Timmi ist tot

Jetzt haben wir gar kein Kaninchen mehr. Eigentlich seit einiger Zeit, doch wir Buddhisten nehmen sieben Wochen an, in denen ein Verstorbener den Weg zur Wiedergeburt als Mensch oder Tier findet, und in dieser Zeit lässt man ihn in Ruhe.

All unsere Kaninchen suchten an ihren letzten Tagen in auffälliger Weise Nähe zu Menschen, kamen ganz nah zu uns, schaute uns direkt an, und als Timmi damit anfing, schwante mir schon Übles. Allerdings war er nicht mit den anderen verwandt gewesen, er war ja eigentlich als Gesellschafter für Blacky gekommen, damals. Und abends weg gewesen war er oft genug. Die Nacht draußen macht einfach mehr Spaß.

Der Fuchs streift durch den Garten, seit das Haus steht, wenn man der Nachbarin glauben kann. Paar Tage nach Timmis Verschwinden wurde die Katze beim morgendlichen Füttern zur Kugel und fauchte: der rotfellige Mörder kam ganz gediegen auf die Terrasse und wollte zum Futternapf. Und nach dem Jagen kam er ziemlich schnell wieder. Das erweckt schon gewisse Zweifel am Umfang der Tierliebe.

Vor paar Jahren im heißesten Sommer warf ich eine Ladung Kartoffelschalen auf dem Kompost, bemerkte dann eine Bewegung und da lag er, von Schalen bedeckt, mit einem deutlichen „Oh ne, soll ich jetzt vielleicht weglaufen oder was?“ auf dem spitznasigen Gesicht. Irgendwie kam er sich mit den anderen Kaninchen aber nie in die Quere.

Vielleicht war es aber doch der Milan. Zur Zeit kreist ein riesengroßer über dem Garten. Die Schlingnatter packt kein Kaninchen. Doch neuerdings hat sich eine Marderfamilie angesiedelt. Also, die Tiere gibt es auch schon lang hier und nachts laufen die manchmal über die Straße und zicken sich an. Aber jetzt kam ein Marderbaby auf die Terrasse und suchte den Futternapf. Angeblich ganz süß und tappig und bisschen doof. Mit seiner Verwandtschaft bin ich allerdings skeptisch.

Sehr nett waren die Katzen. Timmi hatte sich nach dem Verschwinden der Meerschweinchen eng an die Miezen angeschlossen und war mit ihnen morgens durch den Garten getobt. Jetzt waren die hochgradig irritiert und suchten so richtig. Gingen ans Hasenhaus, schauten rein, maunzten. Und wenn man fragte „Wo ist Timmi?“ spitzen sie die Ohren und schauten rum. Half aber nichts. Das leere Kaninchenhaus ist zum Lager geworden.

Hasenhaus als Lager

Eine ganz andere Bedeutung bekam das Bild, das unsere Jüngste nach dem Verschwinden der Meerschweine malte, als wir noch so halb annehmen, dass die sich einfach im Gebüsch verlaufen haben und in den Garten zurückkommen:

Tinis Meerschweinbild

 

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1 Comment

  1. Traurig … aber ein sehr schönes Bild, das deine Tochter da gemalt hat. Ich weiß von meiner Nichte und meinem Neffen, dass da viele Tränen geflossen sind, als die Meerschweinchen starben. Ich kann’s sehr gut nachvollziehen.

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