Tibeter als Opfer nepalesischer Asylpolitik Teil 2

Tibetishe Flüchtlinge in Nepal besitzen auch nach einem halben Jahrhundert Aufenthalt keine Staatsbürgerschaft. Nur ein Viertel von ihnen verfügt über eine Refugee Identity Card, die ihren Flüchtlingsstatus bestätigt. Mit der RC kann man eine Anstellung suchen, Abschlüsse machen, überwiesenes Geld abholen oder ins Ausland reisen. In Nepal geborene tibetische Kinder haben kein Recht auf eine Geburtsurkunde.

Hier nun Unheard Voices of Tibetans in Nepal – part 3:

https://www.youtube.com/watch?v=Vzl6klMD2bs beginnt mit Gyurme Dorjee, dem jungen Arzt, mit dessen Problemen bei der Zulassung Teil zwei endete. Als er das MBBS ablegte, wurde er vom Nepal Medical Council der gefälschten Identität beschuldigt, weil er kein nepalesischer Staatsbürger ist, also kein Recht hat, den Test abzulegen. Unter Heranziehen der Ausländerquote wurde sein Fall separat behandelt und er wartete lange auf seine Zulassung. Jetzt hat er eine, die er aber jährlich erneuern lassen muss, während bei seinen nepalesischen Freunden die einmalige Zulassung reicht. Deswegen ist er in seiner Erwerbstätigkeit eingeschränkt.

Immer wieder kommt in der nepalesischen Gesellschaft die Frage auf, ob die Tibeter auf Dauer im Land bleiben oder nach Tibet zurückgehen wollen. Die Dokumentation zeigt beide Seiten: ältere Tibeter, die von Tibet träumen, weil es ihre Heimat ist und dort ihre Verwandten wohnen, und jüngere, die Nepal als ihre Heimat empfinden, Papiere hin oder her. Man sieht Kinder, die lachend erzählen, dass sie Nepal viel lieber mögen, und eine Tibeterin, die auf die häufig gestellte Frage „Schwester, woher kommst du?“ stets zur Antwort gibt: „Meine Eltern und ich sind aus Nepal.“. Eine Souvenirverkäuferin erzählt, dass sie ihren Stand am Ufer des Phewal Lake seit 20 Jahren hat und diesen Ort liebt.

Es geht weiter mit der Verwaltung der Flüchtlingslagers: Der zuständige Beamte empfiehlt den Tibetern, nicht nachzulassen in ihrem Streben nach Rückkehr. Nun tritt der nepalesische Intellektuelle Bishwar Sigdel auf. Er betont das gute Verhältnis zu China und dass man nicht tolerieren kann, wenn die Aktivitäten der tibetischen Flüchtlinge die wunderbaren Beziehungen zwischen Nepal und Tibet stören. Allerdings fügt er hinzu, dass es eine Illusion sein muss, wenn man denkt, China könne daran Anstoß nehmen kann, wenn Nepal sich um die paar Tausend Flüchtlinge kümmert und ihnen humanitäre Hilfe angedeihen lässt. Man müsse China davon überzeugen. Nepal solle klar signalisieren, dass China nicht eifersüchtig sein solle, wenn man den Tibetern in Nepal respektable Lebensbedingungen gibt. Er weist darauf hin, dass es einen Fehler in der nepalischen Außenpolitik aufzeigt, wenn man dieses Anliegen nicht vermitteln kann.

Nun geht es um den Friedens- und Freundschaftsvertrag zwischen China und Nepal. Unterm Strich bedeutet er, dass die Tibeter in Nepal unterdrückt werden sollen. Im Lauf der Zeit haben diese sich an die problematische Situation angepasst. Junge Leute wollen erst heiraten, wenn sie ein festes Einkommen haben, und selbst dann möchte keiner mehrere Kinder. Denn wegen der fehlenden Berufschancen ist die Zukunft zu ungewiss.

Ein weiteres Problem bringt der Eintrag „Flüchtling“ im Führerschein mit sich. Der Beamte Kumar Dahal, der Führerscheine ausstellt, hält es für ein Unding, dass Tibeter wegen dieses Eintrags benachteiligt werden. Sie sollen auf der Behörde vorstelllig werden und sich beschweren, wenn der Eintrag „Flüchtling“ die Rechte des Einzelnen beeinträchtige, da ein Führerschein lediglich die Fähigkeit bescheinige, ein Auto zu fahren.

Darüber hinaus beklagen viele Tibeter, dass sie daran gehindert werden, religiöse Zeremonien durchzuführen. Ein älterer Mann berichtet, wie bei einer Zeremonie in Kathmandu die Polizei alle Fotos des Dalai Lama herunterriss und zertrampelte.

Die Tibeter wünschen sich, nach all der langen Zeit in Nepal Teil der nepalesischen Gesellschaft zu werden. Doch die Regierung und die Organisationen nehmen das Problem nicht wirklich ernst. Der Sprecher fasst die Probleme noch einmal zusammen: Probleme bei der Beschulung und bei Abschlüssen, fehlende Möglichkeiten in der Berufswahl und für akademische Titel. Ohne RC ist unheimlich Vieles ein Problem. Auch gut ausgebildete Tibeter sind arbeitslos. Und dabei behalten die Tibeter ihr Hauptproblem noch für sich, weil sie stets versuchen, Probleme aus eigener Kraft und mit den eigenen Fähigkeiten zu lösen.

