Über Arndt Ellmer – (Teil 5/1) „Herrscher von Sonnenland“ (TB 401)

Das 1996 erschienene Taschenbuch „Herrscher von Sonnenland“ weist keinerlei explizite Verbindung zum Perryversum auf, aber das Perryversum ist groß, und deshalb passt diese Geschichte auch hinein. Die Solaris-Anspielungen kommen nicht von ungefähr: der Roman hat eine unübliche Machart, nämlich die Geschichte eines Wirklichkeitszerfalls und er ist ein ungeliebtes Kind: sein Autor bezeichnete es mir gegenüber in einer Mail als „zum Abgewöhnen“. Die Auswahl beruhte auf reinem Zufall: einem Griff in die Kiste des Antiquars. So wollte ich jede Vorauswahl meinerseits unterlaufen. Und es ist interessant, einen Roman zu analysieren, den sein Autor ablehnt. Ich finde ihn trotz der schwachen Verarbeitung gar nicht so schlecht, weil der Wirklichkeitszerfall eins meiner Lieblingsthemen ist. Und was Reptilien angeht, ist diese Umsetzung mir lieber als allzu vermenschlichte reptiloide „Fremd-“Völker in der Hauptserie.

Wobei die Ausarbeitung mehr Lücken lässt als es dem Thema entspricht. Ich hatte den Eindruck, der Autor habe auf halbem Weg gemerkt, dass ihn die Sache nicht interessiert und die Fäden dann notdürftig zu einem Ende geführt, um das Ding verkaufen zu können. Wobei Wirklichkeitszerfall, parallele Wirklichkeiten, Realitätsebenen, Paralleluniversen, virtuelle Intelligenz in der Interaktion mit organisch gebundener Intelligenz und die Folgeproblematik der Interaktion bzw. Interdependenz von Intelligenz, Bewusstsein und Körper sich als dicker roter Faden durch die Serie zieht, bis hin zur im Neuroversumzyklus aktuellen Superintelligenzenproblematik: eigener Tod oder Aufgehen in einem Bewusstseinspool, Individualität, stärker oder moralisch wertvoller in all seinen vielfältigen Facetten. Mit aller gebotenen Zurückhaltung möchte ich als Hypothese äußern, dass andere Autoren diesen Aspekt ausbauen, während Ellmer ihn nur zu Beginn oder am Schluss seiner Romane einbaut, als Überleitung. Sein Thema ist er nicht, er bindet eher das Zersplitterte zusammen und gleicht die Gegensätze aus. Da HvS als Geschichte nirgendwo in die Serie eingebunden ist, werden wir es voranstellen.

An schwächeren Romanen scheinen die Fäden der Erzählweise durch oder hängen heraus. HvS wirkt nicht voll durchgearbeitet und emotional fehlt die Identifikationsfläche, aber der Ansatz ist ergiebig. Die Auseinandersetzung mit virtueller Realität, die durch Programmfehler immer größere Risse bekommt, und dann die undurchsichtige Vernetzung mit eine „wirklichen“ Wirklichkeit, die ja auch total verlogen, brüchig, also unwirklich, ist, und wie sich das ineinander spiegelt entspringt wohl der Computerfaszination der 90er Jahre. Aber das Thema ist brisant geblieben, allerdings unter anderen Vorzeichen, denn heutzutage müssen wir uns mit Horden von Teenagern auseinandersetzen, die Online-Image und „echte“ Wirklichkeit nicht unterscheiden können, wodurch sich erhebliche Diskrepanzen im echten Leben auftun.

