Weihnachtsblues

Mit spitzen Fingern flocht Firiliizir Fütibiieritz eine weitere Strähne weißen Kunsthaares in den blauen Flaum seines Halses. Zwei Daumen hielten den Haarstrang fest, während der dritte glättend darüberstrich. „Fertig“, fiepte er. Nach einem Blick auf seinen neuen Partner, der nicht einmal aufsah, wiederholte er mit der tiefsten Stimme, die er hervorbrachte: „Fertig.“

Derwon Hüpdaf verzog das Gesicht. „Musst du so schrill sprechen“, brummte er missmutig, ohne den Spiegel aus den Augen zu lassen. Das Trockenpulver aus aktiven Nanopartikeln hatte seine Funktion erfüllt: Durch einfaches Einkneten hatte es den feuerroten geflochtenen Bart und den wild wuchernden Haarschopf schneeweiß gefärbt. Gerade setzte er sich eine Mütze mit Pelzrand auf, die sein Gesicht signalrot umrahmte, und steckte den Arm in den ebenso roten Mantel.

Ein Gelegenheitsjob war das, und als solcher ein Glücksfall: Ein Terraner hatte ihn angesprochen, als er im Gang vor dem Café auf dem Rand des Blumenkübels saß und wieder und wieder seinen Geldbeutel durchwühlte. Er brachte ihn zur Tür dieser schäbigen Garderobe. Dort wartete Derwon mit Sachen und Sack, sah misstrauisch und hungrig aus wie er.

Der Terraner schloss auf, instruierte sie und ging. Billiges Essen stand da, mit dem sie sich vollstopften. Dann atmeten sie durch und Derwon rülpste. Nach einem Gang in den Hygieneraum begannen sie mit der Arbeit, die Firiliizir mehr als suspekt war.

Doch Geld musste her, damit das Leben weiterging, und – träumen konnte man! – vielleicht doch eine Chance auf ein wenig Erfolg, um heimkehren zu können.

Heimkehren …

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Die Springer – Mehandor – sind Kosmische Händler. http://www.perrypedia.proc.org/wiki/Springer (c) Pabel-Moewig-Verlag, Rastatt

*

In die knallrote Mütze hatte der Jülziish Augenlöcher geschnitten, um nicht halbblind durch die Gegend zu stolpern. Er beobachtete die Handbewegungen seines neuen Partners, während sein hinteres Augenpaar den Wandspiegel im Auge behielt, in dem er sich selbst von hinten betrachtete: wie er vor dem weiß gefärbten Springer stand, der sich nun erhob und den Mantel zurechtzupfte.

Er sah bescheuert aus.

Die Garderobe war ebenso schäbig wie die Requisiten. Ein Arbeitgeber, der ihnen so einen Raum zuwies, würde ihm die lädierte Mütze von den schäbigen 50 Galax für diese vier Stunden Arbeit abziehen. Das machte Firiliizir Sorgen. Andererseits würde ein Zweiäugiger wohl gar nicht auf die Idee kommen, das Hinterteil einer Mütze zu überprüfen. Derwon hatte auch nur durch die Nase geschnaubt. Und in diesem Einkaufszentrum war so viel los, dass ihm das Untertauchen leichtfallen müsste. Sobald er sein Geld hatte.

Sein eigener Umhang hing noch am Haken.

Der Mehandor deutete mit dem Kinn auf den lang fallenden, wallenden Glitzerstoff, den Firiliizir anlegen sollte. „Mach endlich!“, grollte er, während er bereits nach seinem Sack mit Werbegeschenken griff.

Der Jülziisch folgte seiner Aufforderung und betrachtete sich dann von vorne und hinten in den eingedellten Spiegeln des schmalen Garderobenraums. Seine dünne, lange Gestalt wirkte durch den fließenden Stoff besonders mager.

Weißt du, was das für Symbole sind?“, fragte er.

Hm.“ Derwon kratzte sich am Kopf und rieb die Finger gegeneinander, um das Weiß wegzukrümeln. „Das eine ist ein Kreuz. Das ist eine von diesen terranischen Religionen. Irgendwas mit Kreuz tragen, keine Ahnung. Hilft gegen Insekten, glaube ich.“

Glaubst du?“

Nein. Aber die. Irgendwas mit Blut war das.“

Komische Ideen haben die“, urteilte Firiliizir und sandte innerlich ein Dankgebet an die weiße Kreatur der Wahrheit, die sein Volk vor solchem Unsinn behütete. Wenigstens die Ellipsen auf dem Umhang gefielen ihm, die erinnerten an Fruchtbarkeit und Heimat.

