Das WELTRAUMBABY – L’ENFANT STELLAIRE (PR 907) von Marianne Sydow (Teil 4) – Geburt und Neubeginn

Das chapitre XIX (pp. 264–272, SB S.90-197) dreht sich um Helma Buhrlo. Gavro Yaal denkt über seinen Traum vom Weltraummenschen nach. Auf der jungen Frau und dem Kind lastet eine unvergleichlich hohe Heilserwartung. Sie empfindet das Ungeborene als männlich, mehr weiß sie nicht, denn die Ärzte trauen sich nicht an das Kind heran, untersuchen es also nicht – wie sich später herausstellt, selbst um den Preis beider Leben nicht. Sie vertritt die Ideologie der Solaner, ohne Planet zu leben, und möchte nicht einmal in der Nähe von BASIS und Wyngern gebären, das sei ein schlechtes Omen.

Hellmut ärgert sich: »Les Solaniens eux-mêmes étaient enclins dans une fâcheuse mésure à imputer à tort à l’enfant les derniers événements«, die Solaner selbst neigten in gefährlichem Maße dazu, dem Ungeborenen Geheimnisse anzudichten.

Die Mutter trägt fleißig dazu bei, ohne die Tragweite der Situation zu durchschauen. Sie betrachtet die Bilder von Asteroidenschwärmen und Galaxien, fest überzeugt, dass sie dem Kind gefallen. Die perfekte Übermutter, die sogar für ihr Kind sieht. Es darf nicht geboren werden, während die »propulseurs à long rayon d’action«, die Ferntriebwerke, arbeiten.

Diese blinden Annahmen steigern sich: Ebenso wie Helma Buhrlo für ihr Kind zu sehen glaubt, ohne biologische Grundlage, dichtet man den Terranern alle nur erdenklichen schlechten Eigenschaften an. Das gipfelt in Helcos‘ Zusammenbruch: »Man hätte die berüchtigte Nadel fallen hören, als der Pilot die SERT-Haube aufsetzte« ist übersetzt als »On entendit même la résille T.R.E.S. Tomber lorsque le pilote exécuta l’ordre.« »La résille« ist eigentlich »das Netz«. Als nichts geschieht und der Pilot Helcos bewusstlos wird, schreit Yaal Zeter und Mordio, Rhodan habe ihn ermordet. Hier zeigt sich wieder die überaus aufgeheizte Stimmung an Bord. »Le pilot est évanoui et le Sol est paralysé.« Nichts geht, und die Ursache ist tatsächlich ein Sonderbefehl von Rhodan an SENECA. Den er allerdings gegeben hat, um die Solaner auch gegen ihren Willen zu schützen.

Nun kommt so richtig Gewalt ins Spiel: Der aggressive Terph folgt Hellmut nun auf Schritt und Tritt, auf Französisch heißt das »ne pas lâcher/ quitter qn d’une sémelle«, »la sémelle« ist die Sohle. In ihren Diskussionen geht es darum, dem Schlamassel entkommen, »échapper au gâchis« (p.269).

Als Terph von SENECA betäubt wird, während er Hellmuts Arm ergreift und ihn bedroht, fällt er »au sol«, auf den Boden. Dieses Wortspiel haben wir im Deutschen nicht. Ein Medorobot kommt aus einer »niche murale«, einer Wandnische.

Joscan Hellmut bedankt sich und erfährt von SENECA, wie die Sicherheitsschaltung geht. Wieder erscheinen die Solaner als Unmündige, und es macht Spaß, wenn »la bio-inpotronique« die Gewalttätigkeit als Auslöser nennt und ankündigt »Je me désactive« – »Ich schalte mich ab.« Dabei lügt die Hyperinpotronik und verfolgt dabei Rhodans Überrangbefehl. Neben Laire und Augustus, die in PR 919 und 920 die Menschen täuschen, haben wir hier noch einen schwindelnden Roboter.

