Tibeter als Opfer nepalesischer Asylpolitik (Teil 1)

Kaufwilligen Touristen bietet sich ein Bild trügerischer Harmonie: Nepal aus friedlicher Hort tibetischer Kultur. Diese liebliche Illusion wird auch in Esoterikkreisen gehegt. Leider entspricht sie nicht der Wahrheit. 

Es gibt dazu eine sehr gute Dokumentation, die 2011 von Tsering Passang auf YouTube hochgeladen wurde. Leider sind die Untertitel nur Englisch. Deshalb gebe ich die Inhalte der einzelnen Abschnitte hier wieder.

Unheard voices of Tibetans in Nepal – part 1:

https://www.youtube.com/watch?v=VNJDK1ELKIM

Die Dokumentation beginnt mit einer Schulaufführung: Die Schüler spielen die tibetische Nationalhymne. Der Dalai Lama erklärt, dass Tibeter und Nepalesen jahrhundertelang wie Zwillinge gewesen sind. Eine Frau erzählt von ihrem Traum, irgendwann in ein freies und unabhängiges Tibet zurückkehren zu können. Nach diesem Auftakt erfährt man, dass einige der in der Folge Interviewten – und die Dokumentation besteht aus einem Mosaik von Interviews – aus Furcht vor Repressalien der nepalesischen Regierung anonym bleiben wollen.

Karchung und Sherik Dölkar studieren am P.N. Campus in Pokhara, Nepal http://www.pncampus.edu.np/about.php auf Masterebene. Sie erklären die Problematik: Ohne Staatsbürgerschaft können sie den Antrag auf eine Lehrerlaubnis nicht stellen. Sie unterrichten, haben aber gehört, dass die Lehrerlaubnis verbindlich geworden sei. Dies wird im nächsten Interview bestätigt: Baikunta Aryal, Distict Education Officer von Kaski, erklärt, das nach bestehender Gesetzeslage Nichtnepalesen keine Lehrerlaubnis erwerben können, auch wenn sie in Nepal wohnhaft sind. Es folgen Filmaufnahmen aus dem Alltag: diese Tibetergemeinschaft lebt seit 50 Jahren in Nepal, aber trotz allen Fleißes kann sie sich nicht weiterentwickeln, weil die Leute keine Papiere bekommen: keine Staatsbürgerschaft, keine offizielle Anerkennung des Flüchtlingsstatus.

Es geht um die RC, die Refugee Identity Card. Tashi Dundrup erklärt, dass sein 35-jähriger Enkel immer noch keine solche Karte besitzt, obwohl er in Nepal geboren wurde, und dass ihn das ziemlich fertig macht. Lhagpa Tsering erklärt, dass man für jegliche Arbeitserlaubnis entweder Staatsbürgerschaft oder Refugee Card braucht. Allerdings besitzen nur 25% der nepalesischen Tibeter eine RC, und Leute ersehnen lediglich eine RC in Verbindung mit gewissen Rechten, die allerdings nicht gewährleistet werden. Samten Thinle beklagt dasselbe: Die nepalesische Regierung stellt ihnen keine Papiere aus, die ihre Flüchtlingsstatus offiziell machen würden. Sie nutzt ihre Arbeitskraft, kümmert sich aber nicht um ihre grundlegenden Rechte und Chancen.

Dolma Tserings Tochter hat in Indien geheiratet. Ohne Pass oder RC hatte sie unheimlich Probleme mit der Einreise dort. Die Tochter der nächten Interviewten konnte trotz bestandener Prüfungen die Krankenpflegerausbildung am Manipal Teaching Hospital nicht machen, weil sie keine RC hatte. Der Nächste erzählt, dass sie ohne RC Geldüberweisungen aus dem Ausland nicht abholen können. Eine Lehrin verweist auf Kollegen, die arbeiten und Steuern zahlen. Die Regierung nimmt die Steuern, stellt ihnen aber kein RC aus. Einer erklärt, dass sie gerne zum Arbeiten in die Golfstaaten fahren würden, doch ohne Staatsbürgerschaft geht das nicht.