Der Titel des Romans ist grob abgekupfert vom berühmten „Solaris“, und auch das Thema irrealer Wirklichkeiten findet sich ein. Die Protagonisten sind aber keine Menschen, sondern entstammen einem Volk von Kaltblütern namens Shrekada. Sie haben Krallen, rauen Schuppen, scharfen Reißzähnen, nicht näher definierter „Schale“ (S.153) und lang gezogenem Reptilienkopf, laufen zwei Beinen, bewegen sich aber gerne auch mal auf allen Vieren fort, leben in gepolsterten Zimmern und gerne in Gemeinschaft. Man erfährt das nicht so genau. Denn die Shrekada werden nicht von außen beschrieben, sondern nur in der Innensicht der Reflektoriguren, also einerseits durch ihre Körperwahrnehmung und andererseits durch die Beobachtung von Artgenossen, witzig gemacht bei verfremdeten Redewendungen wie „Es war zum Schuppenausreißen“ (S.53) oder „.schon beim Gedanken an den Jobba bekam sie eine feuchte Nase“ (S.34). Eine übersichtliche, geordnete Beschreibung eines informierten auktorialen Erzählers, so in Richtung „wie eine terranische Schildkröte, die aber bei Appetit eine feuchte Nase bekommt, was uns an muntere terranische Haustiere denken lässt“ bleibt außen vor. Das ist konsequenter, aber leider bleibt dabei die Sympathielenkung auf der Strecke, weil die Handlung gleich mit Tempo losgeht, wir aber das Aussehen der Protagonisten erst nach und nach erschließen und sie auch wenig bei persönlichen, alltäglichen Verrichtungen, sondern bei der Arbeit kennen lernen, während ihre Wirklichkeit ja unmittelbar beim Zerfallen dargestellt wird.

Von ihrem ursprünglichen Volk, aggressiv bis zur Selbstvernichtung, abgespalten, leben sie in einer Welt, deren zwei Existenzebenen – Stützpunkt und Wüste – einander ebenso ausschließen wie bedingen. Denn die Bevölkerung hat sich zu stark vermehrt, so dass immer die Hälfte der Bewohner schlafen muss und in dieser Zeit träumt, in einer computergenerierten Wüste als Nomaden zu leben.

Das Leben in der Wüste ist hart. Das Leben der Nichtschläfer spielt sich in einem geschützten Stützpunkt ab – zahlenmäßig streng begrenzt, weil es die einzige Lebensmöglichkeit auf einem Planeten darstellt, der absichtlich radioaktiv verseucht wurde, um einen Rückfall in die Aggressivität zu verhindern. Dieser Stützpunkt ist voll veralteter Technik und ebenfalls durch und durch von Computerprogrammen geregelt. Die Bevölkerung der Station muss sich jedes Mal freiwillig in die Schlaftanks begeben und sich voll und ganz dem Willen des unergründlichen Solarisso unterwerfen, um unter so harten Bedingungen zu überleben. Jedenfalls legitimiert Solarisso, der sich als alles manipulierender Roboter entpuppt, der männlichen Hauptfigur Ianno Iannod gegenüber mit dieser Begründung seine absolute Herrschaft. Nicht nur dieser Name scheint allzu offensichtlich von Lem’s „Solaris“ abgeleitet, so wie Ellmers Namen überhaupt sehr oft durch einfache Buchstabenspiele gebildet wurden.

Das Leben in der Wüste wird durch diverse, auch von den Figuren wahrgenommene und thematisierte Realitätsbrüche schnell als die Simulation entlarvt, denn sie beginnt unmittelbar nach Handlungsbeginn auseinanderzubrechen. Schon die Namen wirken unecht. Die Jägerinnen Rianna, Likwide, Termini, Firbo decken mit ihrer Beute Kalbrus zusammen in ihren Endsilben alle Vokale ab. Aber, wie gesagt, diese Art Verdrehungen kommen bei Ellmer oft vor, sie sind gründsätzlich witzig oder lustig, fallen den meisten Lesern nicht auf, transportieren manchmal auch Insiderwitze und sind wahrscheinlich gar nicht als Signal für Irrealität gedacht.

