Michelle Stern – »Im Bann des Pulsars« (PR 2914)

Die Geschichte mehrerer Thoogondu-Frauen und Menschenfrauen, die unabhängig voneinander ihre Ziele verfolgen, führt uns zurück zu dem von Robert Corvus in PR 2912 so eindrucksvoll in die Handlung eingebundenen Neutronenstern und zum Galakttransferer, dem im Orbit des Neutronensterns festhängenden Fernraumschiff der Vanteneuer, auf das Rhodan und sein Team nach ihrer Flucht von der Welt der Soprassiden gelangten und das jetzt dem Untergang geweiht ist.

Eine Hauptperson ist Shuuli, die nicht vom Exposé vorgegebene Offizierstochter, die Robert Corvus in die Serie einbrachte und die Michelle Stern übernahm. Zu Beginn des Romans taucht sie in die Frauenwelt ein, in der PR 2911 begann, als sie versuchte, sich den Thronfolger Puoshoor zu angeln und sich überraschend in einem gefährlichen Kommandoeinsatz wiederfand, in der ihr Vater die Pflichten gegenüber Vorgesetzten und Untergebenen in Einklang bringen musste, mit dem Versuch, seine Tochter unversehrt zurückzubringen.

In Michelle Sterns Roman kommt Shuuli wieder in der Nähe Puoshoors. Sie befreundet sich mit einer anderen mächtigen Frau aus dem Umkreis des verwöhnten, geckenhaften Thronfolgers. Endlich erfahren wir, was die Hofdamen wirklich über ihre Sandalen denken, und ohne den Willen, meine Besprechungsreihe fortzusetzen, wäre ich eventuell nicht über den Anfang herausgekommen.

Dabei hätte ich allerdings viel verpasst. Der Roman gefiel mir ganz ausgezeichnet, sobald Shuuli dann eben nicht zu Poushoor mitkommt, obwohl sie endlich richtig angezogen ist und von allen bewundert wird, weil sie aus der Lebensgefahr gelernt hat und ihre Ziele neu setzt.

Stattdessen übernimmt die geniale Musikerin Thaunaar die Rolle, um die Gunst des Puoshoor zu buhlen; Puoshoor, dessen puerile – unreife – Genusssucht und erotische Anziehung sie ebenso in ihren Bann zieht wie Shuuli und die Favoritin Poorda. Die Ignoranz Puoshoors ihrer Meisterschaft gegenüber veranlasste sie, sich mit Shuuli zu befreunden, um freiwillig in einen Kampfeinsatz zu gehen. Dadurch will sie genauso perfekt werden wie ein Meister ihres Instruments, der in einer Kampfsituation komponierte, während um ihn alle starben. Und dann soll Puoshoor sie bewundern.

Die kurzweilige, spannende Handlung wird aus wechselnden Perspektiven erzählt, das Aufgreifen von Motiven aus den Vorromanen bildet hier sorgfältig gearbeitete Kontrapunkte, gibt aufschlussreiche Einblicke. Zum Beispiel in die Position des Thronfolgers: Ist sie erst einmal unter Soldaten, bemerkt Thaunaar erstaunt, wie anders Puoshoor gegenüber der kämpfenden Truppe auftritt als bei Hof, nämlich gar nicht mehr dekadent, sondern einkalt und entschlossen.

Die Charaktere der drei Thoogondu-Frauen bilden ein interessantes Kontrastprogramm: Poorda, die Malerin und Favoritin, löst die Beteiligung ihrer Konkurrentinnen an den Kampfansätzen aus, aber sie selbst bleibt an der oberflächlichen Sonnenseite. Shuuli, die Offizierstochter und begabte Wissenschaftlerin hat den Tod erkannt und ihre Konsequenzen gezogen. Thaunaar, die Musikerin, begibt sich auf der Suche nach unangefochtener Aufmerksamkeit und künstlerischer Vollendung in Lebensgefahr.

Die Vierte im Bunde ist Rhodans Frau Sichu, die sich ebenfalls in Lebensgefahr bringt, um ihren Mann aus dem zerbrechenden Galakttransferer zu holen – scheinbar emotional, und doch von sachlichen Motiven angetrieben. Sie erinnert dabei an die Homo Superior Lisi Schiller an Bord der ORION aus PR 2913.

Einen dritten interessanten Kontrast bilden die Sichtweisen der Vanteneuer und ihrer Gegner auf die Unterschiede zwischen militärischer Auseinandersetzung und Terrorismus. Das schnelle Tempo und die kurzweilige Gestaltung machen den Roman leicht lesbar. Er schließt eine von 2910 bis 2914 reichende, durchgearbeitete Fünfergruppe ab, in die man auch ohne Vorkenntnisse gut reinkommen müsste.

Eine zusammenhängende Besprechung der Fünfergruppe rund um einen Autorenbeitrag von Robert Corvus zum Thema Neutronenstern habe ich in der August-Ausgabe des Corona-Magazine

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