Das geschwungene Zeichen hier liest sich Om, das steht für Körper, Rede und Geist des Raumes oder so – was weiß ich, irgendwas. Die Terraner glauben alles Mögliche. Weihnachten feiern die, das Fest der Freude, der Erlösung. Man bekommt Geschenke, ohne sie verdient zu haben, sagen sie. Und zahlen gutes Geld dafür. – Gehen wir!“

*

Ein Blick auf die Uhr ließ Derwons Herz jagen. Noch vier Stunden Zeit und nur wenige hundert Meter zu gehen. Er atmete ein und aus, bis sein Puls sich beruhigte. Seine Tarnung war so auffällig, dass keiner hinschauen würde, und das lang aufgeschossene, blau beflaumte Schaf, dessen Tellerkopf hoch über ihm schwankte, würde noch weiter von ihm ablenken.

Ein Missverständnis war das, denn als Schaf fühlte sich Firiliizir nun gar nicht. Sondern einfach nur fehl am Platze. So ging es ihm oft, seit er versehentlich jene Sequenz in den Computer getippt hatte, die nicht nur seinen Arbeitsplatz im engeren Sinne, sondern das ganze weite Fabrikgelände in Schutt und qualmende Asche gelegt hatte. Und den Fuhrpark. Und … jedenfalls genug bebautes Areal, um nicht mehr daheim aufzutauchen, sondern ins nächste abfliegende Raumschiff zu steigen. Fort und davon. Seine 154 Geschwister würden die Eltern trösten – falls sie ihn denn vermissten. Wahrscheinlich verfluchten sie ihn.

In dieser Situation war es ihm doppelt lieb, in der Fremde und unter Unbekannten zu sein. Er brauchte die 50 Galax! Der Rothaarige allerdings auch, wenn er von gutem Geld sprach. Denn gutes Geld war das nicht. Zum Überleben gut. Ein erbärmlicher Hungerlohn für am Boden Liegende. Doch wenigstens würde ihn in diesem Aufzug keiner erkennen. Ein bisschen Ehre war ihm zumindest geblieben.

Der Jülziish schnappte sich seinen Sack, und das ungleiche Paar verließ die Garderobe, um über einen Seitengang in die belebte Einkaufsstraße zu treten, die sich eine Reihe von Stockwerken oberhalb des Residenzparks entlang zog. Durch die transparenten Wände und die Scheiben der Geschäfte überblickte man die klare Oberfläche des Residenzsees. Gerade brach die Sonne hinter den Wolken hervor. Die automatische Filterung passte sich an: Keinen Moment lang mussten sie die Augen schließen, auch wenn der untere Abschnitt des terranischen Regierungssitzes, der hoch über ihnen schwebte, sich ebenfalls in eine kleine Sonne zu verwandeln schien. Dann wurde der Himmel wieder verhangen.

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Die Stahlorchidee, der Regierungssitz, in der Innenillu von PERRY RHODAN 2793 http://www.perrypedia.proc.org/wiki/Quelle:PR2793 (c) Pabel-Moewig Verlag, Rastatt

*

Einkaufende von tausend bewohnten Welten der Galaxis wimmelten durcheinander. Einen Moment lang stellte Firiliizir sich vor, seinen Geschwistern Andenken von diesem terranischen Feiertag kaufen zu müssen. Er schluckte, doch dann siegte die Wehmut.

Die sich verstärkte, als melancholische Musik erklang. Eine Gruppe von Musikern mit Instrumenten aus Metallröhren und geschwungenem Holz hatte sich in einer Passage angesiedelt. Das bunte Treiben spülte die Trauer hoch, die Firiliizir seit jenem Tag begleitete.

Heimgehen können …

Wie bist du in so eine Klemme gekommen?“, fragte der Jülziish leise. „Bei mir war es ein Versehen. Also, keine Absicht.“

Er zuckte zusammen, als er die finstere Röte im Gesicht des vor ihm stapfenden Springers wahrnahm, die sich unschön gegen das grelle Rot des Weihnachtskostüms abhob. Nervös wich er zurück.

