Über Arndt Ellmer – (Teil 6) Die Zusammenfassung der Ergebnisse

Alles in allem vier Jahre nach Beginn dieser Arbeit komme ich zur Auswertung der Einzeluntersuchungen, zum Zusammentragen der Ergebnisse, die alle bis zu einem bestimmt Punkt führten und dann abbrachen. Woran ich damals hängenblieb, habe ich rausgekippt: der Versuch, einen Viererblock von drei verschiedenen Autoren vergleichend darzustellen. Gekippt habe ich ebenfalls, was nicht zur Analyse von Sprache und Aufbau gehört, weil hierzu viel zu viel Material zu sichten wäre. Der Text bleibt also eine formal und aufs Technische hin ausgerichtete Untersuchung ohne Interpretation. Ich möchte meine Beobachtungen hier im Überblick zusammenfassen.

Zur Wortschatzauswahl: Alliterationen von enormer Dichte bestimmen das Bild, dazu Assonanzen sowie der lautmalerische Einsatz von Liquiden und Frikativen. Sehr viele Personifikationen bis hin zu personifizierten Verben sorgen für eine durchgängig belebte Umgebung – ihre Verknüpfungen mit Bildern aus dem Genre Horror und der magischen Zahl drei lassen diese belebte Umgebung märchenhaft und unwirklich werden. Vergleiche sind grundsätzlich dem Alltagsleben entnommen. Metaphern fand ich keine. Einige wenige Neologismen gibt es. Wesentlich öfter erklärt AE die wenigen verwendeten Fremdwörter ausgiebig und schiebt dabei dem existierenden Begriff neue Bedeutungen unter, die der Kontitution einer Science-Fiction-Welt dienen.

Zu Funktionswörtern und Grammmatik: Possessivpronomina dienen AE zum Aufbau von Paarsituationen. Auch gegensatzbildende Pronomina können ein dichtes Netz ergeben. Ein weiteres Mittel der Textbindung sind die Wiederholung und Variation von Wortbestandteilung wie von grammatischen Strukturen: Zeiten, Ellipsen usw. Außerdem fällt ein intensiver Einsatz von Zahlenreihen auf, innerhalb derer üblicherweise Rechenvorgänge mit harmonischem Ergebnis funktionieren. Es gibt kaum finale Nebensätze mit „dass“ und Fragepronomen funktionieren nie als Relativpronomen, sondern dienen grundsätzlich dazu, echte Fragen aufzuwerfen.

Zur Erzählsituation und ihren Konsequenzen: Viel Raum erhalten Sprechweisen, Bewegungen, Wahrnehmungen und Gefühle allein durch die extrem personale Erzählsituation bis hin zur erlebten Rede. Die ständige sinnliche Wahrnehmbarkeit entsteht, indem Sinneseindrücke über sämtliche Kanäle einbezogen werden. Was im untersuchten Material dann aber wenig auftaucht, ist die perspektivische Brechung zugunsten kritischer Ironie. Keine Ironie, kein Hinterfragen.

Zum Verhältnis von Erzählzeit und erzählter Zeit: Der extensive Umgang mit Raffung geht auf die Handhabung der Erzählzeit und auf die Informationsvergabe. Hierduch kann AE viele Vorgänge auf engstem Raum zusammenstellen. In die Lücken, die durch Raffung entstehen, passen Zeitspannen, Gefühle und kausale Abfolgen – keine perspektivische Brechung, die bringt er nur innerhalb geschehender Situationen ein. Durch den Mangel an divergierenden personalen Sichtweisen tritt die implizite Charakterisierung zurück. Dehnung führt AE aus durch ausgiebig geschilderte Innenwelten oder Dialoge. Letztere können jedoch auch sehr viel an Informationsvergabe in die Handlung ziehen.

Zur Informationsvergabe in der Schilderung von Gefühlen, Gedanken, Konflikten: es wird eher noch mal paraphrasiert als irgendwas unerklärt gelassen. Deshalb gibt es ausgiebige und explizite Informationsvergabe, kaum implizite, in der der Leser über die Teilnahme an der Handlung zu Beurteilungen kommt. Eine kritische Eigenaktivität des Leserns findet hingegen kaum einen Ansatzpunkt.

Zum Aufbau der Szenen im Romanzusammenhang lässt sich sagen, dass AE ganz viele Rundblicke und Rückblicke verwendet und dass er kleinere, intensiv durchgearbeitete Abschnitte aneinander reiht. Die Hypothese, dass dies auf Kosten des Gesamtzusammenhangs geht, hat sich beim Herausarbeiten der Aufbauprinzipien nicht bewahrheitet. Alles ist paar- und kreisförmig aufeinander ausgerichtet, wobei die Bindung manchmal eher in der Struktur liegt als in der eigentlichen Handlung. Vielleicht ist sie deshalb auch nicht so wahrnehmbar. Unterschwellig eingearbeitete Nebenmotive diesen ebenfalls der Textbindung über den gesamten Roman hinweg.

Jeder der untersuchten Romane hat im Rahmen dieser Befunde einen anderen Schwerpunkt. Der „Herrscher von Sonnenland“ enthält äußerstes Unbehagen angesichts einer zerfallenden Wirklichkeit. Die wiederhergestellte Gemeinsamkeit überdeckt die existenzielle Unsicherheit. In „Countdown für Sol“ (2616) finden wir neben einem Schwelgen in erlebter Rede bei Shandas Ausflug zu den Sonnenhäuslern Bully als selbstständige und kompetente Persönlichkeit. „Todesfalls Sektor Null“ (PR 2624) enthält eine komplexe Konstruktion aus unheimlich vielen Protagonisten, Schauplätzen und Datenmaterial, dazu ein blutiges Untergangsszenario, die durch den Bezug auf zwei Hauptschauplätze aufeinander ausgerichtet werden. In der Gucky-Geschichte „Die Informationsjäger“ (PR 2637) finden wir das Thema vom Wirklichkeitszerfall wieder, das erneut harmonisch endet, zusammenlaufende Rahmen- und Binnenhandlung, viele Begegnungen in einer räumlich differenziert gestalteten Werft und einen Gucky, der dem Bully aus 2616 an Kompetenz und Reife in nichts nachsteht.

Hiermit möchte ich diese Strukturuntersuchung beschließen, ohne mit anderen Autoren zu vergleichen, ohne auf die LKS-Tätigkeit oder thematische Schwerpunkte wie AEs Vorliebe für das Fernraumschiff BASIS weiter einzugehen. Acht Perry-Rhodan-Romane später zog der Autor sich ein Stück weit aus der Serie zurück, nachdem es ihm diesmal gelungen war, die Leserkontaktseite abzugeben. Inzwischen war wohl was mit Hexen in Hamburg und es erschien die „Klabauterkatze“. Die menschliche Entwicklung läuft in Phasen ab. Wir werden sehen, was bei ihm der nächste Abschnitt bringt.

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