Der Wirklichkeitszerfall in dieser explizit irrealen, weil virtuellen Existenzebene beginnt mit der Auflösung spatialer Regelmäßigkeit, die Spuren des dramatischen Kampfes sind übergangslos verschwunden und die getöteten Jagdgefährtinnen leben wieder, quasi versetzt: „Termini kam auf sie zu […] als schwebe sie eine Handbreit über dem Boden. Aber es konnte nicht sein. Ihre Schuhe hinterließen deutliche Abdrücke im Sand“ (S.51). Ebenso zerfällt die temporale und kausale Komponente der Realität, als Nahrung, die eben noch gut war, plötzlich voll Würmer und Maden (vgl. S.16) steckt und als in Riannas „Erinnerung fast ein halbes Jahr“ (S.24) fehlt und ein Markt da ist, der später ebenso unvermittelt wieder verschwindet, ebenso wie auch das Lager zerfällt (vgl. S.52f). Ihre Freundinnen streiten dies zunächst ab, um ihr unvermittelt zu raten: „Achte nicht auf das, was um dich herum vorgeht. […] Es ist nicht wirklich“ (S.52). Rianna erlebt extreme Verwirrung: „Der Verstand spiegelte ihr Dinge vor, die nicht existierten. Sie erlebte Vorgänge, die ihrer Phantasie entsprangen […] Rianna verstand überhaupt nichts mehr. Tief im Inneren ihres Bewusstseins ahnte sie, dass sich Dinge abspielten, die ihren Verstand überforderten.“ (S.53). Wie Nomadenführer Chierro, der das gar nicht wissen dürfte, es ausdrückt: „Die Wirklichkeit zerfällt in unzählige Möglichkeiten“ (S.56).Das sprechende Tier, das es nicht geben kann, klärt sie auf: „Es gibt gar keine Herde. Sie ist Einbildung, Halluzination. […] Du kannst Fiktion und Wirklichkeit nicht mehr auseinander halten“ (HvS, S.63).

Als Rihanna die Situation zu meistern beginnt, hat sie die unkausalen Abläufe akzeptiert und kann sie sich von einem gefährlichen Ort einfach wegdenken: „Die Logik des Gedankens stellte in dieser Welt der Irrealität einen ziemlichen Anachronismus dar. […] Wenn ihre Verfolger sie aufspürten, dann brauchte sie sich nur an einen anderen Ort zu denken.“ (HvS, S.127) Die Zeit läuft rückwärts, als die Pflanzen, die sie essen will, kleiner werden und sich in die Erde zurückziehen: „Die Naturgesetze und deren Abläufe stimmen nicht mehr. Die Zeit! Natürlich. So musste es sein (HvS, S.114). Die „Hilflosigkeit des Nichtwissens jagte Rianna zurück hinter ihren Wall“ (HvS, S.116), als die Kleidung der Gärtner eine andere Farbe annimmt, sie plötzlich Waffen haben und sie entsetzt zusehen muss, wie ihre Freundin tödlich verletzt wird – um dann, als sie sich zur Sterbenden traut, ihren Namen vergessen zu haben:

Als roter Faden zwischen den zerfallenden Handlungsfragmenten dient der Schwaf, ein zum Aufspüren von Beute verwendetes Tier, das zuerst unerwartet lacht (vgl.16), dann zu sprechen beginnt und schließlich zum Ratgeber und Wegweiser durch eine immer unkausaler werdende Wirklichkeit wird. Mit dem nur durch den Klang motivierten Wortspiel „Du hast das Stöckchen berührt, Hexe“ (HvS, S.112) löst sich das Tier spurlos auf, um im Schlusssatz des Romans über seinen Namen „Prürou“ als Computerprogramm entlarvt zu werden, das Ianno in der Stationswirklichkeit selbst geschrieben hat: „Prürou bedeutet ganz einfach Prüfroutine“ (S.158). Dies erklärt Ianno Rianna persönlich, als er sie ohne Schwaf in der virtuellen Wüste trifft, die er angeblich vorher stabilisiert und laut Solarisso sein Volk dadurch gerettet hat – nachdem Solarisso ihn persönlich für seine Fähigkeiten gelobt, ihm eine tragende Rolle in der Station versprochen und ihn ob seiner Erschöpfung schlafen geschickt hat – in seine Wohnung. Wo er anscheinend nicht mehr ist, denn „die Schläfer“ in den Tanks sind die, deren Bewusstseine die Computersimulation erleben. So ist Solarissos Versprechen ebenso madig wir die unmotivierten wurmzerfressenen Nüsse in den Nomadenvorräten (HvS, S.17)

Jedoch wirken beide Existenzebenen fragwürdig. So gibt es auch in der Station ausschließlich Wortspielnamen wie Gwynn Egwynn, Nemlo Nemlogg und Geffra Geffrach. Tess Tessmer ist verdammt nah am Autorennamen. Solarisso heißen Herrscher, Stadt und Umland, und es gibt keine bewohnbare Welt außerhalb (vgl. S.6), woran wir schon merken, dass auch die Bewohner der Station in einer stark gefärbten Wirklichkeit leben.