Die Mimik der Humanoiden war immer schwer zu verstehen, doch dass Derwon den ganzen Körper anspannte, die Zähne zusammenbiss und die Fäuste ballte, wusste er eindeutig einzuordnen. Wie seine Schwester zu sagen pflegte: „Einfach mal die Klappe halten“. Das war das Beste.

Ein weiterer finsterer Blick warnte ihn, dass die Arbeit losging.

Ho ho ho ho!“, dröhnte Derwon und hob die klingende Glocke. „Fröhliche Weihnacht! Ho ho ho ho!“ Vor einem Laden mit Spielzeug erspähte er ein Geschwisterpaar. Auf sie stapfte er zu. „Ho ho ho,“ dröhnte er, „wart ihr auch brave Kinder?“

Der kleine Junge stellte sich mit ausgebreiteten Armen vor seine Schwester. „Nimm mich, verschone sie“, bot er heldenmütig an.

Derwon verschluckte sich und pustete weißen Staub. „Frohe Weihnachten“, knurrte er und drückte jedem der Bälger eine Schokoladenfigur in die Hand, die aussah wie seine Verkleidung. Im Weiterstampfen beäugte er, wie die stocksteif dastehenden Kinder ihre Figuren festhielten, während ihre Mutter sich über sie beugte. Knurrend marschierte er weiter. Der weißbärtige Jülziish folgte ihm wie ein wehender Schatten. Von seiner Mütze bimmelte es.

Firiliizir bemerkte, dass sein Partner nervös hin- und herschaute. Immer wieder wanderte seine Hand in die Manteltasche. Dort fingerte er an etwas herum.

Wir müssen zur Halle vor das andere Spielzeuggeschäft“, knurrte der galaktische Händler. „Los“.

Überrascht drehte er sich um, als Firiliizir ihn am roten Ärmel packte, festhielt und aufgeregt „Komm da lang“ zirpte.

He“, protestierte Derwon, „das ist aber ein Umweg. Wir müssen…“

…da lang. Da vorn stehen Gataser“, piepste Firiliizir und zog den Bärtigen mit sich. „Weg hier, beeil dich!“.

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Die Gataser sind ein Hauptvolk der Jülziish – früher nannten Terraner sie Blues oder auch herablassend „Tellerköpfe“. Mehr unter http://www.perrypedia.proc.org/wiki/Gataser und http://www.perrypedia.proc.org/wiki/Blues

Gerade jetzt kamen ihnen dunkelblau uniformierte Wachleute entgegen. Sie beäugten interessiert ihre Verkleidung.

Wieder schlug Derwons Herz bis zum Halse. Willig ließ er sich weiterziehen. Erneut fuhr seine Hand in die Tasche. Dort befand sich die Kugel mit Komponenten der Mikrosonden. So viel Geld steckte da drin – wenn es nur funktionierte.

Ein paar Dutzend Schritte weiter erreichten sie das nächste Spielzeuggeschäft. Vor dem war ein Podium aufgebaut, bestückt mit nachgeahmten Nadelbäumen voll glitzerndem Schnee. Kleine, buschige Robottierchen turnten auf ihnen herum. Jedes Mal, wenn sie die unter den Nadeln prangenden dunkelroten Kugeln berührten, entfalteten sich Werbeholos. Handspannenlange humanoide Roboter, gestaltet wie beigehäutige Siganesinnen mit Blondhaar und Flügeln, sangen Weihnachtslieder. Aus ihren Bäuchen tönte Orchesterbegleitung.

Zwei fluoreszierende Sessel warteten inmitten der bunten Pracht. Immerhin, überlegte sich Firiliizir, würde in diesem Spektakel die Schäbigkeit ihrer Kostüme nicht so auffallen.

Der weißbärtige Mehandor setzte sich breitbeinig in seinen Sessel, rückte die Mütze zurecht und knüpfte den Sack auf, während der Jülziish irritiert die Funkenregen versprühende Spitze des Christbaums direkt vor seinem Gesicht anstarrte. Dann wandte auch er sich dem Publikum zu, dem ihre Ankunft aufgefallen war. Ein Ring begann sich zu bilden. Erneut schwenkte Derwon seine Glocke. „Ho ho ho ho“, rief er. „Geschenke für alle.“ Aus den Augenwinkeln bemerkte er den Geschäftsführer. Der Idiot! Er hatte ihn im Vorfeld bezahlt und ermahnt, nüchtern zu sein. Diese 200 Galax nahm er als Taschengeld mit.

