Verena Themsen: Im Kerker des Maschinisten (PR 2889)

Der »Kerker des Maschinisten« (PR 2889) führt die Handlung der »Tschubai-Chroniken« weiter: Wir begleiten die Entführten, die Pushaitis alias Onodaurd als Geiseln mitgenommen hat. Der »Abgang Gucky« betitelte Prolog schildert seine Entführung durch eine Gruppe eiskalt und zynisch agierender Gyanli unter Onodaurds Führung. Endlich erfahren wir, wie es sich anfühlt, in seiner Umarmung zu sterben: »Mit einem Seufzen sank der Mausbiber nach vorne und lehnte die Stirn gegen Onodaurds Schulter. Flatternde Schatten zogen über die Welt, löschten sie mit ihren Flügelschlägen aus und ließen Schwärze zurück.«

Gucky wacht in einem riesenhaften, genauerten Kellergewölbe auf. Dieser malerische »Kerker des Maschinisten« ist der Katoraum, der Raum unterhalb des Raum-Zeitgefüges, der den Gyanli alles bedeutet und in jeder Hinsicht nützlich ist. In seinen weit verzweigten Gangsystemen befindet sich eine Maschinenzivilisation. Die Physikerin Verena Themsen hat ihre Vertreter sehr anschaulich mit vielen technischen Details beschrieben und ihnen eine Sprache verliehen, die so weit es geht der Logik maschinelle Spracherfassungssysteme folgt. Wer Sinn für die Beschreibung von Maschinen hat, Gangsysteme liebt und sich für zurückhaltend dargestellte menschliche Beziehungen interessiert, wird den Roman lieben.

Zu Handlung und Details:

Nach seiner Entführung und dem Tod in Onodaurds Umarmung wacht Gucky in jenem riesenhaften Steinkeller auf. Die einzigen Bewohner, die er entdecken kann, sind malerische Maschinen. Der Mausbiber sieht »rasselnde Ketten und straff gespannte Bänderpaare in stetiger Bewegung. Dampf stieg aus Löchern in Böden und Wänden, blitzende Rohre und Stangen reflektierten das allgegenwärtige und doch von nirgends kommende Licht«. Gucky durchwandert das gigantische Gängesystem und beginnt seine Situation zu verstehen: Dass er tot und in Onodaurds Hölle ist, für immer vom Leben getrennt.

Bald darauf findet der Mausbiber einen Reinigungsroboter, der sprechen kann. Er fühlt sich als Robinson Crusoe und nennt ihn, um den eigenen Stil zu betonen, eben nicht Freitag, sondern Sonntag, Dominik Sonntag. Dominik kann ihn überall herumfahren und enthält Trinkwasser. Gerettet fühlt sich Gucky, als die Maschine ihm einen Nahrungsspender zeigt. Er erklärt ihm in maschineller Manier die Betriebsanleitung – eine gelungene Satire auf gewisse zeitgenössische Produkte:

»Also noch mal langsam: Ist das da der Aktivierungsknopf?« »Negativ.« »Welcher dann?« »Ich empfehle die Aktivierung der Infoanzeige, um diese Information in grafischer Form zu erhalten.« »Und wie aktiviere ich die?« »Schritt eins: Drehe den Wahlzeiger auf die blau markierte Position. Schritt zwei: Drücke den Aktivierungsknopf.«

Einen besonderen Reiz bilden die Maschinen:

»Gucky schätzte die Breite und Höhe des Gehäuses gleichermaßen auf etwa zwanzig Meter. […] Die Maschine darin war schön, eine der schönsten, die ihm bislang in seinem Kerker begegnet waren, obwohl sie ganz ohne Verzierungen auskam. Sie bestand nur aus Rohren, Scheiben, Stangen und Kugeln, die in einer langsamen Bewegung gefangen waren, gleich einem eleganten Tanz. War das überhaupt eine Maschine? Oder doch eher ein Kunstwerk?«

Dann beginnt die eigentliche Handlung: Dominik führt ihn zu den anderen Gefangenen. Der Mausbiber kann sie trotz der Hilfe der Maschinen nicht befreien, doch er trifft Tellevely, den Lügner. Dem stiehlt er einen Tiucui-Hyperkristall stehlen, der ein schwarzes Loch enthält, bemerkt die Katophore, durch deren Schwarzes Loch er hergebracht wurde – dessen anderer Zugang noch auf der RAS TSCHUBAI ist – und kann fliehen.

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