Suzan Schwartz: Tagebuch des Widerstands (PR 2887)

Im zweiten Teil der Trilogie »Die Tschubai-Chroniken« geht es mit dem Angriff der Gyanli auf de RAS TSCHUBAI weiter. Die zweieinhalb Meter großen humanoiden Amphibienabkömmlinge, deren Farblagen in der hellblauen Haut ihren Rang innerhalb der Clan wiedergibt, beherrschen mit rücksichtsloser Grausamkeit die Garaxis Orpleyd. Das dreieinhalb Kilometer durchmessende blaue Omniträgerschiff aus der Milchstraße, das so plötzlich in ihrem Machtbereich auftauchte, stört sie erheblich und sie entern es durch eine List. Die Besatzung wird überrascht und als Waffe eingesetzte Schwarze Löcher bringen Chaos. In Windeseile haben die Gyanli die Oberhand.

Hauptperson der Trilogie ist Col Tschubai, seines Zeichens Medienwart und Nachfahre des brühmten Teleporters, nach dem das Schiff benannt ist. Er ist wahrhaftig kein Soldat, kommt als Medienwart aber überallhin mit und hat dieses Holotagebuch, in dem er Zeugnisse seines Urahns aufbewahrt. So begleitet indirekt auch Ras Tschubai selbst die Widerstandsgruppe, der Col sich anschließt, trifft mit ihm auf Perry Rhodan, der von außen an Bord kam und wird Zeuge, wie Zähigkeit und Expertise des Unsterblichen entscheidend dazu beiträgt, das Blatt zu wenden. Sein Tagebuch wird das Tagebuch des Widerstands.

Die einheimischen Wuutuloxo, deren Schrulligkeit Suzan Schwarz mit großer Lebhaftigkeit gestaltete, unterstützen die Wiederstandskämpfer durch ihre unvorhersehbar effiziente Wundertechnik, mit der sie in Windeseile alles Benötigte herstellen können. Was die Handlung flott weiterbringt, aber auf Kosten antizipierbarer Handlungslogik und logischem Zusammenhang. Verstärkt wird beides durch die schwachen – also dramaturgisch bewältigbaren – telepathischen Fähigkeiten, welche die Larin Pey-Ceyan so überraschend entwickelt hat. Rhodans Enkelin Farye wird entführt? Pey-Ceyan merkt es, die Verfolgung beginnt – und die telepathische Fähigkeit versagt an passender Stelle.

Trotz dieser Methode laufen sämtliche Enter- und Kampfhandlungen übersichtlich aufgebaut und folgerichtig ab. Der Roman überzeugt durch die Personengestaltung. Einerseits die diversen Lebensäußerungen der »eilig stampfenden, schnatternden Wuutuloxo« (S.40), andererseits die Charaktergestaltung Perry Rhodans, der in dieser Trilogie eben kein Zauderer mehr ist, sondern entschlussfreudig, konsequent und nicht um jeden Preis rücksichtsvoll: persönliches Wohl steht hinter Gemeinwohl zurück, wenn er zwischen beiden entscheiden muss. Selbst bei Freunden. Und das, obwohl die personale Erzählperspektive sein Gefühlsleben zugänglich macht.

Das ganz besondere »Ding«, der optische Eindruck, der in Erinnerung bleibt, ist das elfenbeinfarben schimmernde Gitterschiff der Eonatores, das Wuutuloxo und Gyanli gleichermaßen bestaunen. Die alle Probleme lösende »Fehluhr« hat definitiv nicht dasselbe Charisma.

Kommen wir zur Handlung. Dieser zweite Teil der Besprechung hilft, den Überblick über verpasste Hefte zu bewahren oder sich zu erinnern. Wer selber lesen will, sollte an dieser Stelle das Weiterlesen überdenken.

Zu Beginn des Romans gibt es überall an Bord der RAS TSCHUBAI Explosionen und viele Tote. Die Gyanli haben die Oberhand. Doch unter Kontrolle haben sie das Schiffe nicht: Die Betreuer des Zentralrechners ANANSI haben sie, als die Gyanli sie bedrohten, durch ein Codewort deaktiviert und kann von außen nicht aktiviert werden Damit sind die meisten wichtigen Systeme lahmgelegt. Die Semitronik wacht alle 3,65 Minuten für Nanosekunden auf und überprüft die Lage. Eine Widerstandsgruppe um Sichu Dorksteiger und den Kelosker Gholdorodyn beschäftigen sich mit dem Ausschalten von Redundanzsystemen, als Cols Gruppe sie findet.