Schnell sammelten sich Kinder um das Podium, und auch Halbwüchsige. Offensichtlich musste man nicht viel vom terranischen Weihnachten zu verstehen, um zu kapieren, dass es was umsonst gab. Nun, ihm sollte es Recht sein. Alle Süßigkeiten waren präpariert und wenn die Mikrosonden in dem mechanisch auszulösenden, nicht an seinem Körper anzumessenden Behälter losflogen und die kleinen Geräte komplettierten, würden sie senden. Natürlich erst, wenn er weg war. Dazu brauchte er den anderen Auslöser – genial einfach war das.

Über drei Stunden noch!

Eine Stunde lang würde er hier den Idioten spielen, dann verduften. Und das blaubeflaumte Schaf stehen lassen für die Polizei, während er längst am Raumhafen war, um die Signale anzumessen. Einladend hob er den Sack, öffnete ihn und griff hinein, um die in Glitzerfolie gehüllten Leckereien zu zeigen. Die ersten Kinder stürmten das Podium.

*

Der sieht selber aus wie ein Weihnachtsbaum“, lachte ein pickeliger Bengel und deutete auf Firiliizir. Der tat, als bemerke er es nicht, und reichte ihm und seiner Freundin je eine Schokoladenkugel. Kein Geschenk dazu. Übertreiben musste er auch nicht.

Ein stechender Geruch drang in seine Nase. Er schaute ein wenig tiefer. Ein insektoides Kind mit grünlichen Antennen, die aus einer blonden Lockenperücke ragten, nahm von Derwon sein Päckchen entgegen. Beim Anfassen entfaltete sich das schimmernde Werbeholo des Einkaufszentrum.

Autsch.“ Die Freundin des pickeligen Großmauls spuckte die zerkaute Schokolade in die hohle Hand. „Da ist was drin.“

Firiliizir zuckte zurück und sah flehend den Springer an. Bloß keinen Ärger!, dachte er flehend. Der Bärtige konnte so ausrasten, das machte ihm Angst. Er starrte das Mädchen an.

*

Derwon fluchte innerlich. Was sollte das denn? Was hatte die gefunden? Jeder Teil der Vorrichtung würde mehrfach in jeden Zwischenraum passen, den solche Leute haben konnten.

Was ist denn drin?“, fragte ihr Freund.

Irgendwas Hartes“, jammerte das Mädchen und spuckte erneut aus.

Der Zahnarzt hat auch gesagt, dass du noch nichts essen sollst“, meinte der Junge. Beharrlich stand er im Weg. War er, der Patriarch einer kleinen, nur durch Pech verarmten Sippe, ein Einrichtungsgegenstand oder was?

Geht ihr jetzt mal ein Stück weiter“, schimpfte der galaktische Weihnachtsmann zornig. Zeit war Geld. Mit jeder Minute konnte er Datenträger bekommen. Zweibeinige, die mit seinen Sonden im Bauch herumliefen und Daten für ihn sammelten.

Wut stieg in ihm auf. „Jetzt schiebt schon ab, ihr …“

He, das ist jetzt nicht, wie ich mir einen Weihnachtsmann vorstelle“, legte der Pickelige los. „So reden Sie nicht mit uns, klar?“

Jetzt sah Derwon rot. „Das gibt es doch, ihr blöden Kröten“, begann er.

Was denn, Alter!“ Der Teenager schubste ihn.

Derwon schubste zurück.

Der Junge stolperte über den Rand und fiel, Hintern voran, auf den Boden. Da saß er und glotzte.

Bebend vor Zorn griff Derwon in seine Tasche. Er umfasste die druckempfindliche Kugel, als das Mädchen sich auf ihn stürzte. „Du hast meinen Freund geschlagen! Ich hole die Polizei“, kreischte sie.

Die meisten Kinder standen entsetzt. Eins griff nach dem zu Boden gerollten Sack mit Süßigkeiten und bediente sich. Andere taten es ihm nach.

Wachmänner näherten sich.

Derwon Hüpdaf wich dem Angriff des Mädchens aus, stolperte in einen künstlichen Nadelbaum, dass die Pelztierchen flogen, und merkte beim Festhalten, dass er mit der in die Tasche gesteckten Hand den Öffnungsmechanismus gedrückt hatte.

Zu früh! Und welchen der Auslöser hatte er erwischt?

Ihm brach der Schweiß aus.

