Tibetische Lieder

Tibetische Lieder handeln vom Schneeland und von der Gegenwart der Buddhas. Sie thematisieren die politische Lage, was für viele Musiker in Tibet einen ständigen Balanceakt mit Zensur und Gefängnis bedeutet, wenn die Doppelbedeutungen der harmlosen Geschichten, die sie erzählen, zu deutlich wird. Sie preisen den Dalai Lama und die Eltern oder behandeln alltägliche Situationen. Natürlich gibt es viele Liebeslieder. Im Exil – in der Schweiz, den USA, Nepal, Indien und überall auf der Welt, wo genug Tibeter leben, um ein eigenes Sozialleben aufbauen zu können, gibt es bei Veranstaltungen Tänze und Lieder in tibetischer Sprache. Das Internet ist unheimlich wichtig, dabei, die eigene Kultur und Sprache lebendig zu halten und weiterzuentwickeln. Deshalb die vielen qualitativ hochwertigen Aufnahmen auf Youtube und ebenso die Unzahl an Mitschnitten einzelner Veranstaltungen, die eine ausgesprochen praktische Funktion haben: Stehen sie in Netz, können Verwandte und Freunde überall auf der Welt anschauen, was bei diesem oder jenem Fest vor sich ging.

Vor Veranstaltungen des Dalai Lama finden sich ebenfalls häufig tanzende und singende Tibetergruppen. Das ist das Gegengewicht zu den Shugden-Anhängern, die zu den Veranstaltungen in deutlich neuwertiger Mönchs- und Nonnenkleidung anreisen, laute Musik einschalten und Hassparolen skandieren. Sie verwickeln Passanten in Gespräche über ihre angebliche Unterdrückung durch den Dalai Lama, der gesagt hat, dass er persönlich diese Praxis nicht mehr macht und die Gründe nannte, die allerdings gute Gründe sind. Die Tibeter reagieren auf den Krawall, indem sie ruhig ihre eigenen Flugblätter verteilen, ihre Kreistänze machen und laut singen, um der lauten Musik und den Parolen ein Gegengewicht zu bieten und sich demonstrativ nicht stören zu lassen. Die letzte Situation dieser Art, bei der ich dabei war, war der Besuch des Dalai Lama in Wiesbaden. Die tanzende Gruppe, die vor allem aus Schweizer Tibetern bestand, hatte anscheinend die gesamte Veranstaltung draußen verbracht und der Hauptsänger wurde deutlich heiser. Zum Glück kam ein hauptberuflicher Musiker nach, der im Vortrag gewesen war und seine bühnenfüllende Präsens und tragende Stimme einsetzte, um weiterzusingen mit Lieder, die jeder kannte. Es war schon ein gutes Gefühl, dass die Shugden-Leute schon abgebaut hatten, als auch er heiser wurde.

So, und hier paar Videos verschiedener Musiker: Tenzin Donsel, Yangchig Tso. Namkha Tso und Gepe:

Wer sich wirklich viel traut, ist der in Tibet lebende Gepe. Im Sad Tibetan Songs singt er von der Schneeblume, die der heftige Wind zerstört, von der feindlichen Armee, de alles nahm, vom stagnierenden Leben der Gebirgsbewohner ohne Lebenschancen und Naturwissenschaften und von der Flucht aus dem Schneeland, in dem Essen und Kleidung gestohlen wurden, so dass man schutzlos ausgeliefert sein Leben fristet: (english sub) Sad Tibetan Song by Gepe https://www.youtube.com/watch?v=AOKYiqjFiw4

Weniger intellektuell, eher ein Mädchenclip, aber mit einer klaren Botschaft zum Selbstverständnis junger Tibeterinnen: Bhoe kyi bhumo oder Pö kyi pumo – je nach Dialekt – sind tibetische Mädchen. Im Liedtext geht es darum, dass sie frei, stark und stolz sind. Die Sängerin Tenzin Donsel kommt aus dem TIPA, dem Tibetan Institute of Performing Arts in Dharamsala. Das Video wurde wohl in Indien gedreht: Tibetan new song Bhoe Kyi Bhumo by Tenzin Donsel https://www.youtube.com/watch?v=bIgYvPW4ybo

In Tibetan song 2013 Himalayi Semo By Yangchug Tso HD  geht es um die Prinzessin des Himalaya: https://www.youtube.com/watch?v=eX8dqO141gI

Ein ruhigeres Lied über Kawa ཁ་བ།, den Schnee, singt Namkha Tso über die Tränen, die sie bei Schneefall weint, weil er Erinnerungen weckt: https://www.youtube.com/watch?v=1DGouyFAbKA&list=PLuoOVpurPJP5CMQz1dL3y0sitsFtQpefN

Mit den besten Wünschen zum neuen Jahr setzte die Gruppe Dharma Entertainment Productions am 01.01.2016 ihr Musikvideo Nyompa auf YouTube. Ein Nyompa ist ein verrückter Yogi, der durch seine unkonventionelle Lebensweise festgefahrene Konzepte zerstört. Ein ganz berühmter war Drugpa Künleg. Einmal kam er an einen Ort, an dem ein berühmter Lehrer auf einem hohen Thron in prunkvollen Roben eine Zeremonie anhielt. Die Leute brachten Geschenke über Geschenke, luden sie beim Lehrer ab und bekamen dafür seinen Segen mit den Worten: „Stelle dir vor, dass du den Segen des Buddha erhältst. In seiner zerlumpten Kleidung stand Drugpa Künleg ungerührt in der Schlange, die Hände hoch erhoben, als hielte er einen schweren Gegenstand auf seinem Kopf. Als er dran war, sagte er zum Lehrer: „Stell dir vor, dass ich hier eine Opfergabe habe.“ Hier lernen wir einen modernen, städtischen Nyompa mit Ghettoblaster kennen: https://www.youtube.com/watch?v=oCqIjLPMYRA.

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