Als Hellmut ohne Terph zurückkommt, herrrscht Yaal ihn an und versucht, ihm das Wort abzuschneiden »l’apostropha et tenta de lui couper la parole«. Er wirkt äußerst emotional. Aber als Terph dann aber aus der Paralyse erwacht und nüchtern meint, er hätte Rhodan töten sollen, damit die Gehorsamsschaltung nicht greift, verliert Yaal höchstpersönlich die Geduld und schlägt ihn nieder, er »perdit définitivement patience et abattit je jeune Solanien«. Dies relativiert Yaals Zorn, weil bei ihm doch Moral im Spiel ist, und verschafft dem Leser Genugtuung, Yaal aber nicht. Was ihn dann irgendwie doch sympathischer macht.

Weiter geht es mit Douc Langur und den Zwillingen Federspiel und Sternfeuer, auf Französisch »les jumeaux Estrella et Alfonso« (p.272). Sie akzeptieren seine Begründung, er sei neugierig, und erzählen vom »bébé d’éspace«. Alfonso »connai(t) un chemin qui mène là-bas«, einen Weg hinein, aber Douc Langur will ihn nicht in Gefahr bringen. Über eine »liaison hypercom« kann er die BASIS nicht informieren, das würde man bemerken, also will er den Hüpfer probieren, »le Bondissant«. Er fragt sich, ob Rhodan die SOL freigeben wird, wenn er erfährt, dass das große, gefährliche Geheimnis nur ein Baby ist.

Hier endet das Taschenbuch 306, an einer sich natürlich anbietenden Stelle. Rhodans Rückkehr, die Freigabe der SOL und die Geburt füllen 16 Seiten von Band 307, der ansonsten nur Vlcek-Romane enthält, und zwar die Seiten 23-41. Im Silberband entspricht das den Seiten 203 bis 215.

Auf diese Weise kommt Reginald Bulls Ausruf »ne ne te comprend pas, Perry« in die Position des ersten Satzes, eine Position, an der er gut zur Geltung kommt. Etwas sei faul an Bord, »il ya a quelque chose qui cloche«, einerseits, und andererseits macht er den Vorwurf, Perry liefere die Solaner ihrer Angst aus, »ils vivent des moments angoissants« (p.23). Bully stellt Perry als Kopfmenschen ohne Empfindung dar, begleitet vom Kraftausdruck »diantre«, »zum Teufel«.

Rhodan bekräftigt explizit, andere Gründe zu haben als »Dickköpfigkeit« (SB S.203), nämlich die Sorge um die SOL, in der etwas Gefährliches versteckt sei: »Il y a derrière cette affaire davantage qu’un simple entêtement de ma part. Quelque chose est en train de se developper, quelque chose dont je ne peut pas évaluer les consequences, et je suis réticent à laisser partir le Sol dans ces conditions« (p.23). Das »de ma part«, meinerseits, hat keine explizite Entsprechung im Deutschen. Der Leser wird auf diese Weise über die Motive der beiden informiert und zugleich eingebunden, denn dank Douc Langurs Gepräch mit Estrella und Alonso ist er besser informiert als Rhodan und kann sich nun auf den Moment freuen, in dem dieser die frohe Botschaft erfährt.

Das Streitgespräch zwischen den ungleichen Freunden bildet einen emotionalen Kontrapunkt zum bisher in den Vordergrund gestellten Autoritätskonflikt. Da beide wieder auf der BASIS sind und die SOL betrachten, entsteht Außensicht im größeren Zusammenhang. Letzteres wird durch das Gespräch über die Außenwirkung des Konflikts auf die Wynger verstärkt und zugleich um eine Nuance bereichert: Die Solaner wollten den Übervater loswerden, den Wyngern ist er geraubt, ohne dass sie dazu bereit gewesen wären. Für beide Gruppen beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Diese Zäsur ist die alleinige Funktion des ansonsten sinnfreien Hin- und Herwechselns Perry Rhodans zwischen den Schiffen.