Ein Wachmann hielt plötzlich ein Detektorgerät in der Hand. „Da sendet irgendwas Daten in einer unbekannten Verschlüsselung“, rief er seinem Begleiter zu. „Gerade jetzt, wo die Erste Terranerin im Haus ist. Ich geb‘ mal Alarm.“ Aufgeregt sprach er in sein Armbandgerät.

*

Firiliizir stand erstarrt daneben. Das konnte doch alles nicht wahr sein!

Nun tat er die albernste, anspruchsloseste Arbeit, die man sich denken konnte, und schon wieder ging alles daneben. Wenn er jetzt verhaftet würde und die seine Personalien überprüften!

Die Familie würde auch dies erfahren. Die Schande wäre komplett.

Seine Gedanken jagten als Wirbelsturm in seinem Schädel, sodass er nichts tun konnte als mechanisch in den Sack zu greifen und „Fröhliche Weihnachten“ zu zirpen.

Der wie Espenlaub zitternde Jülziish mimte weiter den Weihnachtsmann, während immer mehr Uniformierte erschienen, diesmal mit gezogenen Waffen. Mütter brachten ihre Kinder in Sicherheit, Kunden zogen sich in die Geschäfte zurück. In den Türöffnungen erschienen schillernde Energieschirme.

Derwon stolperte beim Versuch, zu fliehen, über seinen Sack, schrie und schlug um sich, dann hob er die Hände.

Firiliizir Fütibiieritz fiepte schrill und hob ebenfalls die Hände. Seine sechs Daumen zitterten. „Was machen wir denn jetzt nur“, jammerte er, aber so schrill, dass ihn keiner hörte.

Die Wachleute rissen ihnen die Säcke weg. Einige machten sich mit Geräten darüber her. Andere tasteten die beiden ab und untersuchten sie.

Der hat ein aktives Sendegrät auf der identifizierten Frequenz“, rief einer. „Den greif‘ ich mir.“

Als er Derwon die Hand auf die Schulter legte, tickte der als Weihnachtsmann verkleidete Springer aus. Nicht nur, dass all die in die Körper der Kunden eingeschleuste teure Spionagehardware verloren war, die ihm unersetzliche Einblicke ins Kaufverhalten der hiesigen Konsumenten gegeben hätte … dass sein Handelsimperium starb, ehe es das Licht der Welt erblickte. Sondern dass ein uniformierter Wichtigtuer seine Finger an ihn legte. Mit einem kräftigen Kinnhaken schickte er den Mann zu Boden, nahm ihm die Waffe ab und richtete sie auf die Umstehenden. Firiliizir schrie auf vor Entsetzen.

Keine Beweg-“, schrie Derwon, dann traf ihn der Ellbogen des panisch nach dem letzten umfallenden Weihnachtsbaum greifenden Jülziish an der Schläfe. Er verdrehte die Augen und brach zusammen.

Wow“, sagte der Wachmann anerkennend. „Das war aber mal gute Arbeit, Kollege.“

Verständnislos starrte der Jülziish ihn an. Was sollte er denn bloß tun? Was für Arbeit meinte der? Das hier konnte er keinem erklären.

*

Da ist er.“

Firiliizir Fütibiieritz erschrak zu Tode. Er drehte sich von den Polizisten weg, denen er ausführlich und aufgeregt zu erklären versucht hatte, wie er in dieses Kostüm gekommen war und in diese Gesellschaft. Seit dem ersten „Wo ist denn ihr Arbeitsvertrag?“ hörte er seine eigene Stimme schrill und unglaubwürdig daherreden, ohne Überzeugungskraft.

Derwon war samt seiner Spionagegeräte abtransportiert worden, und Firiliizir fühlte sich als unfreiwilliger Helfer eines offenbar gefährlichen Kriminellen so fehl am Platze, dass er sich selbst nicht geglaubt hätte.

Nicht diese Geschichte. Es war alles vorbei.

Der da!“

Oh nein, das waren Reporter. Sie umringten ihn, redeten auf ihn ein. Fast als ob sie auf Sendung wären. Und dann stand diese kleine Figur in der Halle, eine dunkelhaarige, jugendliche Terranerin, deren Gesicht die ganze Galaxis kannte:

Cai Cheung, die Erste Terranerin. Die Einkaufsbox einer teuren Parfümerie schwebte hinter ihr her. Wachleute machten ihr Platz: Die Umstehenden bildeten eine Gasse, und sie kam direkt auf ihn zu.

