Das WELTRAUMBABY – L’ENFANT STELLAIRE (PR 907) von Marianne Sydow (Teil 3) – Vaterkonflikte

Im chapitre XIII (pp. 224f – SB S.173f) kommt es zum Streitgespräch zwischen Gavro Yaal und Perry Rhodan, »le Terranien«, der die Anweisung, sich verfügbar zu halten, ignoriert und sich selbstständig gemacht hat. Ein Autoritätskonflikt. Die Gefühle und Gesten entstammen einer typischen Trennungs- und Auszugssituation. Yaal »ne quitte pas des yeux« Rhodan, er »lässt (ihn) nicht aus den Augen« und »demanda sèchement«, fragt ihn also »schroff«. Rhodan wiederum »unterdrückte die Lust«, ihn wegen seiner Unhöflichkeit anzubrüllen, »(il) réprima l’envie de rabrouer cet homme impoli«.

Le Solanien, »attendait embarrassé«, wartet also verlegen oder peinlich berührt; im Original heißt es »ratlos«. Rhodan währenddessen lässt ihn stehen, um »demonstrativ« in die Dusche zu gehen, im Französischen »lautstark« in die Dusche zu gehen: »(il) oevrit bruyamment la porte de la douche«. Das wirkt schon temperamentvoller.

Die Solaner erschrecken sich vor Rhodan, er ist ihnen unangenehm: »Ils se détournèrent, l’air gêné«, sie drehen sich verlegen um. Auch Joscan Hellmut »sursauta«, er sieht erschrocken auf, »quand le Terranien s’approcha du pupitre sur lequel il travaillait«, als Rhodan sich dem Pult nähert, an dem er arbeitet. Rhodan fragt: »Que signifie cette cachotterie?« – was bedeutet die »Geheimniskrämerei«? Umgekehrt fordert Yaal von Rhodan, ihn auf dem Laufenden zu halten, »il aimerait vous tenir au courant«.

Beeindruckt hat mich in diesem Abschnitt am meisten die Szene, in der Rhodan seine persönlichen Habseligkeiten zusammensammeln will, »il voulait ramasser ses effets personnels« und dabei feststellt, dass nach so vielen Jahren kaum was zum Mitnehmen da ist. Eindrucksvoll.

Einige Fachterminologie: Douc Langur »a un tube alvéolaire antigrav«, er hat eine Antigravwabenröhre und der Kybernetiker heißt »le cybernéticien«.

Nun (pp.246-249 bzw. SB S.175–177) folgt Rhodans Versuch, Romeo und Julia Informationen zu entlocken. Der Abschnitt legt nahe, dass Rhodan noch etwas in Petto hat, was sich später bewahrheitet. Man muss etwas tun, denn »la première étape ne se présentait sous un bon jour«, sie »stand unter einem denkbar ungünstigen Stern«. Es geht darum, »sceller l’affaire«, die Sache zu besiegeln, und »mettre des bâtons dans les roues«, also jemandem einen Strich durch die Rechnung zu machen. Die Schiffsführung heißt »l’êtat-major du vaisseau« und die Roboter Roméo et Juliette sprechen SENECAs berühmtes: »Nous le saurions«, »Das wüssten wir aber«. Trotz allem kommt Rhodan keinen Schritt weiter.

Nach den Robotern trifft Rhodan Douc Langur »dans le solarium«, in der Freizeitanlage, »où il se sensait plus en sécurité«, wo er sich »vor jedem Lauscher sicher fühlte« (pp.250f, SB 177f). Rhodan fasst seine Misserfolge zusammen: »Je me suis fait envoyé promener« und »j’ai essuyé un refus après l’autre«, was eine Bedeutung hat: »Ich habe Körbe gesammelt«.

Douc Langour erzählt Rhodan von einem Gespräch über die parapsychisch begabten Zwillinge Sternfeuer und Federspiel, die »jumeaux Emraddin«. Man bezeichnet sie und Bjo Breiskoll als »un example pertinant«, ein prägnantes Beispiel für »des mutations surprenantes et étonnentes«, also überraschende und erstaunliche Mutationen an Bord. Insofern kündigen sie das »Raumbaby« (SB S.178) an.

Im folgenden Abschnitt (pp.251–254, SB S.178f) betritt Rhodan den festlich geschmückten Saal, in dem die Solaner die Übergabe erwarten. Wieder sind viele Beschreibungen menschlicher Reaktionen der Solaner gecancelt, der Fokus liegt auf dem Chef: Rhodan. Alles in ihm sträubte sich dagegen, weiterzugehen: »tout l’empêchait de continuer«. Dieser innere Widerstand entspricht dem äußeren: Seine Begleiter, eigentlich Feinde, »ne s’écartèrent pas non plus«, weichen auch nicht aus, als »les premiers Solaniens se mirent en travers de leur chemin«, sich ihnen in den Weg stellen. Immerhin ist die Erstarrung oder Lähmung, »la torpeur«, von den Solanern gewichen.

Interessant das Aufeinanderprallen der Weltbilder: Die Solaner leben vollständig in ihrer Erwartung, dass das Schiff ihnen schon gehört und dass Rhodans Aktionen ihnen Unrecht tun, weil er seine eigenen Interessen verfolgt und die Erde repräsentiert, mit der sie sich nicht mehr identifizieren: »C’était sa recherche ! Pas la leur ! Il personnifiait tout ce qui représentait la Terre« und die Übergabe nur eine Formalie sei, »un processus juridique«. So dass die Forderung nach SENECAS Übergabe sie völlig schockiert.

