereffekten in der Zaubershow der Ehrlich-Brothers musste brutal gekürzt werden, um zum Thema des Newsletters zu passen, leider. Der von Lars Bublitz zur Verfügung gestellte Daily Perry-Cartoon rundet die Seite allerdings sehr schön ab.

Dieter Bohn stiftete Bildmaterial und Text rund ums Making-of des Titelblattes vom Conbuch des ColoniaCons. Auch dies ergab eine schöne Seite. Auf den Rest des Platzes passten die Darstellungen von Con-Machern, die ich angeschrieben hatte mit der Bitte, ihren geplanten Con vorzustellen, und ein Artikel zu einem auf dem GarchingCon entstandenen Videoprojekt von Heftehaufen-Martin. Der Heftehaufen ist ein PERRY RHODAN-Blog. Die präsentierten Cons sind der BrühlCon, der OstfriesenCon »Hinterm Mond« und die Phantastika, die dieses Jahr knapp, aber immerhin stattfindet durch die Fusionierung mit dem ComicCon, aber nicht in Oberhausen, sondern in Berlin.

Besonders fette Beute kam von Stammtisch- und SFCBW-Mitglied Michael Baumgartner, der mir seinerzeit am Mannheimer PERRY RHODAN-Stammtisch dezent einen BWA in die Hand drückte mit der Bemerkung, ich könne mir den ja mal ansehen. Trotz der Kürze der Zeit lieferte er einen schönen Artikel zum 35jährigen Bestehen des SFCBW, der in diesem Newsletter in interessanter Weise altes und neues Fandom verbindet. Der BWA ist der Baden-Württemberg Aktuell, ein monatlich von Uwe Lammers herausgegebenes kleines Fanzine des Science-Fiction Club Baden-Württemberg.

Die absurdeste Situation bei der Fertigung kam, als ich René schrieb, dass mir für die erste Seite nicht einfällt für die Seitenspalte, wo immer was mit Titelbild ist. Denn die nächste FanEdition wird wohl Thema im nächsten Newsletter sein. Ob er irgendwas Aktuelles wüsste. Woraufhin er meinte, wir könnten ja unser Buch 9 von DORGON nehmen. Was natürlich echt ein heißer Tipp war, zum Stichwort »den Wald vor Bäumen nicht sehen« oder so.

Dieser Blogbericht soll normalen Menschen verständlich sein. Reden wir über DORGON! Das ist eine Fan-Serie, die bald ihren 20. Geburtstag feiert. Sie spielt im PERRY RHODAN-Universum, kurz Perryversum genannt, und fällt deswegen unter Markenrecht, was bedeutet: Die beteiligten Fans dürfen mit den Figuren spielen, nicht davon darf aber verkauft werden und die Veröffentlichung erfolgt an bestimmten »Orten«. Das sind die gleichen Regeln wie bei den FanEditionen der PRFZ.

Normalerweise finden sich die online erhältlichen Bände auf dorgon.net. Das gehört auch zu PROC. Zum ColoniaCon soll Buch 9 der Taschenbuchreihe erscheinen, das sind quasi die »Silberbände« der Fan-Serie DORGON. Allerdings sind wir damit im alten Textbestand, und das Lektorat war streckenweise sehr fannisch. Was bedeutet, dass ich bei der Überarbeitung in eine druckfähige Textfassung in etwa der Hälfte des Buches sehr stark überarbeiten musste (und dank des Newsletters immer noch an den letzten paar Dutzend Seiten hänge), in der zweiten Hälfte der 200 Seiten war der Textbestand aber besser.

Dorgon9_Cover-Preview

Die Story um Leticron ist aber wirklich gut. Während des Überarbeitens (wo ich bei den Online-Ausgaben der Special Edition ab Band 76 dabei war, zuletzt haben wir Band 102 veröffentlicht) finde ich immer alles ganz schrecklich, und wenn ich es dann korrigiert und im Layout wiedersehe, finde ich es wirklich gut. Mit Leticron haben wir eine der zwielichtigen DORGON-Figuren, die früheren Zeiten der Hauptserie entstammen, und das Taschenbuch beginnt mit einer alten Lieblingsstelle von mir, wir sich das Bewusstsein des verbrecherischen Ersten Hetrans der Milchstraße in dieser Säule aus PEW-Metall befindet, durch eigene Schuld isoliert, und wie er raus will und auf Rache sinnt. 1300 Jahre lang. Und dann trifft er die anderen Bösen, die es nur in DORGON gibt: Cau Thon, MODROR und all die anderen.

So setzten wir dann unser eigenes aktuelles Projekt ein, das von der PRFZ gedruckt wird, sobald wir endlich mal fertig sind. Ansonsten hatten wir ein sehr unterhaltsames Arbeitswochenende bis zum Morgengrauen … gerade als ich dachte, jetzt muss ich doch wirklich mal schlafengehen, weil es hell ist, kam sein aktueller Layoutstand eingetrudelt. Das hat wirklich, wirklich Spaß gemacht. Und mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden.

Bin gespannt auf den nächsten Newsletter. Ich denke, ich habe jetzt einigermaßen das Gefühl für die nötige Textlänge. Nächstes Mal kommt mehr Bildmaterial rein, dazu war diesmal keine Zeit.

Leider wird der Newsletter nur an Mitglieder der PRFZ/ PROC verteilt. Die SOL ist für Mitglieder umsonst, kann aber auf Cons käuflich erworben werden. Wegen der ganzen Markenrechte ist ein freier Verkauf mit ISBN-Nummer problematisch. Aber man wird bei so was vom Verlag recht großzügig unterstützt.

Ob normale Menschen das jetzt alles verstehen konnten, weiß ich allerdings auch nicht.

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