Die Arbeitsstelle, von der aus alle Programme und Vorgänge gelenkt werden, heißt SET, wie beim Film. Die Einrichtung ist total veraltet und fällt fast auseinander, wobei unklar bleibt, ob die Schläfer wegen der „langen Zeit im Schlaftank“ (S.108) oder aus diesem Grund abgestumpft und gewalttätig erwachen. Ihr prekärer und gewalttätiger Geisteszustand -„Jede Empfindung eines Intelligenzwesens ist ihnen abhanden gekommen“ (S.43) – wird nicht wirklich erklärt. Er passt nur teilweise zur Verwirrung der Nomaden durch ihre wirren virtuellen Erlebnisse.

Wir lernen Inno kennen, als er gerade zu seinem sterbenden Vater geholt wird. Das ist eine ganz seltsame Situation: Der Bote steht ohne Erklärung in der verschlossenen Wohnung (vgl. S.25), die Fahrt mit der Gondel ist halsbrecherisch, er wird allein weiter in den Stollen geschickt, in dem sein Vater den Unfall hatte, und trotz Lebensgefahr hält ihn keiner zurück (vgl. S.28). Der Vater sagt, Solarisso habe ihn beseitigt, weil er zu viel wisse, und Inno sollte ihm aus dem weg gehen. Dann stirbt er. Seine Kollegen bieten Inno in Solarissos Namen die Position des Vaters an (vgl. S.30f).

Inno entpuppt sich dann auch als äußerst fähiger Techniker und bekommt Kontakt zu einer Widerstandsgruppe, für die er die Computerprogramme Solarissos von einem geheimen zweiten Terminal aus überprüft. Er arbeitet mit Feuereifer, hat plötzlich Rihannas Welt auf dem Bildschirm und schlussfolgert, dass Solarisso Träume und Alpträume in die Schlaftanks einspeist, die wahrscheinlich dazu dienen, die Schläfer zu treuen Untertanen zu machen durch „eine Art geistige Konditionierung, deren Sinn Ianno noch nicht erkennen konnte.“ (HvS, S.103). Als Solarisso ihm jedoch seine Wahrheit erklärt, dienen die Träume der Vorbereitung der Schläfer auf die Herausforderungen der Außenwelt, da die Radioaktivität fast weg sei und sie an ein Leben außerhalb der Station denken müssten (vgl. S.55). Was mich an den Liedermacher Konstantin Wecker denken lässt: „Ihr wollt alle nur unser Bestes. Doch ihr bekommt es nicht“.

Nachdem Inno die Computerprogramme bearbeitet hat, sagt ihm Solarisso, dass er alles in Ordnung gebracht hat. Dass er sich in der nächsten Szene bei den Nomaden befindet, die sich in ihrer Welt wieder auskennen, könnte darauf hindeuten, dass die Schlaftanks wirklich wegen der Fehlfunktionen der Programme nicht funktionieren, aber andererseits könnte Innos sterbender Vater Recht haben, der ihn warnt, dass Solarisso Mitwisser beseitigt. Denn schon vorher wurde er gleich nach den Erkenntnissen über die eingespeisten Bilder von den scheinbaren Verbündeten niedergestochen (vgl. S.105) und wacht nach einem angeblichen Unfall mit Eisenbändern gefesselt und ohne Erinnerung auf. Stattdessen versuchen die Roboter dort, ihm falsche Erinnerungen unterzuschieben (vgl. 131f). Das weist ganz klar darauf hin, dass seine Wirklichkeit grundlegend manipuliert wird.

