Tanzbär

Auf ihren müßigen Kreisen um das Haus von einem, der schrieb und keine Zeit für sie hatte, wurde Myrine immer gereizter. Schwätzen und Schwadronieren, das war das Schreiben, und Myrine, die im Raum der Möglichkeiten lebte, hatte einen gefunden, der ihr wichtig war; wenn er sagte, er müsse schreiben, glaubte sie ihm und wurde vernünftig, um der Zeiteinteilung entgegenzugehen, blieb eine Zeit lang vernünftig – vernünftig – vernünftig … im Rhythmus der Schritte pochte das Wort.

Das Warten fiel schwer, doch ihr kamen Ideen, und ihre bunte Kleidung war leicht und das Wehen des Rocks machte Wind, wo der Himmelsraum keinen hergab und die Wolken schweigend am Himmel standen, auch sie an die Strömung der Winde und Tageszeiten gebunden und droben am Himmel schwer – schwerer als sie.

Myrine wurde leichter und schneller, begann zu hüpfen und auf einem Bein zu springen, um sich eine Armlänge vor der Buddelkiste dann ganz und gar in jemanden Junges zu verwandeln, viel jünger als sie, viel leichter, eine, die mit dem Wind flog, in einer übermütigen Pirouette das Tanzbein schwang und nun ihre Beinmuskeln spannte, um federleicht über den Holzrahmen zu springen.

Autsch! Denn mit dem Fuß blieb sie hängen und fiel längelang in den Sandkasten, der zu Glück groß genug war für sie, an Scherben vorbei wie denen der Sanduhr und einem zerbrochenen Herzen aus Blech; sie knallte mit dem Gesicht auf die winzigen Körner, die Geschwindigkeit und Schwere bretthart machte, die deshalb unnachgiebig blieben und Schrammen zogen; doch zum Glück nicht auf Kiesel und Glas.

Tränenblind rappelte sie sich auf, am ganzen Leib zitternd, so dass sie ums Haar beim Verlassen der Kiste noch mal gefallen wäre, diesmal ins Gras. Und als sie auf dem Rasen stand und dann doch lieber zum Baum taumelte, sich festzuhalten, bemerkte sie erst, dass sie ein Spielzeug umklammerte; einen mit gefletschten Zähnen aufgerichteten Braunbären mit Zähnen und Pranken.

Da musste sie lachen. Sie klopfte sich ab, ging zur Haustür, stellte den Bären auf seinem Briefkasten ab und klingelte.

 

Auch diese dritte Myrine-Geschichte wurde inspiriert von den abc.etüden, gesammelt bei Irgendwas ist immer.

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