Die Sagittor-Offensive (Dorgon 83)

Diese Woche erschien die »Sagittor-Offensive« von Jens Hirseland und Michael Berg. Das ist der überarbeitete Band 83 von Dorgon, der Fanserie aus dem Perry-Rhodan-Universum, bei der ich die Lektorin bin. Er liegt in einem ziemlich brutalen Abschnitt des Quarterium-Zyklus, der mich mit seinen Kriegsromanen doch manchmal vor gewisse Herausforderungen stellt. Mit denen ich mich auseinandersetze, denn sollten Kriege nicht als brutal beschrieben werden?

Die Inhaltsangaben in der Perrypedia sind bis zur 82 aktualisiert, bald geht es weiter: http://www.perrypedia.proc.org/wiki/Dorgon-Heftromane.  Lesen hilft …

Hier der Romananfang:

1. In der Hölle der Katze

Nun war es soweit. Er war endlich nach Lingus versetzt worden. Dank der Papiere und diverser Manipulationen seiner Freundin Falbela hatte es keine Schwierigkeiten gegeben. Offiziell bekleidete er den Rang eines Obersten im Generalstab des Flottenkommandos, der auf Lingus an der Planung der neuen Freizeiteinrichtungen für Flottenangehörige beteiligt werden sollte.

Falbela hatte ihm gleich, nachdem er sie eingeweiht hatte, von diesem geheimnisumwitterten Projekt erzählt. Es war geradezu ein Wink des Schicksals, dass ausgerechnet sie die persönliche Assistentin des kommandierenden Admirals Jasor da Isaak war und beauftragt wurde, ein spezielles Team zusammenzustellen, um die geplanten Freizeiteinrichtungen auf Lingus zu evaluieren.

Für den gestrigen Tag war eine Inspektionsreise in ein sogenanntes Internierungslager angesetzt gewesen, wo man ein erstes Modell der geplanten Anlagen vorführen wollte. Ein schmierig grinsender CIP-Kommandeur hatte ihm mit einer eindeutigen Geste erklärt, dass die Benutzung der Modelleinrichtungen für die Mitglieder der Kommission natürlich kostenlos wäre.

Es schüttelte ihn immer noch, als er an die »Vorführung« zurückdachte. Rosan hatte recht gehabt. Das waren keine Menschen mehr, die sich so etwas ausgedacht hatten. Das waren sadistische Monster, die mit allen Mitteln bekämpft und ausgerottet werden mussten.

Und für den morgigen Tag war eine Demonstration des Straflagers angesetzt. Straflager! Wenn er sich nur vorstellte, was für Teufeleien sich hinter diesem Begriff verbergen könnten, dann hätte er seine Mission am liebsten abgebrochen. Aber er musste seine Rolle weiterspielen, er hatte immer noch keine Informationen über den Aufenthaltsort Pace Joharrs erhalten.

9. Februar 1306 NGZ, Lingus

Der Chef der CIP war am Vormittag auf Lingus eingetroffen. In seiner Begleitung befanden sich der Minister für die ABR, Reinhard Katschmarek und der neu ernannte Sonderbeauftragte ABR-Cartwheel, Oberst-Kommandeur Reynar Trybwater. Niesewitz war bester Laune. Zum einen war es ihm am Vorabend gelungen, seinen alten Kumpel Katschmarek unter den Tisch zu saufen, und zum anderen hatte die Spanierin genauso reagiert, wie er es vorausgesagt hatte. Wie leicht war dieses Weib doch zu berechnen! Er beziehungsweise Trybwater drehte an ein paar Schaltern und schon erhielt man das gewünschte Ergebnis. Und er war nur einem besonderen Wunsch des Emperadors und seiner geliebten Tochter nachgekommen.