Textintern motiviert wird seine zügige Rückkehr durch die aggressive Handlungsweise Terphs. Rhodan setzt trotz der demonstrativen Missbilligung seiner Freunde und seines Sohnes Mike seine Strategie der Konfrontation fort, »Perry ignora le regard désapprobateur«, den »herausfordernden« Blick seines Sohnes. Seine Hausmacht lehnt sein scheinbar rachsüchtiges Vorgehen gegen die Solaner geschlossen ab, aber Rhodan geht seinen Weg. Im Französischen empfinden Rhodans Verbündete hingegen ganz normale, nachvollziehbare Ablehnung den Solanern gegenüber: »Son expulsion du Sol avait suscité une vague d’indignation à bord du Basis.« (p.25).

Im Original verzieht er keine Miene, als er Terph im Holo sieht, in der Übersetzung gibt die Redewendung das Bild einer Marmorstatue her, »Rhodan demeura de marbre« (p.25). Der fanatische Solaner, dessen »grimmiges Lächeln« Rhodan erschreckt, hat im Französischen ein wutverzerrtes Gesicht bzw. ein jähzorniges Grinsen, das Rhodan erschreckt: »Le rictus furieux qui tordait la bouche du Solanien effraya Perry« (p.25), was der Geschichte einen offensichtlichen Bösen beschert. Tut auch mal gut.

Terph hält Hellmut einen Strahler an den Kopf, weil er ihn für Rhodans Verbündeten hält. Douc Langur zieht ihre Aufmerksamkeit auf sich, was wiederum auflockert, weil beide Männer, »Terph et son otage« (p.26), nun ihn anstarren, während Rhodan die Augen schließt: »Le Terrien ferma les yeux. Terph et Hellmut ne lui prêtaient plus aucune attention: ils fixaient Langur, stupefaits« (p-25).

Rhodan setzt über, Terph empfängt ihn mit seiner Geisel am »Besuchereingang«, wie Rhodan ihn gedanklich nennt, »l’entrée des visiteurs« (p.27). Rhodan wird mit Impulsstrahlern bedroht, er steht »dans la mire de quelques radiants« (p.27). Als Terph ihn auffordert, SENECA die Wiederaufnahme aller Funktionen zu befehlen, herrscht gespenstische Stille, »un calme spectral« (p.28), dann gibt Rhodan den Befehl, die Sperren aufzuheben, und plötzlich herrscht drangvolle Enge an Solgeborenen, »des natifs du Sol« (p.28), was Terph und seine Anhänger aber nicht davon abschreckt, mit den Waffen zu drohen.

Auf Rhodans Gespräch mit SENECA flackert das Licht, »l’éclairage vacilla« (p.28) und Gavro Yaal stürmt mit Bewaffneten herein, um Terph zu stoppen. Es gibt eine Schlägerei mit Terphs Anhängern. Rhodan ist dermaßen gut, dass er seinen Gegner völlig unverschuldet erledigt, indem er aus Versehen Douc Langur anstößt, dessen Greifklaue Terph unabsichtlich niederstreckt. Rhodan schimpft alle gleichermaßen und macht sie auf den Eindruck aufmerksam, den SENECA von ihnen haben muss.

Mit Hellmut, den er als »aigri et deçu« (p-29), als verbittert und enttäuscht bezeichnet, und dessen Auge, »son œil gonflé« (p.29), blauschwarz zuschwillt, begibt er sich auf die Suche nach dem Geheimnis.

