Bauarbeiten

Die Beschreibung einer wahren Begebenheit.

Der Lastwagenfahrer kam, nach mehreren Telefonaten, vor Mittag. Hielt an, betrachtete missmutig die Einfahrt und den kleinen Grasstreifen. Das Ansinnen, die beiden Paletten mit je einer Tonne Material über den Vordergarten zu heben, lehnte er rundweg ab. Das könne der Kran nicht, dazu sei er zu kurz. Das geht nicht.

Spontane Familienkonferenz: Wozu haben wir den Kran dann bezahlt? Neue Runde. Nein, wenigstens die eine Palette auf das knapp anderthalb Meter hohe Podest vor der Haustür zu heben, ebenerdig mit der Baustelle, geht auch nicht. Dazu ist der Kran auch zu kurz.

Nächste Runde. Verhandlung hin, Verhandlung her, der Mann wirkte ein wenig wacher, setzte seinen Laster um, zog manuell die Seitenstützen aus und begann, die eine Palette zu angeln. Sobald er sie hatte, schwenkte er sie hin und her und schaukelte sie, bis sie schließlich, nur einen Ast der teuren Kiefer zu Boden pressend, auf dem Podest saß

Nächste Runde. Ob er den viereckigen Sack mit der Tonne Kies dann wenigstens zwischen die Sträucher und Koniferen im Vorgarten absetzen könne. Nach verhaltenen Gesten des Entsetzens und des Protestes angesichts der geneigten Fläche setzte er den Laster um. Der weiße Behälter schwebte los. Große Spannung im Publikum: Würde er den Lorbeer erwischen, die Konifere oder den Bambus?

Die Sensation: Wie ein großer, satter Vogel streifte der Behälter die Konifere und zwang sie in eine tiefe Verbeugung, um dann fast punktgenau an der ursprünglich andiskutierten Stelle zu landen, die der Kran bis dato unmöglich erreichen könnte, weil zu kurz, nämlich auf der freigekratzten, mit Kies und Pflaster zu füllenden Fläche hinter dem Vorgarten. Leider mit der Ecke auf dem benachbarten Hangflor, so dass unser neuer Freund noch mehrmals anheben und umsetzen musste, bis das Ding saß und er die Greifer wieder rausbekam.

Danach eine milde Überraschung: Nichtstammkunden müssen bar bezahlen, war uns gesagt worden, und wir hielten das Geld bereit. Natürlich war der mitgeteilte Preis trotz mehrfacher Nachfragen doch nicht brutto, sondern netto, so dass noch schnell einen Fuffi Mehrwertsteuer dazukam.

Hätten wir den Zuschlag nicht dagehabt, hätte er das Zeug wieder mitgenommen?

 

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