Die Protagonisten erleben den Zerfall ihrer Wirklichkeit, kausal wie temporal, in virtueller Simulation wie in Wirklichkeit. Eine literarische Anspielung finden wir mit der leicht veränderten Zeile aus Hamlets „to be or not to be“- Monolog:„Sein letzter Gedanke galt dem Tod seines Vaters, dann löschte der Schlag sein Bewusstsein endgültig aus und schickte ihn in ein Reich, aus dem die wenigsten jemals wiederkehrten“ (HvS, S.105). Hamlet trifft ja den Geist seines verstorbenen Vaters, der ihn beauftragt, seinen verhassten Onkel zu töten, da er, der ohne Gebet und Reue gestorben war, sonst im Fegefeuer bleiben müsse. Hamlet ist sich nicht sicher, denn der Geist könnte auch aus der Hölle stammen und ihn zu einer Todsünde verleiten wollen. In diesem Monolog will er sich durch Selbstmord befreien, schreckt aber davor zurück, da noch keiner aus dem Tod zurückkam, der Tod dem Schlaf gleicht und die Träume des ´Todes noch schlimmer sein könnten als alles Schlechte, was er kennt. Diese Unsicherheit im Erkennen der Wirklichkeit und das Traummotiv gehen sinnvoll mit der Handlung zusammen, es bleibt aber beim beiläufigen Antippen, statt den Sinngehalt der Vorlage weiter einzubinden.

Leute, die einfach so in der Wohnung auftauchen, einen dann niederstechen und in Wirklichkeit der übermächtigen Vaterfigur dienen, kennen wir von Kafka. Auch hier sind die Anklänge aber nicht weiter ausgearbeitet. Wobei ich die freiere Art der Problemdiskussion an guter Unterhaltungsliteratur zu schätzen weiß, da ein geistig regsamer Leser aus solchen Stubsern mindestens so viel Nutzen ziehen kann wie ein stolzer Leser guter Literatur, dessen Denkvorgänge bei „Ich, ich lese Kafka“ aufhören. Zwei starke literarische Vorlagen also und Motive, die zum Teil auch im aktuellen Zyklus Leitmotive bilden, und die in der zerfahrenen Realität des 20.Jahrhunderts und bis heute eine Rolle spielen – die durchlässig werdende Wirklichkeit, das heißt, wie gesagt, Einsteins Relativitätstheorie von 1904, Freuds Psychoanalyse, Industrialisierung, Gleichstellung der Frau, Anerkennung des Kindes, Multikulturalismus, Landflucht und Massengesellschaft, dann manipulierende Ideologen, emanzipierendes wie manipulierendes Internet – das hat das ganze Jahrhundert aufgemischt. Heutzutage haben wir mit unserer halbvirtuellen Lebensweise weitere Probleme, die wir großteils noch gar nicht bemerken, ist alles so cool und schnell und bunt. Private Paralleluniversen zur subjektiven Bewältigung der Lebenswelt?

Im Gegensatz zu Vandemaan, der in dergleichen schwelgt, im „Roten Imperium“ den Wirklichkeitszerfall auf die Spitze treibt und ein recht beklemmendes Gefühl hinterlassen kann, polstert Ellmer seinen Leser ab, durch die bereits besprochenen harmonisierenden sprachlichen Mittel, die Personifikation, das Happy End. Denn die Personenkonfiguration ist als Paarsituation konstruiert, wie wir sie in den untersuchten Romanen mehrfach unter den von Anfang bis Ende durchgezogenen Elementen finden: eine männliche und eine weibliche Hauptperson, die sich zum Schluss treffen und augenscheinlich sofort gut verstehen, obwohl die Wirklichkeit unter ihnen wegbröckelt. Aber ihre Gespräche legen nahe, dass sie einen neuerlichen, weitergehenden Zerfall nicht bemerken werden, ebenso wie Ianno gar nicht zu hinterfragen beginnt, warum er jetzt auch in der Illusion herumläuft, statt sich für die von Solarisso versprochene Vertrauensposition auszuschlafen.

So bleibt der Schluss offen: Entweder sind die Aussagen der Roboters wahr und Ianno hat, vielleicht in einigen nicht erzählten Monaten, die Ebenen richtig verknüpft und alles ist gut, oder er wurde ausgelinkt, und dann stimmt auch alles andere nicht. Gar nichts stimmt dann mehr, aber da es keinen Kontrast zur Auflösung gibt, fällt es keinem auf. Und obwohl die Wirklichkeit unter ihnen wegzubröckeln droht, scheinen die Protagonisten am Beginn einer wunderbaren Freundschaft zu stehen.

https://blaetterfluggedankenschnuppendotcom.wordpress.com/2016/05/15/ueber-arndt-ellmer-teil-52-countdown-fuer-sol/

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