Uwe Anton – Die Welt der Soprassiden (PR 2910)

Die Herrscher der Galaxie Sevcooris wollen Perry Rhodan von ihrer Wohltätigkeit überzeugen: Sie zeigen ihm eine Welt, die unter ihrer mehr oder minder sanften Lenkung der Selbstvernichtung entrann. Sagen sie. Durch ein Transportsystem, das den olympischen Ringen gleicht, erreichen Rhodan und sein Team den wunderschön anachronistischen Planeten der Soprassiden.

Seine Bewohner sind humanoide Arachnoide, die angeblich vollständig freiwillig auf moderne Technik und den Kontakt mit anderen Völkern verzichten, so wunschlos glücklich, wie sie nach der Rettung durch die Thoogondu nun mal sind. Die Erinnerung an die Rettung vor dem selbst verschuldeten Atomkrieg halten sie sorgsam aufrecht.

Perry Rhodan besucht den jungen Sternenstaat, der nach der Rettung durch das Gondunat entstand, um endlich dessen Vorzüge zu verstehen, und entwickelt nichts als Zweifel. Dabei begleiten ihn Dean Tunbridge, Báron Danhuser und Penelope Assid. Alles ist im sorgsam arrangerten Lot. Bis Rhodans Team Zugang zur Welt unter der Oberfläche bekommt und die Bombe platzt.

Im Zentrum der Ereignisse steht ein Mahnmal der nuklearer Verwüstung, deren Ablauf überaus folgerichtig und und lebens- todes?- nah ist, die aber in dieser Form trotzdem kaum stattgefunden haben kann … zu vieles passt nicht zusammen. Rhodan nimmt den jungen, scheinbar angepassten Soprassiden Ossprath mit sich, als er den zerstörten Kontinent betritt. Dabei zeigt sich sein klarer Blick: Ossprath zeigt unter seinen Fittichen in Windeseile sein Querdenken und seine Eigeninitiative. Er weiß um verborgene unterirdische Anlagen aus der Zeit vor der angeblichen Selbstvernichtung, was sein Team in die Tiefe des Planeten, zu seiner echten Geschichte und in die Geheimnisse der Galaxie führt. Dort werden sie jugendliche Mutanten und das verschüttete Wissen der Altvorderen entdecken.

Der Roman ist flüssig geschrieben. Seine gut aufgebaute, in angenehm übersichtlicher Art und Weise erzählte Handlung führt uns von der Rahmenhandlung, den manipulativen Machenschaften des Goldenen Reichs, auf einen Nebenschauplatz in Form eines abgelegenen Planeten mit Retrotechnik, die Uwe Anton schön ausführlich und anschaulich beschreibt. Ebenso viel Raum erhalten die vierbeinigen, vierarmigen, vieräugigen Bewohner dieser Welt. Ihre Konflikte scheinen ein wenig absurd, ihr Verhalten widersprüchlich, solange man sie nicht am hirnrissig widersprüchlichen Umgang realer Menschen mit den Phänomenen gesteuerter Deutungshoheit und ihrer Pfuscherei angesichts nuklearer Bedrohung misst.

In diesem Roman konnte ich versinken, und ich habe ihn nacherzählt.

So entstand ein kompletter Spoiler.

Wer noch nicht so viel wissen möchte, hört mit dem Lesen hier auf.

Also … hier!

Nicht?

Gut.

Viel Spaß!

Der Prolog beginnt mitten in der Gesprächssituation: Einer redet auf Perry Rhodan ein, spricht vom Untergang und dessen Faszination, zeigt eine Welt, und der Leser blickt in sein unsichtbares Gesicht, erlebt die Situation durch Perrys Augen und Ohren mit: den Untergang von Porass, die Welt der Soprassiden, mit grünen Wäldern und in den Boden gebauten Trichtersiedlungen. Später wird unser Team den Planeten besuchen und der Wahrheit näherkommen.

Die Soprassiden sehen aus wie eine Mischung aus Humanoiden und Arachniden, sind bis zu 1,40 Meter groß. Sie haben vier Beine und vier aus dem Oberkörper wachsende Arme. Der Hauptleib hat ein Außenskelett, die Arme und Beine aber nicht; stattdessen weisen sie je zwei Ellenbogen oder Kniegelenke auf. Ihre beiden Doppelaugen funkeln in der Kopfkapsel aus schwarz schimmerndem Chitin. Zwanzig Prozent von ihnen sind weiblich und gebärfähig. Von den männlichen Soprassiden sind aber nur die Hälfte zeugungsfähig. Die restlichen werden Politiker, Künstler, und sind wesentlich klarer im Kopf als die sich vermehrenden Artgenossen.

