Susan Schwartz – Der Spross YETO (PR 2907)

Wegen der Vergabe von 1000 – Verzeihung: 999 – unsterblich machenden Zellaktivatoren durch die Gemeni im Spross YETO, dem pflaumenblauen Pflanzenschiff, entwickeln sich Krisensitzung und Casting-Atmosphäre. Denn in Windeseile haben sich Menschenmassen versammelt, 250.000 Bewerber dürfen ins Schiff und viele mehr sind im Anflug aufs Solsystem. Dabei weiß noch keiner, ob die Geräte echt sind.

Die Eltern des todkranken Kindes Yeto Carell überlegen fieberhaft, ob sie den angebotenen Zellaktivator annehmen. Eile tut Not, denn Yeto wird den nächsten IMA-Anfall nicht überleben. Sie entscheiden sich fürs Betreten des Schiffes, um Yeto wenigstens ein letztes Abenteuer zu gönnen, falls sich alles als Lug und Trug herausstellt. Aber an Bord geht es ihm gut. Der Bhal (Kommandant) Haddhunis versichert ihnen, das Schiff werde sich um Yeto kümmern.

Die Presse ist hochaktiv: Die Wohnung der Carells ist von Paparazzi umlagert, und der Sensationsjournalist Sommer, der dem Kind den wachsenden Raumschiffsamen stahl, wird vom Terranischen Ligadienst als »journalistischer Berater« verpflichtet. Was Yetos Vater immerhin davon abbringt, den Mann windelweich zu prügeln, als er ihn an Bord trifft. Und die Gemeni geben über die Medien bekannt, dass sie einer Geshomon genannten Kultur entstammen, die unter dem Schutz der Zeitlichen Eskorte der Superintelligenz GESHOD steht und ihre Matrix in der 165 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie Sashpanu (NGC 151) hat.

Yetos Ärztin Bunur und zwei Teams von TLD-Agenten folgen der Familie des Auserwählten an Bord. Eines inkognito, und das werden wir im Folgeroman begleiten. Das andere sind Paracelsus Fitzgerald und Ona Jutaite, das abenteuerliche Agentenduo aus dem Vorroman. Sie eskortieren die Familie an Bord.

Wobei das mit dem Folgeroman und Vorgängerroman eine Sache für sich ist, denn wir lernen die von Michael Marcus Thurner sehr lebhaft und auch exzentrisch geschilderten Charaktere aus anderer Perspektive kennen: Mit viel Abstand und in Außensicht. Was, je nach Grad der eigenen Phantasie, interessanten eigenen Vorstellungen Raum geben oder irritieren kann. Und in PR 2908 erleben wir fast den gesamten Handlungsablauf von PR 2907 noch einmal aus anderer Perspektive, mit anderen Personen und in anderer Erzählweise.

Susan Schwartz‘ Roman ist durchgehend ruhig erzählt, was die Ereignisse zurücktreten lässt und das Thema hervorhebt: Was qualifiziert für die Unsterblichkeit? Die Politiker sind vernünftig: Weder die Solare Premier Cai Cheung noch der Resident der Liga Freier Galaktiker, Sharoun, TLD-Chef Vingaden oder der Residenz-Minister für Verteidigung, Basil Vitelli, wollen Zellaktivatoren. Yetos Eltern zweifeln.

Andere Bewerber tun alles, um sich zu qualifizieren. Sie versuchen sich ins rechte Licht zu rücken, als sie drei Tage Zeit bekommen, um 250 würdige Personen aus ihrer Mitte zu bestimmen. Niemand darf sich selbst vorschlagen, aber jeder darf Kriterien geltend machen; dass diese exakt dem Selbstbild der Anpreisenden entsprechen, überrascht wenig. Die Gemeni stellen verschiedene Spiele zur Verfügung und beobachten die Spielenden, wählen aus. Wer Krach macht, muss das Schiff verlassen. Wer sich nicht qualifiziert, auch. die terranische Regierung entdeckt eine Psi-Quelle im Schiff.

Nichts wirklich Neues also und auch kein Geschehen, dass nicht wiederholt würde … trotzdem hat der Roman seine eigene Berechtigung. In der konsequent distanzierten Außensicht erleben wir zahllose Szenen mit, in denen Leute auf die Unsterblichkeit reagieren, mit Gier oder Furcht, Einsicht oder Selbstüberschätzung. Die Kriterien der Auswahl sind nicht transparent, und umso mehr lädt die Geschichte ein, darüber nachzudenken.

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Eine weitere Besprechung des Romans, eingebettet in seine Dreiergruppe (die wohl wieder so ein nostalgisch wirkendes Sonderheft ergibt wie zuletzt die Tschubai-Chroniken), habe ich in meiner PERRY RHODAN-Kolumne in der Juni-Ausgabe des Corona Magazine.

https://www.amazon.d…Corona-Magazine

Auch als PDF bei http://www.ifub-verl…azine-juni-2017

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