Wobei er sich einen Freiraum verschafft, indem er die eigene Weisungsbefugnis verschleiert und »dans un ton exasperé« SENECA als Ordnungsmacht vorschiebt, der angeblich auf das unzivilisierte Verhalten der Solaner reagiert: »Tant que les natifs du Sol se comportent comme une horde de sauvages, rien ne changera. Sénèque regarde et écoute tout ce qui se passe ici. Personne n’y a-t-il donc pensé?« (p.29), die Hyperinpotronik – das Wort wird hier im Französischen weggelassen, hieße »le cerveau bio-inpotronique« – werde keine Befehle entgegennehmen, »solange die Ordnung an Bord nicht wieder hergestellt ist. Ich erwarte ja keine Wunder, aber ein wenig Ruhe sollte doch möglich sein« (SB S. 207). Die Unterschiede in der emotionalen Komponente fallen auf: Hier die ironische, fast schon herablassende Ich-Botschaft, dort die Veranschaulichung der Solaner als eine Horde Wilder. Wobei gleich bleibt, dass er die Hyperinpotronik lügen lässt. Er hat die Überrangbefugnis.

Auf Hellmuts Nachhaken, »Comment pouvez-vous annuler des dispositions qui ne sont apparemment programmées nulle part?«, »Wie können Sie etwas rückgängig machen, was scheinbar nirgends verankert ist«, weigert er sich offen, sein Wissen zu teilen. Hellmut akzeptiert schulterzuckend, denn Terph gewinnt an Boden, »la mainmise de Terph progressait« (p.30), und Rhodan fordert ihn auf, Yaal zu beeinflussen: »Essayez! Insista le Terrien« (p.30). Im Französischen endet hier ein Absatz, das Weggehen des Sprechers der SOL-Geborenen, des »porte-parole des natifs du Sol« (p.30) leitet den folgenden Abschnitt ein, so dass durch die Absatzeinteilung ein kleiner Cliffhanger entsteht.

Rhodan atmete tief durch, »il prit une profonde inspiration puis expira lentement«. Hellmut hat trotz seiner Expertise als Kybernetiker seinen Köder geschluckt, »avalé l’appât« (p.30), was Rhodan auf seine Verwirrung zurückführt, und er kann sich ungehindert bewegen. Erst trifft er eine völlig in Gedanken verlorene SOL-Geborene, »totalement absorbée par ses pensées« (p.31), dann hört er »le grattement typique des griffes locomotrices«, das typische Kratzen von Langurs Greifklauen, der ihn durch seine unverständliche Aktion zurück an Bord gelockt hatte.

Erneut kommt das Motiv der Isolation, das den Roman durchzieht: »In einem abgelegenen Raum« (SB S.208), »dans une salle isolée« (p.31) erfährt Rhodan alles über das »enfant à naître« (p.31), das Ungeborene, und versteht die eigenartige Stimmung an Bord, »l’humeur particulière« (p.31). Erneut die abzugebende Verantwortung. Was aus dem ungeborenen Kind wird, könnte er nur erfahren, wenn er die SOL jahrelang zurückhielte, »sauf à patienter ainsi quelques années de plus« (p.32).

Rhodans Stimmung spiegelt im Französischen noch offensichtlicher die des Kosmobiologen, »le biologiste«, Yaal: »Seine Geste wirkte verbissen« wird mit »(il) hocha negativement la tête, une moue d’amertume sur les lèvres« (p.32) wiedergegeben und Yaals »bitter« mit »amèrement« (p.33) aus derselben Wortfamilie. Er fragt den Forscher, ob er es sich anders überlegt habe und doch mit zur BASIS wolle, »que vous ne vous soyez revisé« (p.32). Noch eine Stimmung: das Schweigen in der Zentrale, in die sie nun gehen: »Nul ne parlait« (p.32).

Auch im Übergabegespräch ist das deutsche Ich stark reduziert, so wie die französische Sprache eher »on« verwendet als »je«. Der Beginn seiner Rede, »Ich habe mich entschlossen«, wird zu »Dater de ce instant«, das Ich wird durch das Datum ersetzt. Und Rhodans Einstellung hat sich grundlegend verändert. Was auch wieder ein wenig an Eltern erinnert, die mit ihrem Kind in Fehde leben und dann ihre gesamte Einstellung dem neuen Lebensabschnitt ihres Kindes gegenüber mildern, wenn sie erfahren, dass sie Großeltern werden. Das passiert recht oft.