Die Aufnahmen aus der Vergangenheit, die Rhodan sieht, zeigen den zeugungsfähigen Soprassiden Kazuussa. Er erlebt einen planetenumspannenden Krieg, der im Einsatz von Atomwaffen eskaliert. Die Ästhetik der sonnenhellen Explosionen lässt grau verbranntes Land zurück und Kazuussa, unfruchtbar geworden, stirbt. Nicht aber sein Volk. Die Überlebenden hätten den Krieg weitergeführt, die eigene Spezies vernichtet, wären nicht die Thoogondu gekommen. Das will der Gondu Narashim Perry Rhodan zeigen.

Die beiden Unsterblichen befinden sich auf dem Flaggschiff, dem Pentasphärenraumer POTOOLEM. Man schreibt den 17. Oktober 1551 NGZ. Beeindruckt von den als Erinnerungsgast des Gondu miterlebten Ereignissen des Volkes der Thoogondu in der fernen Vergangenheit der Milchstraße und der Galaxis Sevcooris rekapituliert Rhodan die offiziellen Daten und Ereignisse des Goldenen Reichs bis zur Übergabe des Pedgondits durch ES. Trotz der erzeugten Unmittelbarkeit misstraut Rhodan dem Prozess: die Thoogondu arbeiten schlicht zu ausgiebig mit manipulierten Gedächtnisinhalten. Die Geschichte ist ihm zu glatt, er hinterfragt die Motive der Gastgeber. Ist das Streben nach einem Bündnis nur ein Manöver, um die alte Heimat, die Milchstraße, wieder in Besitz zu nehmen? Was würde das für die Menschheit bedeuten, was für ES?

Rhodan merkt, wie ausgeliefert er den Thoogondu ist und fürchtet um sein Leben. Er versucht, die Leibwächter, die Gäonen, abzuschätzen, deren Gesichter hinter ihrer Ganzkörperrüstung aus weißem Pedgondit verborgen liegen, die sich, Hauskatzen gleich, unsichtbar machen können, und betrachtet die anwesenden Thoogondu, ihre weißen, von blauen Adern überzogenen Gesichter, ihre Knochenpanzer.

Da betritt Thronfolger Puoshoor den Saal, der Rhodan stets an seinen sich hinter Masken verbergenden, provozierenden Sohn Michael erinnert. Er und sein Vater scheinen Perry zu belauern. Unser Team folgt ihm an Bord der DAAIDEM, um zu den heutigen Soprassiden ins Soprasystem zu fliegen. Sie sind brav, geben ihre Waffen ab, fügen sich. So wie die Protegées der Thoogondu auch.

Ganz große Überraschung – sie fliegen das Soprasystem nicht direkt an. Rhodan verdreht die Augen. Die Thoogondu können nur indirekt. Er hinterfragt sein eigenes Misstrauen, fragt nach dem Grund. Puoshoor argumentiert mit dem Respekt der Thoogondu vor einem stolzen Volk, das ungestört bleiben möchte. Überraschung?

Man fliegt also das System der Sonne Verrz an, und damit beginnt das Eintauchen in eine wunderschön anachronistische Welt. Die DAAIDEM kommt nämlich nicht mit. Man benutzt ein Schiffchen ohne Überlichtantrieb, 300 Meter lang und 100 Meter breit, die STAZZ. Sie hat ein Dorrnu-Triebwerk als magnetoplasmadynamischen Antrieb und muss in aufwändiger, vierarmiger Handarbeit geflogen werden, was Rhodan – übrigens als Ich-Erzähler – ausgiebig beobachtet und bewundert.

Fürs Überlichtschnelle nutzt man ein von den Thoogondu gestiftetes Transportsystem, die Kompositoren. Das ist eine Art Olympischer Ringe, deren Transmitterschock ausgesprochen schmerzhaft ist. Weshalb man Norzoz-Pulver nimmt, aufgelöst in Wasser oder in Kuchen eingebacken, so wie man es in Rhodans Jugend mit ganz anderen Substanzen tat. Als Dank für das Transmittersystem stellen sich jährlich ein paar Dutzend junger Soprassiden den Thoogondu für genetische Experimente zur Verfügung. Sie verschwinden und keiner fragt mehr nach ihnen. Der Soprandu, der Herrscher, sei zuständig … und der tut es nicht.

