Dennis Mathiak – Flucht durch Terrania (TERMINUS II)

Zum zweiten Heft der Miniserie TERMINUS machte ich ein kleines Interview mit dem Autor, das gleich auf dem Geisterspiegel veröffentlicht wurde, und vier Wochen später habe ich es auch auf meinen Blog getan:

https://blaetterfluggedankenschnuppendotcom.wordpress.com/2017/06/01/interview-mit-dennis-mathiak-ueber-terminus-band-2-flucht-durch-terrania/

Den Text der Besprechung habe ich am 01.06.2017 verändert:

Mein Problem mit dem Roman ist, denke ich, eine Überlappung: Aus unerfindlichen Gründen erschien dieser Terrania-Roman mit umfangreicher Schilderung des Ambiente und Agentenpärchen gleichzeitig mit den Heften 2906 bis 2909 der Erstauflage von PERRY RHODAN, das eben auch in einem detailliert beschriebenen Terrania angesiedelt ist und in dem ebenfalls Agenten zuhauf vorkommen. Leider in verschiedenen Jahrtausenden und mit unterschiedlicher Rahmenhandlung … Das überlappt sich in meinem armen kleinen Köpfchen zu sehr. Deshalb werde ein bisschen warten, bis die Erstauflage wieder aus Terrania raus ist, und dann schauen wir weiter.

Wenige Worte zum Roman:

Ein Konflikt sind die persönlichen Differenzen des im Vorfeld aufwändig vorbereiteten Agentenpärchens. Juki Leann ist zwar eine Agentin des Diktators Dabrifa, aber als Botschaftertochter in Terrania aufgewachsen, weltoffen und kritisch. Während der unangenehme, grobe Darren Zitarra ein treuer Gefolgsmann von Dabrifa ist und keinerlei Zweifel an seinem Führer hegt. Das läuft auf einen Konflikt um ihre Eltern, insbesondere ihren Vater, raus.

Die beiden Agenten werden als Gefangene in einem Gleiter der SolAb transportiert, den jemand zum Absturz bringt – um sie zu befreien? Sie fliehen quer durch Terrania, die Millionenmetropole und Hauptstadt der Menschheit. Dabei treffen sie alle möglichen Gestalten. Die Bewohner Terranias stehen dem Einsatz des Antitemporalen Gezeitenfelds überrascht gegenüber, denn die Versetzung des heimischen Sonnensystems in eine ständig fünf Minuten vor der Realzeit liegende Relativzukunft hat sie von der ganzen restlichen Galaxis abgeschnitten und außerdem ist der Himmel ständig dunkelrot. Man mault, nörgelt und ist unzufrieden. Von den Verbrechern, die ihr Unwesen treiben, mal ganz abgesehen. Und die beiden Agenten sind entsetzt, als sie herausfinden, was vor sich geht. Welche Konsequenten werden sie ziehen?

Die Gegenseite führt Perry Rhodan an, der zum Handlungszeitpunkt der Großadministrator des Solaren Imperiums ist. Er befehligt die Jagd auf die Flüchtigen von einer zentralen Stelle aus. Zusätzlich zeichnet sich eine Verschwörung größeren Ausmaßes ab.

Leider treffen sich die Gegenspieler nicht wirklich. Beim bisherigen Lesen war mir die antagonistische Struktur zu schwach, und Menschjagd, Vaterkonflikt und Verschwörung als Zielspannung zu wenig herausgearbeitet. Die Protagonisten sind mir zu harmlos, zu gutbürgerlich. Deshalb zog mich der Roman nicht in seinen Bann, auch wenn ich das handwerkliche Geschick der einnzelnen Abschnitte durchaus bemerke.

Was ich an der Geschichte gut finde, ist die Beschreibungsfülle. Unglaublich viele Bilder, Gerüche, Sinneseindrücke. Allerdings ist sie so überwältigend dominant, dass ich persönlich mich nach einer Reduktion, einem schlichtere oder bewusster gestalteten Erzählvorgang sehne. Warum nicht die auf Impressionen, auf Momentaufnahmen ausgerichtete Erzählweise, die gerade in der Großstadt ihren legitimen Ort hat – wie in Nick McDonnells »Twelve«? Das ist die Geschichte einiger Teenager, die über einen gleichaltrigen Dealer miteinander verbunden sind und der im Wesentlichen von Schlusselszene zu Schlüsselszene springt, während die Sprache auf die »clipped speech«, die abgerissene Sprechweise der Großstädter, beschränkt bleibt. Warum nicht so?

