Java

Das durchdringende Gefühl, im Dunstkreis des bizarren Humors eines Herrn Drehschwindels eine ganz großen Fehler zu machen, indem ich den Faden weiterspinne, den er liegenlässt, umhäkelt mich vom ersten Buchstaben an und zappelt und flirrt in jener der Welt mit ihren auf Kausalität ausgerichteten Sinnen unzugänglischen Schattenspielen…

doch was tut man nicht alles für eine Geschichte mit üblem Ende.

Java also.

Java ist eine Programmiersprache, ja?

Jene einfache Programmiersprache, die mit allen möglichen komplexeren Systemen kompatibel ist?

Wenn es doch nur so wäre!

Denn es kam der Tag, an welchem Herr Drehschwindel grienend und sabbernd vor seinem Computer saß und sich nicht träumen ließ, dass der geniale Verbrecher Prof. Dr. Brain die Kompatibilität seines Spielzeugs für immer verstümmeln würde.

Grell durchschnitt sein irres Kreischen den Saal – doch was wusste Drehschwindel davon, der in diesem Moment an seinem Java tippte und sich in Sicherheit wähnte. Er hörte ihn ja nicht. Er sollte ihn nicht hören und er würde ihn nicht hören.

Verwirrt hielt Drehschwindel inne, als seine Buchstabenreihen in Zacken zerflossen, sich konsolidierten, erneut zerflossen, um dann auf dem Bildschirm ein Kreuzchenmuster zu formen, in dem er eine einsame Insel mit einer Palme erkannte.

Mit dem ersten F1 hüpfte die Insel, mit dem nächsten F1 sprang sein Stuhl und katapultierte ihn mitten hinein.

Sein Hintern plumpste in den warmen Sand, und er japste nach Luft. Diese war lau und roch salzig. Lichtblauer Himmel überspannte die Welt gleich der Abdeckung einer extrahübschen Käseglocke, deren Boden die wellenbewegte Oberfläche des Meeres bildete. Darin ein winziger Knubbel: die Insel.

Drehschwindel kam stolpernd auf die Füße, klopfte Sand aus der Hose und sah sich um. Nichts störte die Aussicht bis zum Horizont, und das irritierte ihn ganz erheblich. Er trat zur Palme, um mit einer Hand an den Stamm zu klopfen und sich dann anzulehnen, um den Schock zu verdauen.

Ein lauwarmer Klacks landete auf seiner Nase, und als er die weißgraue Masse auf seiner Hand überprüftem sieg ihm beißender, ätzender Geruch in die Nase. Die Augen beschirmend blickte er hoch und sah einen Papagei.

Das Tier trippelte hin und her und sträubte die Federn. Unwillkürlich spürte Drehschwindel doch Erleichterung, nicht allein zu sein.

Lora!“, rief er nach oben. „Was ist los? Sag’s mir!“

Der Papagei ließ sich Zeit, Ein weiterer Klacks folgte, der diesmal den Sand traf.

Dummkopf!“, krächzte das Tier. „Java ist eine Insel!“

Das weiß ich auch“, erwiderte Drehschwindel und suchte einen Stein, den er nicht fand. „Sonst noch was?“

Der Vogel drehte den Kopf, die klugen Knopfaugen blitzten. „Java ist eine Insel“, krächzte er. „Java ist eine Insel!“

Und Drehschwindel verstand, dass dies alles war, was er bis zum Ende seines Lebens zu hören bekommen würde.

© Alexandra Trinley 2016

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