Auf der STAZZ lernen sie Ossprath kennen, jenen jungen Soprassiden, der so enthusiastisch angepasst scheint und trotzdem sofort Rhodans Sympathie gewinnt, weil er glaubt, was er sagt. Kommandant Vossflo, der seine Vorbehalte gegen die Besucher deutlicher zeigt, erlaubt ihm, mit den Fremden mitzugehen. So betreten sie eine herrlich anachronistische Welt aus einem glasierten Kontinent mit einem Mahnmal, für dessen Besuch sie bleigepanzerte Schutzanzüge bekommen wegen der Reststrahlung und drei scheinbar unbewohnten Dschungelkontinenten. Die Soprassiden wohnen unterirdisch! Zum Glück sind die leichten SERUNS viel effizienter als die Bleipanzer.

Nun, erst mal gibt es einen fehlgeleiteten Kollisionsalarm und die Elektronik des Schiffchens fällt aus. Es gibt Notbeleuchtung und flackernde Bildschirme. Sie sind in einer Sonneneruption gelandet. Dann erreichen sie den Transatmosphärehafen Khollaz. Diese Häfen befinden sich in luftleerer Höhe 800 bis 1200 Kilometer über dem Äquator, denn die Raumschiffe der Soprassiden können nicht auf Planeten landen. Sie starten von dort auch im Vektor ihrer geplanten Flugrichtung. Der Raumhafen ist – Überraschung! – spinnenförmig angelegt.

Beim Betrachten sprechen sie über ein gemeinsames Lebensmotto, »Mut braucht nur, wer das Notwenige verkennt«, das uns durch den Roman begleitet. Es gibt für Rhodan den Ausschlag, sich mit Ossprath zu identifizieren. Der Soprandu Tossmoner wird für Rhodan einen Empfang geben, und der erfährt auch gleich, dass bald die Amtsübergabe an dessen Nachfolger Azzumu erfolgen wird.

Nach dem Andocken am Orbitalhafen sieht man riesige Containerstrecken, unter anderem in Form »einer überbauten Plattform, die nach unten teilweise geöffnet war. Das Schwarz des Weltalls schien dort in die Orbitalstation zu greifen. Man konnte den Eindruck haben, auf einem Floß mitten im leeren All zu stehen«. Daran ist ein gewaltiges Stahlrohr verankert mit hausgroßen Klemmen dran: Das Transportsystem ist ein Äquatoraufzug mit Gondeln, die an einem Strang aus Kohlenstoff-Nanoröhren auf und ab fahren. Die Schwerkraft spüren sie trotz der extremen Bremsvorgänge am Ende nicht, weil sie Prallfelder von weit überlegenem technischen Standard haben. Mit Solarpaddeln fangen die Sonnenstrahlen zur Energiegewinnung.

Nach der Landung betreten sie ein schwerfällig wirkendes Militärflugzeug, später mit einem schicken, weißen, in seiner Technik detailliert erklärten Hyperschallflugzeug, das sie zum Mahnmal, einer Säule auf dem verseuchten, glasierten Kontinent, bringt. Dort steigen sie lange Treppen hoch und erleben durch zum Leben erwachende goldene Reliefs auf weißem Pedgonit, angebracht etwa alle zehn Höhenmeter auf Treppenabsätzen, die Entwicklung der Soprassiden mit: Wie die Spinnenartigen in ihren unterirdischen Städten unabhängig voneinander die gleiche Technologie hochzüchten und in Kriegen ihren Lebensraum zerstören, weshalb sie an die Oberfläche müssen, wo Raubtiere sie jagen. Nur, um dort erneut Machtblöcke zu entwickeln, die einander nuklear bekriegen.