Wie die »Flucht aus Terrania« mit einer konsequent schlaglichtartigen Erzähltechnik ausgesehen hätte, beschäftigt meine Phantasie in angenehmer Weise. Kann man doch mal probieren, Marc A. Herren hatte doch sogar mal ein Heft als Bühnenstück geschrieben. Warum nicht?

Deshalb stören mich die expliziten Denkvorgänge der Hauptpersonen umso mehr, ich erlebe sie als ständiges Reinquasseln und Ablenken, wie in »Leann begriff, dass er sich ihr und allen anderen an diesem Ort überlegen fühlte. Seine Arroganz brach sich wieder Bahn« (S. 32). Oder gleich darauf, beim Anblick einer wirklich spannenden Mischkreatur, die ihnen in einer zwielichtigen Kneipe begegnet: »Leann wollte nicht darüber nachdenken, ob er ein Roboter war oder eine gentechnisch komponierte Kreatur.« (S.31). Diese Stelle empfand ich als Overkill, denn die interessante Beschreibung wird von Gedanken abgelöst statt in die Interaktion überführt, bleibt also statisch, die Neugierde wird abgewürgt. Außerdem interessiert mich genau das brennend, was Leann nicht wissen will, was dazu führt, dass ich mich noch weniger mit ihr identifiziere als dies sowieso der Fall ist.

Um das an einem Beispiel zu erläutern, und zwar den ersten Sätzen: Beleuchtung erlischt, Klimaanlage verstummt, kein Sonnenlicht dringt herein … und die Alexandra möchte dann auch mit weg. Und paar unangenehme Sinneseindrücke. Beim dritten oder vierten Anlauf kam ich über die ersten Absätze weg. Genaugenommen ist dieser Anfang eine exakte Exposition des Erzählvorgangs.

Die Personen erwecken mein Interesse nicht. Mit Leuten wie Zitarra habe ich keine Reibefläche, weil nirgendwo ein Quäntchen Anziehung dabei ist. Er ist unsympatisch und er ist eine erfundene Figur, und dann könnte ihn im Roman doch bitte einer erschießen oder so. Bald. Er soll wohl cool sein. Nun ja. Aber auch Juki hat zu wenig Eigenschaften, die mich binden könnten. Sie ist mir zu quakig, zu desinteressiert, quasselt zu viel, denn über ihre Wahrnehmung läuft der Erzählvorgang. Ständig denkt sie sich was. Ich mag solche Tussen nicht.

Was meine Identifikationsmöglichkeiten zusätzlich einschränkt, ist die unruhige »Kameraführung«. Die schnelle Schnitttechnik entspricht wohl modernen Filmen. Ich habe ja keinen Fernseher und gehe selten ins Kino, bin auf das beschränkt, was ich von meinen eigenen Kindern oder bei der Durchnahme von Verfilmungen im Unterricht mitbekomme. Deshalb vermute ich, dass die schnelle Folge von Szenen und Eindrücken der Spannungserzeugung dienen soll. Und wenn ich die Personen mögen würde, dann könnte es sogar klappen. Aber es kommt bei mir ein unangenehmes Flimmern an, das mein Interesse untergräbt, statt es zu fördern.

Deshalb fand ich die Geschichte nicht spannend, zumindest die erste Hälfte nicht. Die zweite habe ich nicht gelesen. Ich empfand im zweiten und dritten Kapitel eine deutliche Qualitätssteigerung der Erzählweise und zugleich hat es mir erst mal gereicht. Vielleicht ist das in ein paar Wochen ganz anders. Vielleicht finde ich dann den Blickwinkel, den der Autor gehabt hat.

Wobei mich die Personen nicht so stören würden, wenn ich nicht so nahe an sie herangeführt würde. Wenn beispielweise der umgebende Raum so geschildert würde, dass mich darin umgucken kann, auch wenn sie gerade ganz woandershin gucken. Ich bin ein aktiver Leser, ich möchte selber denken.

Hierbei könnte mir eine übergreifende Stimmung helfen, die den Roman emotional aufladen würde, der ich durch die Stationen folgen könnte. Zum Beispiel Leanns Elternkonflikt oder ihr zwiespältiges Verhältis zu Terrania City. Nicht als Gedankengeplapper, sondern als tieferes Leitgefühl. Dieses übergreifende Element fehlt mir aber und damit ein Gefühl der Progression. Ich habe nicht das Gefühl, etwas zu bekommen, wenn ich den beiden folge. Ich fühle mich eh schon übersättigt.

Wie sagt man so schön … Fortsetzung folgt.

 

 

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