Zusammen mit Katschmarek und Trybwater betrat er gegen zehn Uhr den Verwaltungskomplex des StraLa-1. Der Lagerkommandant zeigte ihnen in einem kurzen Rundgang das Lager und auch den Sondergefangenen. Niesewitz interessierte sich für das Lagerpersonal und ließ sich die entsprechenden Personalakten kommen. Mäßig interessiert überflog er die Angaben. Auch hier hatte man sich an seine Vorliebe für gedruckte Informationen gehalten. Er vertraute seiner Intuition beim Lesen, sie hatte ihn oft weiter gebracht als alle neumodischen Datensysteme.

Schließlich warf er die ganzen Papiere achtlos beiseite. Hier würde er bestimmt nichts finden. Wo war der verdammte USO-Agent? Er war sich sicher, dass die USO versuchen würde, Joharr zu befreien. Und dann fiel sein Blick auf einige Arkoniden, die gerade aus einem Gleiter stiegen. Interessiert beobachtete er die Gruppe.

»Bezirks-Kommandeur, wer sind denn die?«, wandte er sich in scharfem Ton an den neben ihm stehenden Lagerkommandanten. Dieser zuckte zusammen und erklärte hastig: »Marschall, dies ist eine Kommission des arkonidischen Flotten-Kommandos auf Bostich, die auf besonderen Wunsch des Gos’Shekur unsere geplanten Lagereinrichtungen inspizieren soll.«

In Niesewitz schrillten die Alarmglocken. »Wurde eine spezielle Sicherheitsüberprüfung vorgenommen?«, bellte Trybwater. »Nein, Oberst-Kommandeur. Man hat die gesamte Kommission bereits auf Bostich für unbedenklich erklärt.« Niesewitz schaltete sich wieder ein: »Ich möchte sofort alle Personalakten dieser Kommission vorgelegt haben. Und halten sie diese Bande hin. Ich will, dass sie zusammenbleiben und auf Schritt und Tritt überwacht werden.« Der Bezirks-Kommandeur wurde kreidebleich und hastete davon, um die gewünschten Unterlagen zu holen.

»Das darf doch nicht wahr sein! Da habe ich ein wunderbar feinmaschiges Netz ausgelegt, um unseren USO-Agenten zu fangen, und dann kommen diese Arkoniden und durchbrechen so mir nichts, dir nichts sämtliche Sicherheitsvorkehrungen.«

Wenig später hastete der Kommandant wieder in das Verwaltungsbüro. Unter dem Arm hatte er eine dicke Mappe mit den Personalpapieren. »Hier Marschall-Kommandeur, das ist alles, was wir haben.« Niesewitz überflog die Akten. Nach der dritten oder vierten Seite warf er sie wütend an die Wand und brüllte: »Das ist Bullshit, reiner Bullshit! Zu nichts zu gebrauchen!«, und nach kurzer Überlegenspause, »Was haben die Herren Arkoniden eigentlich gestern gemacht?«

»Nun, sie bekamen die Gelegenheit, unsere neuen Freizeiteinrichtungen zu testen.«

»Das volle Programm?«

»Aber natürlich, sie haben nichts ausgelassen!«

»Das ist gut. Aber sagen Sie mir nun ja nicht, dass die Überwachungssysteme ausgeschaltet waren.«

Der Bezirks-Kommandeur wurde nun sichtlich ruhiger. »Aber natürlich nicht! Wir haben alles!«

»Dann bringen Sie mir sofort ein Abspielgerät und die entsprechenden Aufzeichnungen.«

Wenig später war das Gewünschte eingetroffen. Nachdem die Kristallspeicher eingelegt waren, wurden die Aufnahmen mit erhöhter Abspielgeschwindigkeit durchlaufen. Wieder verließ er sich nur auf seine Intuition. Und plötzlich stoppte er den Durchlauf und rief die Kennung des Datensatzes ab, danach nochmals den Datensatz mit normaler Geschwindigkeit. Schließlich schaltete er das Gerät aus und ließ sich zufrieden auf einen Stuhl fallen.