Der geneigte Leser dieses Spoilers muss hier nicht aufjaulen: Auch Rhodan findet das hochgradig unwahrscheinlich, erstens die gleichzeitige Entwicklung, zweitens die verklärte Rolle der Thoogondu, drittens, dass keiner je von Fallout und nuklearem Winter gehört hat bei all der präzise entfalteten Zerstörung, die ihnen gezeigt wird. Sehr schön der oberste Abschnitt des Mahnmals: »Das Feuer der Sonne wurde zu dem ewigen Feuer, das auf dem Gipfel der Säule loderte, um den Soprassiden zu helfen, Licht in das Dunkel zu bringen, das ihre Geschichte umhüllte«.

Dieses Licht kommt Rhodan falsch vor. Er glaubt kein Wort und bemerkt außerdem das irritierte Gemurmel seines begabten Hiwi Ossprath, der von Legenden redet über verbliebene Reste der unterirdischen Siedlungen auf dem Kontinent Dundozo, in denen es Überlebende des Untergangs gibt, schauerliche Mutanten, den »Abgrund der Altvorderen«. Er und Rhodan verstehen sich: Beide wollen da hin.

Und sie bekommen die Genehmigung, auch wenn Rhodan dadurch die feierliche Datenübergabe an den neuen Amtsinhaber verpassen wird. Und zwar die der Zugriffscodes für die neugebauten Atomwaffen, welche die ansonsten friedlich sedierten Soprassiden rein zu Verteidigungszwecken gebaut haben, gemeinsam mit den von den Thoogondu angeregten Desintegrator- und Impulswaffen.

Nun haben Ossprath und Perry richtig Spaß: Sie fliegen eine altertümliche Maschine und Perry zeigt, was er als Risikopilot gelernt hat. Dann finden sie den Eingang, nach dem sie suchten. Und gleich tauchen die Mutanten auf, kindkleine entstellte Gestalten, aufdringlich wie die fliegenden Händler unterentwickelter Länder auf Touristenjagd und genauso aggressiv. Ihre Sprache versteht man nicht und sie stürzen sich auf die Besucher. Ossprath wird weggezogen, wird materiell durchlässig und verschwindet mit einem der Entstellten im Fels. Unser Team setzt nach, findet im Höhlensystem jedoch Spalten, durch die Spinnenkörper passen, aber keine Menschen. Sie geben auf.

Man berät, stellt Vermutungen auf, tippt auf Mutanten, wie sie damals auch auf der Erde unter dem Einfluss der Atomexplosionen entstanden. Ratlos kehrt unser Team in die Zivilisation zurück. Aber die Soprassiden befinden sich in heller Panik. Die Datenübergabe schlug fehl, das System wurde gehackt. Nukleare Sprengköpfe wurden von einigen orbitalen Verteidigungsforts abgefeuert und sind unterwegs zu ihnen. Zum Glück fliegen sie wenigstens langsam. Man hat schon die Thoogondu um Hilfe gebeten, aber die müssen erst hinfliegen.

Das Mahnmal ist wohl dem Untergang geweiht, obwohl die Thoogondu rechtzeitig eintreffen, um die meisten Raketen zu knacken. Unser Team benutzt die flugfähigen SERUNs: Jeder nimmt zehn willkürlich ausgewählte Soprassiden in sein Antischwerkraftfeld und fliegt zu jenen Höhlen, die schon einmal einen Atomkrieg überstanden und wo sie gerade Ossprath verloren.

Rhodan beschließt, die Anrufe der Thoogondu zu überhören. Schließlich kann einem Funkgerät so viel passieren in diesem Chaos. Es lohnt sich: Nach einigen Ortswechseln erreicht das Team die Stelle, wo sie Ossprath verloren, und der junge Geschlechtslose taucht wieder auf. Er macht Rhodan mit seinem Entführer Dussudh bekannt, der tatsächlich ein Mutant ist, ein Semiteleporter, der Weggäste durch festen Felsen transportieren kann.

Ossprath ist trotzig und aufgeregt. Er will Rhodan den Abgrund der Altvorderen zeigen, in den er hinabschauen konnte, das Gewölle, das ihn vor den Thoogondu verbarg und die Wahrheit übr die Lüge, die man Gondunath nennt. Dabei, kündigt er an, wird Rhodan Mut brauchen, weil er einem der gefürchteten Vanteneuer begegnen wird. Aber die beiden sind sich einig: »Mut braucht nur, wer das Notwendige verkennt«. Sie laufen vor den Thoogondu weg, während Dussudh ein Teammitglied nach dem anderen durch den Fels transportiert, zuletzt Rhodan.

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