Die Kaiserslauterer Marienkirche – Impressionen rund ums Speyerer Orgelprogramm

Rein aus Jux und Tollerei gingen wir in die St.Sebastianskirche in Rockenhausen. Am Portal hing ein Poster mit Informationen über die Orgelprogramme für Jugendliche, die das Bistum Speyer anbietet. Die wichtigsten Entscheidungen fallen in Sekundenbruchteilen: Mir war klar, dass dieses Programm etwas mit uns zu tun hatte.

„Das Kind“ war zu klein – für die großen Pedale, denn eine Orgel wird mit Händen und Füßen gespielt, und an Jahren. Erkundigungen verwirrten – die kleine Yamaha sei geeignet zur Vorbereitung, sei nicht geeignet zur Vorbereitung, man müsse erst paar Jahre Klavier lernen, man müsse im Vorfeld mit einem mechanischen Instrument Erfahrungen sammeln, man müsse bestimmte Stücke spielen können … ein Schilderwald war nichts dagegen. Weiterüben, Lehrerwechsel, weiterüben.

Als „das Kind“ alt genug war und bei den bisherigen Lehrern auf der Stelle trat, schlug das zweite Problem zu:  Kind und Familie sind nicht katholisch. Ein langes Telefonat mit dem Dekanatskantor half: er klärte uns darüber auf, dass Katholiken lediglich vorgezogen werden. Sind Plätze übrig, kommen die übrigen Bewerber dran und wir sollten die Bewerbungsunterlagen anfordern, ausfüllen und einschicken. Und wenn das nicht klappt, würde er sich persönlich drum kümmern. Solchermaßen ermutigt umschifften wir das Hindernis, das pfarramtliche Gutachen ersetzten wir durch eine Stellungnahme zur Wichtigkeit religiöser Interessen an sich, und der Unterricht in der Marienkirche begann.

Die erste Unterrichtsstunde im Herbst 2015 war eindrucksvoll: der Eintritt in eine andere Welt. Durch ein doppelt mannshohes Portal hindurch in den kühlen Vorraum, dann in das Mittelschiff, dann seitwärts eine steinerne Wendeltreppe hoch und höher. Oben war alles verhüllt, man baute, nur ein Teil der Orgelpfeifen schaute aus der Abdeckung, und überall waren Gerüste. Der Organist erklärte erst die Orgel, die 1905 eingebaut wurde, dann öffnete er eine Staubschutzjalousie – und wir sahen das gesamte Mittelschiff unter uns. Wir waren auf Höhe der Glasfenster.

Marienkirche von oben ins Hauptschiff Februar 2016
Dann zeigte er den Raum hinter der ersten Pfeifenreihe, größer als mancher Flur und voll von Pfeifenfüßen und Kabeln. Die Orgel ist pneumatisch und hat 56 Register, also insgesamt irgendwo zwischen 3000 und 4000 Orgelpfeifen, die längsten sind acht Fuß lang, die kleinsten paar Millimeter, wobei man, so weit ich das jetzt verstanden habe, die Länge oberhalb des Aufschnitts, also der Öffnung, zählt. Wie lang es untendrunter weitergeht, die eindrucksvolle Länge der Orgelpfeifen, dient dem Verankern.

Der Klang der Orgel ist wunderbar und das Warten im leeren Kirchenschiff auch. Manchmal warf ich Geld ein und entzündete eine Kerze. Als ich mal eine mehr anzünden wollte, als ich bezahlt hatte, fing der Docht kein Feuer und ich war schwer beeindruckt.

In letzter Zeit kann ich erst zum Abholen kommen, dann ist das Portal versperrt – man lässt die Kirche nicht mehr unbewacht offen und vom Orgelplatz aus sieht man nicht, was unten passiert – und eine Runde Außenansicht angesagt. Die Gerüste sind weitgehend fort und das Licht hell genug für Fotos. Leider nur Handyqualität.

Das Portal mir ein paar der interessanten Gargoyles, die auf allen Vorsprüngen sitzen:

Marienkirche KL April 2016 (8)

Die Zeder davor:

Marienkirche KL April 2016 (5)

Noch mal Zeder und Turm von unten gesehen:

Marienkirche KL April 2016

Und eins der erneuerten Dächer. Erst auf dem Smartphone sah ich, dass das Dach eine Mütze ist und der Turm Augen hat:

Marienkirche KL April 2016 (2)

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