Col Tschubai begleitet eine Gruppe fähiger Raumlandesoldaten unter dem Kommando von Licco Yukawa. Sie schlagen, wie zuvor die Gyanli, aus dem Hinterhalt zu, so dass die Angreifer in die Defensive geraten. zur RAS TSCHUBAI und stehen Durch ihre Angriffe drehen sie den Spieß um: S wiederfinden. Yukawa mag Col Tschubai nicht, doch als der ankündigt, all ihre Taten für die Nachwelt aufzuzeichnen, lässt er ihn gerne mitkommen.

Die Truppe gehört zur BJO BREISKOLL und bewegt sich auf die Andockmulde ihres MARS Kreuzers zu, als die Gyanli angreifen. Die Soldaten müssen untertauchen und speisen ein an versprengte Gruppen gerichtetes Signal ins Bordnetz ein. Tschubais Tagebuch empfängt die Botschaft »SOS« im Morsecode und einen Koordinatensatz, der sie zur Gruppe um Sichu führt, der schönen Ator mit den sich bewegenden Mustern auf der grünen Haut und dem langen, silberfarbenen Haar. Sichu ist die Chefwissenschaftlerin der RAS TSCHUBAI und Perry Rhodans Freundin. Allerdings haben sie nicht gemorst. Anscheinend hat ANANSI sie zusammengeführt.

Perry Rhodan möchte an Bord kommen. Die Wuutuloxo Perry Rhodan maskieren ihn als kleinwüchsigen Gyanli, Pey-Ceyan als Wartungsroboter. Sie haben eine Etho-Folie, die weit mehr als Mimikry bedeutet. Der Gestaltwandler Attilar Leccore verwandelt sich in den Gyanli Yayl. Die Wuutuloxo spielen Gefangene. Während sie einfliegen, sehen sie etwas Besonderes: Ein 700 Meter langes, asymmetrisches Gitterschiff, dessen Hülle wie Elfenbein schimmert. An den Knotenpunkten hat es unterschiedlich geformte Verdickungen. Die Wuutuloxo kennen Gerüchte, die wie alte Sagen tradiert werden: Das Gitterschiff ist die Fähre der Eonatores und hat etwas mit der Fertigstellung des geheimnisumwobenen Operandums zu tun. Die Gyanli sind ebenso aufgeregt und ehrfürchtig wie die Wuutuloxo.

Kaum an Bord, bemerkt Pey-Ceyanit ihren neuen telepathischen Fähigkeiten, dass eine Widerstandsgruppe angegriffen wird, bei der sich Rhodans Enkelin Farye Sepheroa befindet. Rhodan macht sich sofort an die Verfolgung, aber vergebens: Faryes Gruppe wird gefangen genommen und ins Gitterschiff gebracht. Nun kann Pey-Ceyan ihre Gedanken nicht mehr lesen. Gleich darauf empfängt auch Rhodans Armbandkom die Morsebotschaft, erreicht die Nebenzentrale. So treffen sich Perry und Sichu nach jahrelanger Trennung wieder, 131 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt.

Perry Rhodan ist nicht nur eine lebende Legende, die den Menschen enormen Auftrieb gibt. Er ist auch ein überaus erfahrener und fähiger Soldat, der seine mehrtausendjährige Erfahrung nutzen kann. Um die Gyanli zu vertreiben, wollen sie all ihre Kampfroboter gleichzeitig außer Gefecht setzen. Sie finden einen übergeordneten externer Taktgeber für ihre inneren Uhren. Sichu, Gholdorodyn und Wuutuloxo-Gimmicks basteln schnell mal eine Fehl-Uhr, die Leccore in der CUUMORG am Taktgeber anbringt. Nun handelt der Bordrechner: ANANSI aktiviert die Sublichttriebwerke der RAS TSCHUBAI. Die Gyanli sind damit beschäftigt und achten nicht auf die Gruppe. Aus Sicherheitsgründen dockt die CUUMORG ab, doch das Gitterschiff bleibt verankert.

Die RAS TSCHUBAI geht auf Überlichtgeschwindigkeit, vor Zugriffen von außen sind sie sicher. Doch es sind mehrere tausend Gyanli an Bord und ihr Anführer Onodaurd beherrscht nach wie vor die abgeschottete Kernzelle. Rhodan stellt das Ziel auf, das Schiff noch an diesem Tag, dem 18. September 1522 NGZ, vollständig zurückerobern. Da meldet sich ANANSI zu Wort: Im Holotagebuch lässt sie Ras Tschubai entstehen. Seine tiefe Stimme verkündet, dass Onodaurd zu fürchten sei.

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