So ist die »passation de pouvoir« (p.32), die Machtübergabe, an keinerlei Bedingung geknüpft, das gesamte Schiff inklusive Bewohner, Hyperinpotronik und Speicherdaten werden freigegeben, »avec tout son contenu, inerte comme vivant […] plus aucun droit sur Sénèque ni sur les informations enregistrées dans ses banques mémorielles« (p.32) – um im Bild der Trennung zu bleiben, die Erinnerungen. Trotzdem spricht Rhodan wie gegen eine Mauer, die Solaner reagieren überhaupt nicht. Erst schäumten sie über vor Freude, »ils débordaient de joie«, jetzt wandeln sie wie in Trance einher, »on les dirait tomber en transe« (p.33).

Rhodan darf nun an Bord bleiben, keiner wird ihn hindern, sagt Yaal: »Personne ne vous importunera«. So erfährt er von Romeo, »diesem absurd wirkenden Maschinenwesen« (SB S.210), der mit zahllosen Lichtern blinkt, »la machine à architecture grossière […] clignotant de ses innombrables voyants multicolores« (p.33f), vom Weltraumbaby und dass der Stimmungsumschwung an Bord mit ihm zusammenhängt. Er geht nun davon aus, dass die Solaner zum Geburtstermin »in ihrem geliebten Leerraum zwischen den Galaxien« (SB S.210) sein wollen: »ils ont l’intention de s’arrêter dans leur cher vide intergalactique«, und dass da eine Verzögerung sei, »un accroc« (p.34).

Nun wird Romeos Bericht eigenartig. Die Mutter sei in Lebensgefahr, weil die Ärzte sich nicht an das Baby herantrauen, »ils n’osent pas traiter la mère. Manifestement, ils ont peur de risquer la vie d’enfant« (p.34). Ein medizinischer Grund wird nicht genannt, so dass hier ein Tabubereich entsteht, etwas Unantastbares, Geheimnisvolles. Der Mutter tut dies allerdings nicht gut, sie liegt im Sterben.

Als Rhodan in den abgeschirmten Bereich vordringt, treffen sich der Heilsbringer der Serie und das Baby, das nach der Hoffnung der Solaner ein neues Leben frei von Planeten einläuten soll. Rhodan spricht der Mutter Mut zu, gibt ihr die Kraft zu gebären und bleibt, bis sie tot ist.

Ehe ich zum Abschluss auf die Inhalte von Rhodans beiden Reden eingehe, möchte ich auf die Gestaltung des Erzählrahmens auf diesen letzten Seiten eingehen und auf den Zeitverlauf. Dieser wird explizit thematisiert: »le temps s’égrenait lentement. Plusieurs fois, Rhodan contacta le Basis« (p.35), um die Schlusspointe vorzubereiten: Nachdem es die ganze Zeit um den 18. Dezember ging, sind plötzlich sechs Tage verstrichen, ohne dass Rhodan das im Gleichmaß bemerkt hätte, und es ist Weihnachten. Auch diese Zeitangabe wurde verstärkt: »La journée du 24 décembre 3586 était presque terminée.« (p.40). Eine rote Doppelsonne, »la double étoile rouge près de laquelle stationnait le Sol« (p.40), wird zum Stern von Bethlehem: »Vous avez là votre étoile de Bethléem« (p41). Was Rhodan erkennt, womit der Solaner Hellmut aber nichts anfangen kann. Im Französischen, weil er keine Uhr mit Datumsanzeige hat. Der Aufbruch der SOL leitet eine neue Zeitrechnung ein, eine Zeitenwende, ähnlich wie Christi Geburt.