Es folgt ein Interview mit Dolma und Namgel, beide in Nepal geboren und ihr ganzes Leben dort ansässig, doch ohne Papiere. Sie haben jederzeit Angst, als Illegale verhaftet zu werden, und wissen nicht, wie es werden soll, wenn sie Kinder haben.

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Unheard Voices of Tibetans in Nepal – part 2: https://www.youtube.com/watch?v=F2QecynAUrY

Dolma und Namgel können sich kein sinnvolles Leben für ihre Kinder vorstellen. Es geht weiter mit den Schwierigkeiten, seine Kinder überhaupt behördlich registrieren zu lassen, also eine Geburtsurkunde zu bekommen. Die Behörden zögern und verschleppen die Bearbeitung. Dilip Bavali, ein zuständiger Beamter, erklärt die Rechtslage: Man macht Aufzeichnungen, per Gesetz steht den tibetischen Kindern aber keine Geburtsurkunde zu. Sie bekommen nur irgendein Papier mit Stempel drauf.

Nepalesische Frauen, die Tibeter heiraten, verlieren ihre Staatsbürgerschaft. Ihre Kinder auch, selbst wenn die ganze Familie in Nepal lebt. Hierzu folgen Interiews mit Anita Lama und Hira, die ihre Behördengänge schildern. Die Nepalesin Hira wollte in Nepal im Hotel arbeiten, doch ohne RC ging das nicht, und RC bekommt sie sowieso nicht – sie ist ja kein Flüchtling.

Die folgenden Interviews drehen sich um die Art, wie die Tibeter, die 50 Jahre vorher mit leeren Händen ankamen, von der nepalesischen Gesellschaft gesehen werden. Man verweist auf ihren Beitrag zur Entwicklung der Wirtschaft, auf die Entwicklung der Teppichindustrie, die Produkte für die Tourismusindustrie, so dass Nepalesen diese Fähigkeiten lernen und den Tourismus weiter entwickeln konnten. Insbesondere die Tibetercamps verkaufen viel extra anreisende Touristen, was die ortansässigen Betriebe unterstützt.

Der nepalesische BBC-Korrespondent Narayan Karki wünscht sich die Bürgerrechte und garantierte Freiheiten für ortsansässige Tibeter. Staat und Menschenrechtsorganisationen sollten sic darum kümmern. Dies würde die Beschulung der Kinder und Berufsmöglichkeiten fördern. Dass man solchen Organisationen Lobbyismus vorwirft, sei ein falsches Konzept. Es sei die Pflicht der Nepalesen, den Leuten ohne Stimme eine Stimme zu geben; da Tibeter in der nepalesischen Gesellschaft leben, ist es ein Problem, das alle angeht. Narayan Karki erwähnt China: Die paar tausend Flüchtlinge könnten für solch eine große Nation keinen Unterschied machen. Er hält es für Unsinn, wenn Leute den Slogan „Free Tibet“ benutzen. Solange sie nicht heimgingen, seien sie Flüchtlinge und Nepal sollte ihnen Arbeitsmöglichkeiten und die Beschulung der Kinder anbieten. Nepal sollte keine Angst davor haben, was China darüber denkt.

Tirta Shresta von der Drama & Arts Academy beklagt die schlechte geographische Lage der Flüchtlingscamps. Die Tibeter sind aufs Überleben reduziert und haben nicht die grundlegenden Bedingungen, welche die internationale Konvention für Flüchtlinge vorsieht. Wie sie sich ernährt, Schulbildung erworben und ihre Kultur erhalten haben, ist ihm ein Rätsel. Er fordert, dass seine Nation, die sie aufgenommen hat, sich darum kümmert.

Shiva Malla von der Shangrila-Bank schildert seine Privatinitiative: Er sah die verzweifelte Lage der tibetischen Teppichknüpfer und half – unter anderem, indem er zum Beispiel Tensin Gheten Arbeit gab und einen Klassenkameraden seiner Tochter unterstützte, der MBBS (Medicinae Baccalaureus) studiert hatte, aber keine Zulassung bekam.

Die Aufbereitung des dritten und vierten Teils:

https://blaetterfluggedankenschnuppendotcom.wordpress.com/2016/03/26/tibeter-als-opfer-nepalesischer-asylpolitik-teil-2/

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