Oliver Fröhlich – Im Sternenkerker (PR 2902)

In einer sorgfältig aufgebauten, klassischen Gefängnishandlung lernen die Galaktiker die Schattenseiten des Goldenen Reichs kennen. Als »Frischfleisch« kämpfen Vogel Ziellos, Ben Jello und Lua Virtanen in der Hierarchie der Insassen um ihr Überleben, von misstrauischen Verbrechern und Observanten der Regierung umgeben, während Gucky k.o. ist und Farye Sepheroa sie zu befreien sucht.

Schauplatz ist das Scuul, einem Moloch im Weltall von 30 Kilometer Kantenlänge: »Der Weltraumkerker erinnerte an einen überdimensionierten, verschweißten Schrotthaufen. Oder […] an ein gigantisches, extravagantes Kunstwerk. Eine Plastik aus aufeinander gepfropften, miteinander verschmolzenen, ineinander verkeilten Raumschiffen unterschiedlichster Bauart. […] ineinander verschränkt wie Liebende – oder Kämpfende, auf ewig erstarrt in ihrem Ringen. […] vereinzelte transparente Kuppeln oder Aussichtsfenster, Verbindungsstreben, Solarzellen an der sonnenzugewandten Seite, geborstene Schlauchleitungen, die wie nutzlose Tentakel ins All ragten« (2. Kapitel).

Der eigentliche Reiz des Romans liegt im gegenseitigen Beobachten. Misstrauische Gefangene beobachten die Neuankömmlinge. Die Gefangenen, vor allem Vogel Ziellos, beobachten die fremde Umgebung, in der die Bewohner des Goldenen Reiches ganz unten und aus dem Blickwinkel des Unterlegenen dargestellt werden. Sie kämpfen sich durch, bemerken Ungereimtheiten, decken auf, wie das Goldene Reich seine Bewohner manipuliert. Die Besatzung der BJO BREISKOLL beobachtet das Scuul, unterläuft seine Sicherheitsvorkehrungen,und das Täuschungsmanöver wird wiederum beobachtet. Das ist sehr schön gemacht.

Ein witziges Detail ist der Ausruf »Ijioh«, der auf Besatzungsmitglied Dji Dibabas Heimatplaneten gängiger Ausruf des Erstaunens – der ungemein an das »Ajo« der Pfälzer erinnert … wie Exposéautor Christian Montillon einer ist.

Eine weitere Stärke liegt in den Charakterisierungen. Zu Faryes Team gehören Donn Yaradua, ein Metabolist, der die Hormonlage – die Gefühle – anderer beeinflussen kann. Dann Captain Bertrand Faust, Kommandant der LAURIN I, die Pilotin Lydia Brassac, Major Dja Dibaba und der Robotiker Quentin Slocombe. Sie alle haben nicht nur, dank Hypnoschulung, sehr gute Kenntnisse in der Verkehrssprache Gondunin, sondern auch ihren ganz eigenen Kopf, so wie Farye auch. Der Bordcomputer heißt OXFORD, wie ihr ehemaliges Haustier. Auch die Gefangenen leben ihr eigenes Leben, allen voran der sogenannte Gerechte Shassonart, der auf die Gefangenen ausgleichend wirkt, obwohl er sich klar daran erinnert, im Drogenraum die eigene Familie hingeschlachtet zu haben … aber in Sevcooris erinnern sich die Leute an vieles, das nicht zu ihnen passt.

Das eigentlich konventionelle Handlungsgerüst ist also in sehr unterhaltsamer Weise aufgefüllt, und noch dazu ist die Handlung logisch aufgebaut. Alles ist begründet: Warum Farye Rhodans Befehl zu unterlaufen scheint – sie kennt ihren Großvater besser – und warum Shassonart den Fremden so bereitwillig hilft – kann der Metabolist doch nicht nur die Selbstheilungskräfte einer anderen Person beschleunigen, sondern auch Müdigkeit, Hunger, Angst und eben Vertrauen auslösen. Die Seruns sind vor Ort, weil das Einsatzteam von außen eindringt, Guckys Fähigkeiten schießen die Entwicklung der Handlung nicht an die Wand, weil er von Anfang an in einen psi-neutralisierenden Tank gesteckt wurde und erst gegen Ende rauskommt, und auch Luas Haarsträhne kommt nur einmal zum Einsatz, wo sie definitiv Erzählzeit spart. Eindringen wie Flucht der Retter ist SF-technisch begründet. Und man beginnt zu ahnen, warum es auch an Bord der RAS TSCHUBAI Zeugen gibt, die sich an einen Mord erinnern, der nie geschah …

Wegen der Nähe zum Zyklusanfang, vor allem aber wegen der geschlossenen Handlung, eignet sich der Roman auch sehr gut für Leser, die PERRY RHODAN noch nicht kennen – eine Strategie, wie sie bei den ersten Romanen dieses Zyklus‘ durchgehend eingehalten wird.

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