St. Lukas am Mariannenplatz und die Phantastik

Sind Kirchen phantastisch? Irgendwie stehen sie schon zwischen den Realitäten als Schnittstelle. In dieser Hinsicht, ja.

Bequem mit Straßenbahn und Bus zu erreichen einerseits …

St. Lukas München 4.jpg Bushaltestelle

In einen jenseitigen Raum weisend andererseits. Egal, welche Religion – es tut gut, dass so was Großes mit dem Turmfinger auf die Entgrenzung an sich zeigt.

St. Lukas München 8

Auch wenn die Fassade keine Gargoyles hat, oder sieht jemand welche? In Kaiserslautern auf der Marienkirche sitzen die überall. Wobei ich irgendwann einen Roman zu viel las, in dem die Gargoyles lebendig werden, und das gar nicht so phantastisch finde. Mehr so abziehbildartig.

St. Lukas München 3

Ist Phantastik Entgrenzung, Verfremdung um des Staunens willen, Verfremdung um der Erkenntnis, um der Kritikfähigkeit willen oder reiner Konsum? Das fände ich nicht so phantastisch. Eher lahm und spießig und verdummend. Und wozu haben wir uns in zartem Alter beharrlich dumm anmachen lassen, weil die Sache angeblich verdummt? Damit sie realiter zum Konsum absteigt?

Nun, die institutionalisierte Religiosität hat es geschafft, zur konsumkonformen, machtkonformen Selbstgenügsamkeit zu erstarren, die innere blieb individuell erhalten – woran die Institution erinnern kann. Ihr auch Raum geben kann. Vielleicht ist es mit der inneren Öffnung zum Phantastischen genauso. Die bunten Figuren, die verkleideten, cool generierten Bilder, die immer schneller, bunter und beweglicher werden – sind die noch was Besonderes oder normierte Dutzendware? Ersetzt der Effekt die Begegnung?

St. Lukas München 10.jpg Straße

Ist die Phantastik das Wunderbare oder eine nette, bunte Ablenkung? Effekt statt Staunen? Irre, wie am Ende dieser gleichförmigen Straße das Ding aus einer anderen Welt auftaucht. Eigentlich müsste ein Raumschiff genauso exotisch wirken, wenn es Dächer überragt. Alles Gewohnheit. 

Ohne Werte kann es, meines Erachtens, keinen Sinn fürs Wunderbare, keine echte Öffnung, keine Entgrenzung geben. Kant im Weltall als Urelement der SF? – die Vernunft siegt, man kann alles besprechen, wow, wie phantastisch irreal und doch zum Staunen verleitend, Ideen erweckend. Deshalb lähmt die konkrete Religion so leicht das Phantastische in einer Handlung – oder befördert das Entsetzliche und seine Bekämpfung. In der Nicht-SF-Phantastik wohl eher.

St. Lukas München 11.jpg Straße

 Jedenfalls geht es mit der Phantastik wohl wie auf diesem Bild mit der Kirche: Unwirklich überragt sie die Normalität, und von der ist ein großer Teil Baustelle.

Schreibt und liest und erlebt man Phantasik mit heiler Haut, irgendwas an Literatur mit heiler Haut?

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