»Kommandeur, können Sie mir mal aus den Akten da unten die Unterlagen eines gewissen Oberst Rokalo de Percur heraussuchen. Unser kleines USO-Mäuschen ist uns in die Falle gegangen.«

»Sofort erschießen, das Schwein!«, brüllte Reinhard Katschmarek, der Minister für die Artenbestandsregulierung.

»Aber nein, Reinhard, du würdest mir meinen ganzen schönen Plan kaputtmachen. Wer tot ist, kann nicht mehr reden, geht das denn nicht in dein Spatzengehirn? Bin ich hier eigentlich nur von Idioten umgeben? Im Gegenteil, dass mir ja niemand unserem Mäuschen zu nahe kommt! Nur unauffällige Fernüberwachung!«

Trybwater sah seinen Chef fragend an. Sein Gesichtsausdruck besagte, dass er nicht verstand, anhand welcher Indizien Niesewitz den Arkoniden als USO-Spezialisten enttarnt hatte. Mit einem selbstgefälligen Grinsen ließ der die Aufnahmen der Überwachungskamera nochmals ablaufen.

»Oberst, Ihrem fragenden Gesicht entnehme ich, dass Ihnen nicht klar ist, warum gerade dieser Percur unser Mäuschen sein soll. Schauen Sie sich diese Aufnahmen genau an und vergleichen Sie das Verhalten dieses Arkoniden mal mit dem seiner Kollegen.«

Trybwater verfolgte das Schauspiel auf dem Bildschirm. Bald hellte sich sein Gesichtsausdruck auf.

»Ich hab’s, Marschall. Dieser de Percur verhält sich im Vergleich mit den anderen Arkoniden absolut unnatürlich. Man hat fast den Eindruck, als widere ihn regelrecht an, was er da tut. Besonders deutlich wird das gegen Ende der Aufnahme. Da nimmt er sogar diese linguidische Schlampe in den Arm und streichelt ihr Gesicht, als ob er sie trösten wollte.«

»Ganz genau, Oberst! Sie haben es erkannt. Das ist typisch für diese verstiegenen Idealisten. So gut sie auch sein mögen, wenn es an das Eingemachte, an ihre sogenannten Ideale von Menschenwürde und Humanität geht, dann ist es aus. Dann wird ihre Maske durchsichtig. Und deshalb merken Sie sich: Schwein bleibt Schwein und edler Idealist bleibt eben edler Idealist!«

Niesewitz vertiefte sich wieder in einige Personaldossiers, die er kurz zuvor achtlos zur Seite geworfen hatte. Immer wieder verglich er Percurs Dossier mit den Unterlagen anderer Kommissionsmitglieder. Nach etwa zehn Minuten lehnte er sich zufrieden zurück.

»Dachte ich es mir doch. So gerissen wie die bin ich schon lange!«, murmelte er. Und dann warf er Trybwater einige Dossiers zu.

»Führen Sie sich mal diese Machwerke zu Gemüte. Und dann berichten Sie mir, ob Ihnen etwas auffällt«, und zu Katschmarek gewandt, »du kannst dich auch nützlich machen, bring was Ordentliches zu saufen. Das hab ich mir gerade mehr als verdient.«

Wenig später kam Katschmarek mit einer Flasche und drei Gläsern zurück, die er bis zum Rand füllte. Genussvoll schütteten die beiden den Schnaps in ihre Kehlen und machten dreckige Witze, während Trybwater nur an seinem Glas nippte. Schließlich blickte er auf.

»Ich glaube, ich hab es gefunden. Sie sind einfach genial, Marschall! Ohne Ihren Hinweis hätte ich das glatt überlesen.«

»Na, dann berichten Sie. Mal sehen, ob ich aus Ihnen noch einen anständigen Geheimdienstmann machen kann.«

Zum kostenlosen Download geht es hier: http://www.dorgon.net/inhalte/ebook/083/dorgon_083.html

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