Der Übersetzer hat den Schlussabschnitt mit Technik angereichert und hierzu Material bis hin zu ganzen Sätzen eingefügt: Schon bei der Rückkehr auf die BASIS schaut Rhodan auf »l’ècran« (p.32), den Schirm, im Original nicht. Romeo und Julia sind »des deux interfaces mobiles« (p.37) statt »die beiden Roboter« (SB S.212). In der allerletzten Szene ist eingefügt, dass sich die Hangartore öffnen, »Les vantaux du hangar s’ouvrirent« (p.40). Statt »später auf der BASIS« kommt »sur les moniteurs du Basis«, Rhodan betritt nicht nur die Gazelle, sondern den »poste de pilotage« (p.40) und im Schlusssatz »Das Schiff verschwand in der Unendlichkeit« sind beides, Zeitangabe wie funktionaler Aspekt, verstärkt: »Peu après, la nef multigenerationnel disparut dans l’infini de l’éspace« (p.41). Der Sense of Wonder des Kosmischen wird durch die technische Phantasie abgestützt. Konzentrieren wir uns nun auf den Inhalt der beiden Ansprachen, die Rhodan zum Abschluss hält. Eingebettet sind sie in eine Art Wiederholung bereits beschriebener Situationen und damit vorentlastet. Erneut die Übergabesituation, erneut die jetzt traurigen Solaner, deren Niedergeschlagenheit, »l’accablement«, deutlich spürbar ist, »nettement percible«. Von seiner herausgehobenen Stellung auf der Bühne aus nimmt er »le pressentiment d’un malheur« wahr und »la tristesse de la communauté rassemblé« (p.36). Die Rede ihres Sprechers Gavro Yaal klingt wie eine Grabrede, »une oraison funèbre« (p.37). Trauer ist ein wesentlicher Bestandteil des Übergangs in einen neuen Lebensabschnitt. Hier bereitet sie auch den gleich folgenden Tod vor. Die Bühne bietet das Podium für Außensicht einerseits und einen Wendepunkt andererseits, so wie zuvor bei seiner kurzen Rückkehr auf die BASIS.

Rhodan hat nun Abstand und ist bereit, die Solaner wirklich gehen zu lassen. Er verzichtet auf Vorwürfe und spricht ehrlich aus, was ihm am Herzen liegt, »il renonça à tout reproche, direct ou allusif«, und spricht über die kommende Reise, »du périple«: Alle Menschen, egal wo, seien desselben Ursprungs und Kinder des Universums. Alle hätten eine Aufgabe zu erfüllen: »Il leur dit que tous les Humains, qu’ils vivent sue Èden II, sur la Terre, à bord du Sol ou sur quelque planète lointaine, étaient uns et unes par leur origine. Ils étaient des enfants de l’Universe, et ils y accomplissent leur tâche où qu’ils soient«. Er spricht von kosmischen Geheimnissen, in die die Menschen verflochten seien, »des mystères cosmiques auxquels et par lesquels les Humains étaient liés«. Und er gibt seiner Hoffnung Ausdruck, die Solaner würden sich zu den Menschen bekennen und im Sinne dieser Zusammengehörigkeit handeln, wohin auch immer die Reise sie führen würde, »(que) les Solaniens professeraient cette humanité […] d’agir toujours dans le sens de cette affinité, aussi loin que puisse les mener leur voyage« (p.36).

Keiner applaudiert, aber er hat das Gefühl, er würde verstanden. Trotz der Botschaft an alle Menschen demonstriert Rhodan hier auch ein auf Hierarchie beruhendes Alleinstellungsmerkmal: Die Freigabe SENECAS war eben nicht, wie er den Solanern vorflunkerte, an ihr zivilisiertes Verhalten gebunden, sondern an die speziellen Impulse seines Zellaktivators, »les émissions specifiques de son activateur cellulaire […] un schéma exceptionnel et inimitable«, das in das »cerveau bio-inpotronique« (p.37) gespeist wurde. Das Muster ist zwar so gut wie einmalig, er achtet trotzdem auf seine Löschung aus den Speicherbänken, den »banques mémorielles«.