Dieses Problem ist, dass es der von den Tibetern in Nepal eingeführten Teppichindustrie schlecht geht. Man sieht die typischen schmucklosen Fertigungshallen und die plastisch zugeschnittenen Teppiche. Dazu Momos, die gefüllten Teigtaschen, deren Verkauf eine zweite Hauptverdienstquelle darstellt. Diese Teppichindustrie, die von den Tibetern aufgebaut wurde, ist heute am Ende: Es gibt nichts, was man den Kindern weitergeben kann. Noch dazu fehlt diesen nach wie vor die Staatsbürgerschaft beziehungsweise die Anerkennung des Flüchtlingsstatus. Denn Nepal gehört zu den Ländern, die die Flüchtlingskonvention nie unterschrieben haben.

Ein Student beschreibt, wie er in der Pokharas öffentlicher Bibliothek Nelson Mandelas „A long Walk to Freedom“ ausleihen wollte. Er konnte nicht, weil er tibetischer Flüchtling ohne Staatsbürgerschaft ist. Der dritte Teil endet mit einem Appell an die Regierung, nachzubessern oder wenigstens alle Flüchtlinge in Npal gleich zu behandeln.

Unheard Voices of Tibetans in Nepal – part 4:

https://www.youtube.com/watch?v=snu_FffZz6M

Der vierte Teil beginnt mit einer Rede von Sudeep Pathak, dem Präsidenten der Menschenrechtsorganisaton von Nepal. Er klagt an, dass bhutanesische Flüchtlinge vor diplomatischen Gebäuden protestieren dürfen, während friedlich protestierende Tibeter sofort verhaftet werden, obwohl die United Nations Declaration of Human Rights dieses Recht garantiert. Er verweist auf das Recht, überall auf der Welt friedlich zu demonstrieren.

Als nächstes geht es um die Möglichkeit, nach Amerika zu übersiedeln. Wahrend bhutanesische Flüchtlinge alle Möglichkeiten erhalten, ins Ausland zu gehen, können die Tibeter dies nicht – warum? Außerdem sollten die Tibeter darum kämpfen, nicht staatenlos gemacht zu werden. Auch Nikanta Sharma von der Human Rights Organisation of Nepal fordert ein Bleiberecht für Tibeter, die dort geboren wurden, dort leben und das Land lieben. Sollte dies eingerichtet werden, müsste die kommende Generation nicht mit der gleichen Diskriminierung und Verfolgung leben wie sie in den letzten 50 Jahren üblich war.

Mehrere Gesprächsrunden wurden eingerichtet, um das Problem auf lokaler Ebene anzugehen. Wenn man den Regeln des Landes folgt, sollte man im Gegenzug dort auch gleiche Rechte erhalten. Viele Tibeter, die kein Vaterland haben und in Nepal Asyl suchen, werden ohne Umstände nach China geschickt. Das Gleiche gilt für Bhutanesen. Trotz aller betonten Dankbarkeit der nepalesischen Regierung gegenüber äußern die Redner Beschwerden: Seit 1995 bekommen Tibeter über 18 keine RC mehr. In Pokhara haben über 70% der erwachsenen Tibeter keine solche ID. Sie müssen die Ausländerquote in Anspruch nehmen, um Ärzte, Ingenieure oder staatlich zugelassener Wirtschaftsprüfer zu werden und fordern die gleichen Rechte, wie sie nepalesischen Studenten zustehen. Tibeter sollten Vereine, Wirtschaftsunternehmen, und andere Möglichkeiten zur Anstellung auf der Basis angemessener und erhaltbarer Papiere erhalten.

Auf Basis der RC wurden keine Reisedokumente ausgegeben. Die tibetische Gemeinschaft fordert Reisedokumente, die zehn Monate lang gültig sind. Ob bhutanesische Flüchtlinge unterstützt werden entscheidet sich daran, ob man Indien erzürnt, und das Gleiche gilt für China, wenn es um Tibeter geht. Das Ansprechen dieser Probleme gilt als Tabu.

Yagya Raj Adhikari, regionaler Leiter der National Human Rights Commission, stellt die Beobachtungen dieser Organisation zur Menschenrechtsfrage der tibetischen Flüchtlinge dar. Ein Fall illegaler Verhaftung wurde aufgedeckt und mehrerer solcher Fälle wurden in ihren Berichten dargestellt. Tibetische Flüchtlinge wurden auf dem Weg nach Nepal aufgehalten und zurückgeschickt, obwohl sie verhaftet und einige sogar getötet wurden Er verweist auf den Fall von Teknath Rijal. Solche Fälle werfen Fragen nach der Unabhängigkeit der Regierung auf. Die Professorin Jyoti Bhattachan klagt an, dass in der Folge Unsicherheit um sich greife und gibt der Hoffnung Ausdruck, dass die Regierung diese durch entschlossenes Handeln beheben könne.

In Kumle wurde eine 15-Punkte-Deklaration zur menschenwürdigen Behandlung tibetischer und bhutanesischer Flüchtlinge verabschiedet. Nilkantha Sharma erinnert an das Unterzeichnen der Flüchtlingskonvention im Jahre 1951 und deren optionalen Artikel im Jahre 1967.

Die 2010 von Sambad Nepal produzierte Dokumentation endet mit dem nachdrücklichen Hinweis, dass sich ohne die Flüchtlingskonvention nichts an all diesem Leiden ändern wird.

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