Roman Schleifer – Elyn (DORGON 86)

Ihre Herkunft blieb bisher im Dunklen – der geheimnisvolle Hintergrund der anmutigen, spitzohrigen Alyskerin, deren Mut und Einfallsreichtum der Ritter der Tiefe Gal’Arn und der Sagittone Aurec gleichermaßen bewundern – von ihrer Schönheit und ihren großen violetten Augen ganz zu schweigen.
Hier ist ihre Jahrmillionen währende Lebensgeschichte, erzählt von Roman Schleifer.

http://www.dorgon.net/quarterium/heft-086/

Elyn
Gegenwart

»Ich erzähle dir von zwei kosmischen Geschwistern …«, begann Eorthor. Roggles Winseln unterbrach ihn. Der kleine Humanoide mit den zwei Köpfen, der rechts von Icho Tolots massivem Körper schlief, bewegte sich unruhig. Offenbar träumte er gerade schlecht.

Als Eorthor sich mir wieder zuwandte, hatte ich den Eindruck, dass der Alysker seine Wut nur mühsam unter Kontrolle bekam.

Der Schein trügt nicht! Vergiss nicht: Vor mehreren Stunden wollte er uns wegen Roggle töten!

Er hat noch nichts Gegenteiliges von sich gegeben!, erinnerte ich meinen Extrasinn an die immer noch geltende Morddrohung. Ich hatte in Eorthor auf Anhieb einen Unsterblichen erkannt, er mit Alaska und Icho zwei Zellaktivatorträger identifiziert. Daraufhin war er umgänglich geworden. Ohne weitere Worte hatte er sich zu uns in die Zelle gesetzt und die Geschichte seines Volkes erzählt. Wobei der Begriff »eigene Lebensgeschichte« wohl besser passte. Immerhin hatte sich alles in seiner Erzählung um ihn selbst gedreht, während die Alysker als Volk zur Randerscheinung verblassten.

Dennoch oder vielleicht gerade deswegen war es eine interessante Geschichte gewesen, voller Emotionen und Leiden.

Das Schicksal aller Langlebigen!

Mir entging die semantische Feinheit nicht, mit der mein Extrasinn das Wort »Unsterblichkeit« umschiffte. Welchen Begriff man auch nahm – hundertneunzig Millionen Jahre waren ein Zeitraum, den selbst ich mir nicht vorstellen konnte.

»Also«, sagte Eorthor und lenkte erneut meine Aufmerksamkeit auf sich, »beginnen wir in der näheren Vergangenheit …«
Damals … vor 75 Millionen Jahren

Eorthor trottete in sein Schlafzimmer, plumpste bäuchlings ins Bett und schloss die Augen. Vier durchwachte Nächte, in denen er an einem Experiment gefeilt hatte, hinterließen ihre Spuren. Doch das Ergebnis war die Strapazen wert gewesen.

Eorthor verdrängte den Triumph über das abgeschlossene Projekt und gab sich völlig der Müdigkeit hin. Sie kroch aus ihrem Gefängnis, breitete sich aus, verdrängte seine bewussten Gedanken und schickte ihm einen Traum.

Die Dunkelheit der geschlossenen Augenlider wich der Helligkeit des Tages. Er stand am Strand, vor ihm das Meer, türkisblau, darüber die Sonne, die bereits den Horizont berührte.

In dieser Bucht hatte er vor Millionen von Jahren mit Enomina abgerechnet. Warum träumte er davon?

Kaum am Ende des Gedankens angelangt, bemerkte er, dass die Geräusche fehlten. Keine Tierschreie drangen an sein Ohr, keine Vogelstimmen erfüllten die Luft, die Blätter raschelten nicht und selbst das Wasser knabberte stumm am Strand.

Gespenstisch!

Der unsichtbare Schöpfer der Szenerie musste sich seine Kritik zu Herzen genommen haben, denn er passte seine Kreation an die Realität an. Sogar an einen walähnlichen Meeresbewohner hatte er gedacht, der in einiger Entfernung aus den Fluten emporstieg und wieder darin versank.

Eorthors Blick kehrte zum ufernahen Bereich zurück. Knapp unter der Wasseroberfläche bewegte sich das Meer. Rund um einen Kreis von einem halben Meter stiegen Atemblasen empor und zerplatzten an der Luft.

Dann stieg die Frau seiner Träume aus dem Wasser. Ihre Figur war makellos, die Proportionen wie bei einem Kunstwerk, das Gesicht zu hundert Prozent symmetrisch, ihr Lächeln anziehend und umwerfend zugleich. Die Haare fielen schwungvoll um ihr Gesicht und rahmten es ein. Das Schönste jedoch waren die Augen. Eorthor glaubte in ihnen die Weite des Kosmos zu erkennen.

Er wollte ihr zurufen, sie auf sich aufmerksam machen, doch seine Stimmbänder gehorchten nicht. Er wollte ihr entgegenlaufen, doch seine Beine reagierten nicht. Er war bewegungslos und konnte sie nur anhimmeln.

Bei ihren ersten Schritten auf dem Sand bewunderte er den anmutigen Gang. Er suchte nach einem Vergleich und fand ihn in der Grazie einer schleichenden Katze. Gebannt begleitete er jeden ihrer Schritte mit innerem Jubel.

Sie blieb vor ihm stehen, blickte ihm in die Augen, schenkte ihm ein Lächeln und umrundete ihn, nicht ohne ihm einen Klaps auf die Pobacken zu geben.

Jetzt erst bemerkte Eorthor, dass auch er nackt war. Er unterdrückte den Impuls, seine Genitalien zu bedecken und wandte sich wieder ihr zu. Ihre körperliche und mentale Präsenz nahm ihn gefangen. Sie kroch in seine Gedanken, nahm sein Wissen auf, nickte anerkennend, streichelte ihn und zog sich wieder zurück.

Dann trat sie so nahe an ihn heran, dass er ihren Atem auf seiner Haut spürte. Das Wasser tropfte von ihren langen Haaren und traf seine Brust, seine Oberschenkeln und seine Zehen. Ihre Fingerspitzen, die über seinen Oberkörper glitten, schienen aus Energie zu bestehen. Zumindest fühlte es sich so an.

Atmung und Herzschlag beschleunigten sich. Er vergaß alles um sich bis auf diese Frau. Nichts gab es mehr außer ihr. Sein Mund öffnete sich und er schloss die Augen. In wenigen Augenblicken würden sich ihre Lippen …

In seinem Bewusstsein entstand das Bild eines Mannes mit weißem, langen Bart.

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DORGON ist Fan-Fiction aus dem PERRY RHODAN-Universum. Der Download ist kostenlos.

 

 

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