Rhodans Ansprache an die Solaner stellt diese in die Rolle von Teenagern. Der deutsche Satz mit der Traumreise und dem konfliktfreien Leben, von dem sie träumen, ist gestrichen, es bleibt die Ankündigung des harten, selbstbestimmten Lebens, gleich gestellt mit allen anderen Völkern des Universums: »Vous serez contraints de combattre pour votre existence comme toutes les autres créatures intelligentes qui doivent se charger de l’existence de leur monde« – um die eigene Existenz kämpfen, die Verantwortung für die eigene Lebenswelt übernahmen; diesen Satz zum Leben außerhalb des Hotels Mama und des Schutzraums Schule müsste man einer ganzen Reihe von sich selbst eingenommener Heranwachsender ins Stammbuch schreiben. Rhodans »Je suis navré« – »Ich bin betrübt«, wurde radikal entschärft. Das Original lautet »Es tut mir nicht einmal Leid«. Hier zeigt er an entscheidender Stelle Gefühle, die er meistens verbirgt.

Es folgt der Weg aus dem Saal gegen den Widerstand zorniger Solaner (pp. 255–258; SB S.182–187). Interessant der Neologismus »Msol« für »la zone médiane«, den SOL-Mittelteil. Der Konflikt eskaliert durch Rhodans Forderung, SENECA aus dem Schiff »herauszuschneiden«, »désolidariser Sénèque du vaisseau«. Yaal schlägt ihm vor, sie einfach ziehen zu lassen, denn »vous serez débarrassé de nous«, »dann sind Sie uns los«. Rhodan wiederum wirft ihm sein sich Lossagen von der Menschheit vor: »Vous avez renié l’Humanité:« Rhodan protestiert in diesem Zusammenhang gegen die mediale Einflussnahme via passend gemachte Informationsprogramme, so die Umbenennung Terras zu »Sol-3«, was jede Identifikation unterbinde. Wieder das Medienthema. Es geht um »programmes du quotidien«, also »alltägliche Programme«, im Original »Lernstoffe« und »les matières d’enseignement«, also »Lehrstoffe«, die manipuliert werden. So zeigt der Unsterbliche auf, dass die Aufbrechenden zu Kontrolleuren werden, die, im Gegensatz zu ihm, keinen Widerspruch zulassen. Die problematische Entwicklung wird offenbar, als Atlan bei der Rückkehr vom Bereich hinter den Materiequellen das verwahrloste Schiff wiederfindet, viel später in der Parallelserie ATLAN (vgl. »Die Solaner«, ATLAN 500).

Nach so viel inneren Auseinandersetzungen kommen mit dem wilden Terph nun Action, Zorn und Waffen. »Un tir« heißt »ein Schuss« und »Feuer«, »atteindre sa cible« bedeutet, sein Ziel zu erreichen. »La prochaine rafale paralysera tout le monde« lautet auf Deutsch »die nächste Salve wird alle paralysieren«. Hier bemerkt man auch wieder die vom Deutschen zum Französischen hin verschobene Zuordnung von Persönlichem und allgemeinem Umfeld.

Eine halbe Seite Auseinandersetzung mit Terph wurde gekürzt (pp. 259f, SB S. 186f). Es bleibt genug: Terph »avait beaucoup des partisans«, Terph hatte viele Anhänger, und einem Mann wie ihm wäre es nicht in den Sinn gekommen, hinter einer solchen Drohung wie der, SENECA abliefern zu lassen, einen Bluff zu sehen: »Il ne se rendait même pas compte qu’il allait dans le sens de ses plans«. Er besitzt »une sourire moquer«, ein spöttisches Lächeln. Man setzt Rhodan vor die Tür, warnt ihn davor, »revenir en catimini«, heimlich zurückzukehren und die Space-Jet wurde ausgeschleust, »l’aviso fut ejecté«. Rhodan verzichtet für den kurzen Flug auf »le contact radio«, die Funkverbindung.

Der an Bord der BASIS folgende Wutausbruch Reginald Bulls erdet die Handlung und lässt sie ausklingen: »Ils t’ont mis la porte!«, wirft er Rhodan vor, sie haben dich hinausgeworfen. »Et tu voudrais les laisser faire?«, »Willst du dir das gefallen lassen?« Die beiden bilden einen Kontrast, mit dem der Leser sich leichter identifizieren kann als mit Rhodans abstrakter Gerechtigkeit, weil Bull sich aufregt: »Bull se contesta, Rhodan resigna« und fragt, im Deutschen »versonnen«: »Wer weiß« – »Qui sait?« Er weiß es, wie wir in Bälde erfahren werden.

Was sich unterdessen auf der SOL abspielt (pp. 260–263, SB S.187-189): Hellmut beugt sich zum Katzer, »s’était penché sur le Felide« (p.260) – die beiden waren in den vorangehenden Szenen immer Außenseiter in der bewaffneten Gruppe um Yaal.

Er fragt »avec amertume«, bitter, ob Yaal das alles organisiert habe, was dieser als »absurde« (p.260) zurückweist.

Die beiden beraten, welche Außenwirkung auf die Wynger die Geschehnisse haben können und reden über SENECA. Yaal will das Bild von Rhodans Abflug, »l’image du décollage de Rhodan«, auf allen Interkomempfängern, »sur tous les récepteurs intercom« (p.261) zeigen.

Und man sorgt sich um Helma Buhrlo: »Si elle ou l’enfant a souffert du manque d’égards du Terranien«, wenn sie oder das Kind durch die Rücksichtslosigkeit des Terraners gelitten haben, – dann ballen sich die Fäuste und alle, auch der gemäßigte Joscan Hellmut, können ein Gefühl des Unbehagens nicht unterdrücken, »ne peut pas réprimer un sentiment de malaise« (p.263).

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