Firiliizir starrte sie sprachlos an.

Die Terranerin betrachtete ihn prüfend und verzog die Mundwinkel. Reporter umringten sie. „Du bist also der Jülziish-Weihnachtsmann, der die gefährliche Situation durch sein schnelles Eingreifen entschärft hat“, sagte sie anerkennend.

Was?“, zirpte Firiliizir. Zu hoch für Menschen. Er brauchte einige Sekunden, um die Worte zu verstehen. Dann ging ein großes, freundliches Licht in seinem Herzen auf.

Ja,“ erwiderte er mit seiner tiefsten Stimme, „der bin ich.“ Bebend ergriff er die dargebotene Hand.

Cai Cheung dreht sich zu den Kameras, und er blieb einfach stehen. Da brach auch schon der Ansturm der Reporter los. Sie fotografierten ihn und Cai Cheung von allen Seiten und zeichneten sein unzusammenhängendes Gestammel auf, um angemessene Erwiderungen für die Nachrichten daraus zusammenzusetzen. Vor allem sein Gesicht in der Weihnachtsmannmaske wurde fotografiert.

Toll, wie ein Jülziish sich so mit terranischem Brauchtum identifizieren kann“, drang wie aus weiter Ferne in sein Bewusstsein.

Was ging da denn ab? Hey, sollte er einfach mal Glück haben?

Mit einem Mal fühlte er echten Mut. Er nahm die Mütze ab und setzte sie vorsichtig auf Cai Cheungs Kopf. Mit einer schnellen Handbewegung überprüfte sie den Sitz, strahlte gekonnt in die Menge und die nächste Fotorunde ging los.

Firiliizir war glücklich.

Dies war zweifellos ein Erfolg, groß genug, um diese blöde Geschichte vergessen machen.

Hm, eigentlich konnte die ganze Maskerade schon als geplant gelten – er musste sich nur was ausdenken. Die Familie würde stolz auf ihn sein.

Jetzt konnte er heimkehren.

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Diese Weihnachtsgeschichte ist Fan-Fiction mit Motiven der PERRY RHODAN Serie und spielt 1514 NGZ in Terrania City.
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9 Comments

  1. Gut geschrieben, liest sich sehr gut, unterhaltsam und witzig („Kreuz tragen, keine Ahnung. Hilft gegen Insekten.“ 😀 ). Schöner Blick von außen auf unsere irdischen Gepflogenheiten, die uns selbst ja mitunter etwas seltsam vorkommen.
    Einige schwierige Namen (z.B. Firiliizir Fütibiieritz) waren anfangs kleine „Lese-Stolpersteine“ für mich, sind aber für Rhodan-Leser vermutlich normal.

    Gefällt 1 Person

    1. Danke!!
      Aber – schwierige Namen bei PERRY RHODAN?? Hm … Auris von Las-Toor, Indinyphe, Dao-Lin-H’ay, Patythia Baal, Luzian Bidpott, Heleomesharan, Hü’Yulu’Yülü’yuh, Shanorathemas, Mordere Keyn Haitabu, Eneaphus Avenquerius, Czycnezyc – mnja, die Blues (Jülzish) und die Cheborparner sind am schlimmsten. Letztere sind die vom Planeten Pspopta im System der Sonne Ayc-Tohotche, also Sonzaturen Arepozym oder Parneberochacz Denayrech, die gelten aber in der gesamten Galaxis als schwer aussprechbar. Kann schon sein, dass das abhärtet. Schau dir die Perrypedia-Liste an. http://www.perrypedia.proc.org/wiki/Personen_T

      Gefällt mir

      1. Na ja, „schwierig“ insofern, als man sie sehr konzentriert lesen muss, bis man sich mal dran gewöhnt hat.
        Wenn ich andauernd „Hü’Yulu’Yülü’yuh“ lesen müsste, würde ich wahrscheinlich vor lauter Zungenbrechernamen kaum etwas von der Story mitkriegen. 😉
        Dass sich bei 3000 PR-Abenteuern da einiges angesammelt hat, ist klar. Und dass es immer schwieriger wird, noch neue, halbwegs griffige und leicht lesbare Namen zu erfinden.

        James Bond heißt ja nicht umsonst James Bond, und nicht Jedediah Bondsmidlothianshire oder so. 😀

        Gefällt 1 Person

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