Ein letzter Schlagabtausch mit den pubertär unsensiblen Yaal, in dem die Zwiespältigkeit des Erwachsenwerdens differenzierter und kritischer ausgedrückt wird als im deutschen »aufs Lügen versteht ihr euch nicht«: »Mais il y a un domaine où vous êtes encore des amateurs: le mensonge et la dissimulation« (p.38): aufs Lügen und die Heuchelei versteht ihr euch nicht gut genug, um erwachsen zu sein, hierin seid ihr noch Anfänger.

Die zweite kleine Rede hält er der sterbenden Helma Buhrlo und ermutigt sie so, durchzuhalten und ihr Kind zu gebären, wodurch sich die Weihnachtssymbolik erfüllt. Als Perry Rhodan zu ihr kommt, ist sie bewusstlos, und die Umstehenden empfangen ihn wie einen »Medizinmann«, der helfen kann, wo alle Vernunft scheitert: »ils ne devaient espérer aucune aide du Terrien; a cette instant, il devait plutôt leur apparaître comme un sorcier des temps préhistoriques« (p.39). Helma ist in ihrer besonderen Position, auf ihrem Podest der Unantastbarkeit, allein gelassen, keiner wagt sie zu untersuchen. Rhodan wischt ihr den Schweiß ab, nimmt ihre Hand und bittet sie, ihm, dem alten Mann, »un très vieil homme«, der an diesem Schiff hängt, »(qui est) attaché au Sol« ein Abschiedsgeschenk, »un cadeau en guise d’adieu« (p.39) zu machen: das Kind zu gebären, damit er weiß, dass das Leben weitergeht: »Tout enfant est le symbole de la vie qui continue […] Il sera plus facile de faire mes adieux aux Solaniens si je sais que la vie continuera à bord du Sol comme parout ailleurs« (p.39).

Der Unsterbliche bittet sie, ihn nicht fortzuschicken und etwas für ihn zu tun. Er spricht sie persönlich an und gibt ihr eine Aufgabe, an der sie sich festhalten, kann, bis das Kind da ist, gesund, kräftig und lebhaft, »sain vif et vigoureux« (p.40). Es sieht ein bisschen merkwürdig aus, »il lui paraissait étrange« (p.40), was in Rhodans Augen aber alle Neugeborenen tun. Auffallend schnell schaffen die Ärzte es weg und bringen es gewickelt zurück, »tout emmailloté« (p.40). Helma Buhrlo lächelt. Dann stirbt sie. Rhodan verlässt die SOL und sieht sie wegfliegen.

Der Geschichte der Buhrlos wird in diesem Roman lediglich der weg bereitet. Wir erfahren noch nichts von der besonderen Eigenschaft dieser Menschen: mit ihrer speziellen Haut im leeren Raum unterwegs zu sein. Eine wechselvolle Geschichte wartet auf sie. Wie in diesem Roman bei der Geburt, so brauchen sie auch später die Verbindung zu Menschen mit höheren Zielen, um ihre Besonderheit glücklich leben zu können. So werden sie, die Weltraumbabys, zu Christkindern, die den Weg zur Erlösung von niederen Banden symbolisieren.

Die in diesem Roman geäußerten Wertmaßstäbe bilden das Urgestein der PERRY RHODAN-Serie: die Ideale von Toleranz, universalem Weltbürgertum und menschlichem Zusammenhalt über alle politischen Gruppierungen hinweg.

Durch die schöne neue französische Edition kann man die Geschichte noch dazu in einer aktuell erschienenen Taschenbuchausgabe mit ansprechender Aufmachung lesen. Hier der Link zur französischen Website: http://www.perry-rhodan.fr/perryrhodan/vf.php?init=306

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